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„Ich versuche, das zu regeln“

Rolf Knoke (l.) geht in den Ruhestand, Holger Walkling ist der neue Kontaktbeamte. Foto: Korth

Autorität mit Herz und Humor: Rolf Knoke war 18 Jahre Kontaktbereichsbeamter in der Südstadt.

Von Marion Korth, 02.09.2017.

Braunschweig. Da liegt der Geruch von Holzkohlenrauch in der Luft, dazwischen weht ein Hauch von Wehmut und Abschiedsstimmung. Ein lockeres Grüppchen in ebensolcher lockerer Stimmung hat sich vor der Polizeistation Südstadt zusammengefunden, um sich von Rolf Knoke zu verabschieden. Der Mann ist Polizeioberkommissar, war aber vor allem 18 Jahre lang „ihr“ Kontaktbeamter in der Südstadt. Das verbindet.

Jetzt muss Knoke doch sichtlich nach Fassung ringen, die für den nächsten Tag geplante offizielle Verabschiedung in den Ruhestand ist eins, aber diese kleine Feier haben die Vereine und der Bezirksrat in der Südstadt hinter seinem Rücken still und leise organisiert, etliche Bürger kommen einfach so vorbei. „Dass die Leute jetzt draußen stehen und tschüss sagen wollen, das freut mich ganz besonders“, hatte Knoke ein paar Minuten zuvor beim Gespräch in der kleinen Polizeistation gesagt. Das sei ja der Sinn seiner Arbeit, für die Bürger da zu sein, zu erklären, zuzuhören, zu vermitteln und Schlimmeres zu verhindern. Wann immer Schwierigkeiten hochzukochen drohten, war er gefragt: „Ich versuche, das zu regeln.“ Und zwar bevor ein Schiedsmann einschreiten muss oder ein Streit zur Straftat wird.

Es sind die vielen kleinen Erfolge, an die er sich erinnert. Als einmal ein Mann vorbeikam und sich bei ihm bedankte: „Sie haben mir so geholfen, dass ich jetzt wieder mit meinem Nachbarn reden kann.“ Nach einem Bier im Garten sei wieder alles im Lot. Oder als Knoke als Ersthelfer zur Stelle war, nachdem in einem Kreisel ein Motorradfahrer gestürzt war und sich schwer verletzt hatte.

„Es ist entscheidend, sich mit dem Bezirk zu identifizieren“, sagt Knoke. Über die Jahre lernt man die Menschen und ihre Macken kennen, duzt sich mit dem einen oder anderen. Zu mancher Adresse musste Knoke öfter, manchmal in Kollegenbegleitung. „Dann bin ich vorgegangen.“ Selbst notorische Störenfriede habe das bekannte Gesicht besänftigt. „Ich hatte ganz selten Widerstände“, sagt Knoke.

Die Schulwegsicherung steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Jeden Morgen passen er und sein Kollege Ralf Olschewski auf, dass die Kinder gut aus dem Bus kommen. So wachsen über die Jahre die Kinder und die Beziehungen. „Hier bekommt die Polizei ein Gesicht“, sagt Stefan Weinmeister, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei. Der Wert kleiner Stationen wie der in der Südstadt und der Einsatz der Kontaktbeamten sei nicht hoch genug zu schätzen. Viel Zeit für Fußstreifen – unverzichtbar für einen Kontaktbeamten – ist ohnehin nicht. „90 Prozent ist Sachbearbeitung“, sagt Knoke. Den Dienst wird er trotzdem vermissen, „ich gehe mehr mit einem weinenden als einem lachenden Auge“. Und Kollege Ralf Olschewski kommt jetzt mit dem Rad zur Arbeit – wenn Knoke weg ist, war es das mit der Fahrgemeinschaft. Die beiden sind ein eingeschworenes Team, haben auch schon mal in „Stoever- und Brocki-Manier“ im Streifenwagen gemeinsam gesungen. „Gut, dass uns keiner hören kann“, habe Knoke hinterher knapp gesagt.

Sein Nachfolger wechselt am 1. Oktober vom Heidberg an den Welfenplatz: Holger Walkling. Für drei Wochen hat er sich schon einmal probeweise in seinem neuen Bereich umgesehen. Er freut sich auf die neue Aufgabe. Man bewirbt sich nicht für die Stelle als Kontaktbereichsbeamter – man wird gefragt. Eine Vertrauensstellung von Anfang an. Walkling macht in der Tat den Eindruck, als könne er gut auf Menschen zugehen …
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