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„Ich möchte etwas Sinnvolles machen“

Uli findet beim Verband Alleinerziehender Mütter und Väter Halt, Unterstützung und eine Aufgabe.

Von Martina Jurk, 25.12.2011.

Braunschweig. Uli feiert nicht gern Weihnachten. Seit elf Jahren erzieht er seine Tochter allein. Auch ein Grund, warum er seitdem keinen Job gefunden hat. 40 Euro – mehr ist nicht drin für ein Weihnachtsgeschenk. Uli leidet. Er findet Beistand beim Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV).

In dem Familienverband finden geschiedene, getrennt lebende, nicht verheiratete Mütter und Väter einen Treffpunkt Gleichgesinnter, die sich über ihre Erfahrungen austauschen, beraten werden, sich gegenseitig helfen und gemeinsam etwas unternehmen. Uli (Name von der Redaktion geändert) fühlt sich hier gut aufgehoben, seitdem er alleinerziehend ist. Als der heutige Mittfünfziger geschieden wurde, halfen ihm die Kontakte zu Gleichgesinnten.
Für seine sechzehneinhalbjährige Tochter verzichtet er auf alles. „In dem Alter benötigt sie mehr Taschengeld. Gebrauchte Sachen kann und will sie jetzt nicht mehr tragen. Sie weiß, dass es mau aussieht und hat auch Verständnis, dass sie nicht alles bekommen kann, was sie sich wünscht.“ Uli fällt es schwer, darüber zu reden. Sparen sei schwierig, wenn man von Arbeitslosengeld II leben muss. „Wir wollen unsere Wohnung renovieren, das frisst unser Budget komplett auf“, erklärt er. Seit Wochen stottert er mal hier eine Rolle Tapete ab, mal dort einen Eimer Farbe. Dem gelernten Industriekaufmann hat wohl kein Arbeitgeber zugetraut, dass er das mit dem Job als Alleinerziehender bewältigen kann. „Mein Gehalt ist Hartz IV“, sagt er. Weder ein Studium noch einen Führerschein könne er seiner Tochter finanzieren. „Im Verband hat sie Kinder mit dem gleichen Schicksal kennengelernt. Das hat sie geformt“, erzählt Uli. Ihr Ziel sei es, Abitur zu machen. „Ich lebe ihr vor, dass man nichts geschenkt bekommt. Das Schlimmste wäre, zu Hause herumzuhängen und sich seinem Schicksal zu ergeben. Ich möchte etwas Sinnvolles machen“, meint der alleinerziehende Vater.
So etwas ist der VAMV. Uli ist eines von 64 Mitgliedern in Braunschweig. Er hilft anderen, wenn sie Probleme mit ihrem Computer haben oder einen Rat beim Ausfüllen von Formularen brauchen. „Armut darf nicht zu Ausgrenzung führen. Dafür setzen wir uns ein. Jeder soll als Mensch angesehen werden“, sagt Wolfgang Kraemer, stellvertretender Vorsitzender des Braunschweiger VAMV-Ortsverbands. In den Räumlichkeiten in der Kaiserstraße 31 ist sowohl Platz für eine Kindergeburtstagsfeier als auch für eine Rechtsberatung oder das Schreiben einer Bewerbung. Die Aktivitäten im Ortsverband reichen vom Kindernachmittag über Freizeiten, Computerkurse, Rechtsinformationen zu Hartz IV und Familienrecht, Einzelgespräche mit einer Psychologin, Bewerbungstraining bis hin zu Klön- und Spieleabenden. Jeden Freitag und jeden ersten Sonntag gibt es Frühstück, jeden Montag Erwerbslosenfrühstück. „Wir wollen die Mitglieder aus der Isolation herausholen“, sagt Kraemer. Das gelinge in den meisten Fällen. „Der Verband hat mir beim Alleinerziehen unheimlich geholfen“, bestätigt Uli.
Kontakt: VAMV Ortsverband Braunschweig, Kaiserstraße 31, 38100 Braunschweig, Telefon: 6 01 84 00, E-Mail: info@vamv-bs.de, Internet: www.vamv-bs.de
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