Anzeige

„Ich bin dankbar für dieses Glück“

Ein temperamentvoller Mann: Josef Ziga. Foto: Ammerpohl
 
Josef Ziga wurde 1971 in Subotica/Serbien geboren. Er studierte Musik und Musikwissenschaften in Belgrad. Seit 1994 gehört er zum Staatsorchester Braunschweig. Zunächst auf der Position als „Zweite Geige“, seit 1997 als stellvertretender Konzertmeister. Foto: T.A.

Josef Ziga ist Geiger im Staatsorchester Braunschweig – Der Mann aus Serbien setzt auf Zuversicht, Gottvertrauen und Lebensfreude.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 20.06.2015.

Braunschweig. „Ich bin dankbar, dass Gott mir dieses Glück geschenkt hat“, sagt Josef Ziga und zeichnet mit ausholender Geste einen Bogen in die Luft. „Dieses Glück“, das meint eben alles – sein Leben, seine Liebe, seinen Beruf. „Das Schicksal meint es gut mit mir“, strahlt der aus Serbien stammende Ungar.

Nicht, dass Josef Ziga Höhen und Tiefen, Trauer und Schmerz nicht kennen würde – seine Eltern und seine Schwester sind gestorben – nein, sein Glück ist seine Zuversicht, sein Gottvertrauen, seine Lebensfreude.

„Es gibt den gleichen Flecken Erde nicht zweimal auf der Welt“, sagt er und beschreibt mit diesem schönen Bild sein Rezept, in der Fremde anzukommen. „Du darfst nicht vergleichen zwischen zu Hause und hier“, ist sein Ratschlag: „Es ist anders, aber nicht schlechter.“

Ein Glückskind

Josef Ziga ist schon lange angekommen, ist integriert, hat seine Kultur und seine Identität aber nie aufgegeben: „Ich liebe mein Heimatland über alles.“ Und dennoch lebt er in Braunschweig. Seit 21 Jahren. „Hier bin ich jetzt zu Hause“, macht er deutlich.

Geboren ist er noch im „alten Jugoslawien“, im Mai 1971 in Subotica/Serbien. „Schon in Mamas Bauch habe ich Musik gehört“, schwärmt er von seinen musikalischen Eltern, die beide Pianisten waren. Mit sieben Jahren bekam Josef eine Geige. „Es war ganz leicht, ganz selbstverständlich“, blickt er zurück. Mühsames Lernen kennt er nicht. Bis heute. Das meiste fällt ihm leicht, manches einfach zu. Das weiß der Mann mit den tiefschwarzen Haaren auch und grinst übers ganze Gesicht – freut sich einfach, dass es gut läuft für ihn.
Vielleicht hat er aber auch einfach die Gabe, das Glück nicht nur zu finden, sondern auch wahrzunehmen und zuzugreifen. Fast hätte er das auch bei einer anderen Gelegenheit getan. Denn auch sportlich hat Josef Ziga jede Menge Talent. „Mit 13 Jahren bekam ich ein Angebot für die Nachwuchsmannschaft unseres größten Fußballvereins“, weiß er noch genau. Aber seine Eltern sagten Nein. Sie wollten ihren kleinen Josef nicht so weit weg wissen.

Also Musikschule und daneben das normale Gymnasium – an beiden Schulen ein erstklassiges Abitur. Offensichtlich ist Josef Ziga hochbegabt, aber das hört er nicht so gern. Auf jeden Fall suchte diese Begabung sich rasch ihren Weg, bereits mit 16 Jahren spielte der junge Geiger auf großen Bühnen in ganz Jugoslawien. Das Musikstudium lief „wie geschnitten Brot“, dann kam eine Anfrage aus Braunschweig. Sein Onkel Michael Kekenj spielte schon seit 1979 hier im Staatsorchester.

Josef Ziga wollte nicht. „Es ist so schön in Dubrovnik, eine der schönsten Städte der Welt“, schwärmt er noch immer. Und – er hatte gerade seine zukünftige Frau Alexandra kennengelernt.
Aber Jugoslawien Mitte der 90er-Jahre war gekennzeichnet von immer schwieriger werdenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Wie eine Familie

Also doch Vorspielen in Braunschweig. Und klar: Bei so viel Glück bekam er gleich eine Stelle als Zweiter Geiger. „Der Empfang war so schön und warmherzig“, schwärmt Josef Ziga von seinen Musikerkollegen im Orchester. Das hält bis heute. „Ich habe gute, gute Kollegen“, sagt er ganz ernsthaft, „es ist wie in einer Familie.“ Auch mal mit Meinungsverschiedenheiten, aber eben immer auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt. Wie in einer Familie eben.

Josef Ziga ist ein extrovertierter Mensch, er genießt die Bühne. Im Großen Haus „verschwindet“ er ja meistens mit seinen Kollegen im Orchestergraben. Auf dem Burgplatz, bei „Pop meets Classic“, bei Sinfoniekonzerten oder bei einem der vielen anderen Auftritte aber fällt er irgendwie immer auf. Er lacht mehr und breiter, er sucht den Kontakt zum Publikum, sein ganzer Körper schwingt mit der Musik.

Wenn er sich etwas wünschen dürfte, dann „etwas mehr Oper“ im Repertoire, seine persönlichen Favoriten sind die großen Italiener und „Der Ring“. Und er wünscht sich einen guten neuen Generalmusikdirektor.

Alexander Joel habe da Maßstäbe gesetzt. „Er war das Beste, was uns passieren konnte, ein großartiger Dirigent und ein großartiger Mensch“, schwärmt Josef Ziga. Aber er ist in das freie Künstlerleben gewechselt, „gerade dirigiert er ’La Bohème‘“ in Covent Garden in London“, erzählt Ziga begeistert. Als „Überbrückung“ steht Ehrendirigent Stefan Soltesz am Pult. „Ein Genie“ – bringt es Josef Ziga auf den Punkt.

Da hat es ein Nachfolger nicht ganz leicht. Ziga aber wird ihn auf jeden Fall warm und offen empfangen. „Ich präsentiere mich gern“, gibt er zu, „aber ich freue mich auch über den Erfolg meiner Kollegen. Neid kenne ich nicht.“
Der Musiker und seine Familie sind seit Langem und endgültig angekommen in Braunschweig. Die Ehefrau arbeitet als Modeberaterin, der 19-jährige Sohn Daniel will Management studieren.

Und im Urlaub? „Wir lieben die Toskana“, erzählt Josef Ziga. Da sei das Leben wie früher in Dubrovnik: ein wenig Bohème, ein wenig leichter, ein wenig lockerer.

Aber – während einer Tournee durch Spanien musste er gerade mehrfach auf verspätete Kollegen und sogar zwei Stunden auf den Bus warten. „Da habe ich gemerkt, wie deutsch ich doch schon bin“, sagt er und lacht schallend. Eben richtig angekommen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.