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„Ich habe noch so viele Sachen auf dem Zettel“

Am 22. und 23. September präsentiert Country-Musiker Gunter Gabriel sein Programm „Hello I‘m Johnny Cash“ bei Kultur im Zelt.

Von André Pause, 05.09.2012.

Braunschweig/Harburg. Ein Interview mit Gunter Gabriel? Kein Problem, einfach anrufen, meint sein Management und gibt dem verdutzten Journalisten die Handynummer des Country-Sängers.

Also, Anruf. Er sei unterwegs in Bielefeld, tönt es aus der Leitung, Aber ich könne sofort anfangen mit meinen Fragen. Prima. Eine gute halbe Stunde unterhalten wir uns: über seine Biografie, den oft aus Übermut „gebauten Mist“, seine gerade Haltung, den mit Cash-Interpretationen und -Musical wiedergekehrten Erfolg und vieles mehr. Einige intime Sachverhalte werden explizit nicht erfragt, dafür aber umso expliziter beantwortet. So pflege der im Juni 70 Jahre alt gewordene Gabriel zu Braunschweig „eine gewisse erotische Beziehung“. Nähere Ausführungen dazu ersparen wir uns hier. Der Feststellung, dass wir das Interview auch gut persönlich hätten führen können, folgt die spontane Einladung Gabriels auf sein Hausboot in Hamburg-Harburg: „Komm her, komm vorbei.“ Hm, mal gucken…
Einen Tag später. Das Boot liegt recht versteckt, der Sänger kommt mir entgegen. Etwas stressig sei es nun doch geworden, erzählt er. Seine Buchhalterin und die neue Freundin Monica erledigen Administratives, während Gabriel mir das ausgebaute Hausboot präsentiert. Noch ein paar Fotos an Deck, dann möchte er los: Der Magen knurrt. Wir warten auf Monica, sie muss fahren. Der Mann, der in seinem ersten Singlehit einen 30-Tonner Diesel fahrenden „echten Kerl“ besang, darf derzeit selbst kein Fahrzeug lenken.
Seine Auftritte sind, obwohl die größten Erfolge beinahe 40 Jahre zurückliegen, weiterhin zahlreich. Mit seinen legendären Wohnzimmerkonzerten, bislang 1200, hat er innerhalb kürzester Zeit eine halbe Million Euro Steuerschulden getilgt. Und er tritt weiterhin in diesem Rahmen auf. „Die Geschichte war ja im Grunde nur eine Symbolik. Ich hätte die Schulden wohl etwas länger abgestottert, aber niemals Insolvenz angemeldet.“ In der NDR-Talkshow hatte der Country-Star eine Telefonnummer einblenden lassen. Das Ziel: 500 Buchungen für ein Privatkonzert à 1000 Euro. „Ich habe aber nicht mit dieser Resonanz gerechnet. Es gab an dem besagten Wochenende 2000 Anrufer, die mich buchen wollten.“ Mit jedem Wohnzimmerkonzertveranstalter ist Gabriel bis heute persönlich verbunden. Ein Buch mit dem Titel „Näher geht’s nicht“ schreibt er gerade.
Überhaupt geschieht derzeit unglaublich viel. Das glänzend angenommene Musical „Hello I’m Johnny Cash“ läuft noch bis zum Frühjahr, nicht nur in Hamburg und Berlin. Bis nach Wien, Zürich, Innsbruck und Graz wird es nun gehen. Parallel hat der Erfolg die Theatermacher auf den Plan gerufen. Gunter Gabriel soll auch sein eigenes bewegtes Leben auf die Bühne bringen. „Das ist eigentlich unfassbar.“ Durch diesen neuen Boom, den er staunend zur Kenntnis nehme, kämen nun sehr viele Produktionsfirmen und TV-Stationen auf ihn zu, mit den tollsten Ideen. Unter anderem sei ein Roadmovie geplant. Und auch eine neue CD hätte eigentlich schon längst fertig sein sollen. Erscheinen wird das Album erst im Januar oder Februar.
Mit dem Auto geht es zum Hamburger Fährhaus „Bei Rosi“. Der rasante Fahrstil von Freundin Monica ist zu viel für den doppelt so alten Lebensgefährten: „Sie fährt wie Michael Schumacher, immer zu schnell“, knurrt es von der Rückbank. In der Gaststätte die freudige Begrüßung, man kennt sich. Bei Curry-Pommes und Apfelschorle kommen die Gäste vom Hundertsten ins Tausendste: Astrologie, junge Frauen, Seemannsgarn. Mittendrin Gabriel, dessen Handy jetzt unablässig klingelt. Die Frankfurter Allgemeine möchte ein Interview und das ZDF erfragt einen Hausboot-Dreh für „Leute heute“ – natürlich mit der neuen Freundin.
Nach einer Dreiviertelstunde müssen die beiden schließlich aufbrechen, nehmen mich noch mit zum Harburger Bahnhof. Unterwegs erzählt Gabriel, dass ein Fan ihm vor kurzem einen Cadillac „fast geschenkt“ habe. Den lasse er gerade pink lackieren. Im Gegenzug bekam der Fan die bekannte, im Design der Deutschlandfahne gestaltete Gitarre des Künstlers. „Ich habe das damals in Anlehnung an Johnny Cash so machen lassen. Weil ich ein deutscher Patriot bin“, sagt der Sänger und schiebt zur Vermeidung von Missverständnissen nach: „Aber kein deutscher Idiot.“ Wer Gunter Gabriel so erzählen hört, bemerkt seinen Tatendrang. „Ich habe noch so viel auf dem Zettel, ich werde noch meine Beerdigung verpennen“, juxt er. Seine von vornherein auf 250 Seiten beschränkte Biografie wird also fortgeschrieben…
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