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Hotline, Versicherungen, Banken: Fallstricke lauern überall

Beraten Kunden zu allen Rechtsfragen (v.l.): Maximilian Gehr, Petra Wolf und Marvin Momberg (Projekt für Flüchtlinge) von der Verbraucherzentrale in Braunschweig. Foto: T.A.

Seit drei Jahren hat Braunschweig wieder eine Verbraucherzentrale – Ein Zwischenstand.

Von Birgit Leute, 21.10.2016.

Braunschweig. Wer bei ihr klingelt, ist entweder abgezockt worden oder gutgläubig in eine Vertragsfalle getappt: Seit rund drei Jahren hat Braunschweig wieder eine Verbraucherzentrale. 2002 musste das Büro schließen: Die Stadt hatte den Geldhahn zugedreht und die Förderung – damals noch unter Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann – eingestellt. Seit 2013 gibt es nun eine neue Stelle im Langen Hof 6, direkt gegenüber dem Rathaus.

„Die Schließung war ein Fehler“ sagt Maximilian Gehr vom Beratungsteam rückblickend. Mit seinen Kollegen hat er harte Wiederaufbauarbeit geleistet. „Anfangs konnten wir nur reduzierte Öffnungszeiten fahren, doch die Menge der Anrufe machte schon bald klar: Das Angebot musste ausgebaut werden“, so der Experte für Versicherungen.

Das ist inzwischen geschehen. Allein im vergangenen Jahr zählte die Verbraucherzentrale in Braunschweig rund 7500 Kontakte – aus der gesamten Region. Seit Kurzem gibt es mit Marvin Momberg auch einen Ansprechpartner für Flüchtlinge, die leichte Beute für dubiose Kreditanbieter sind. „Am häufigsten haben wir Fälle rund um das Verbraucherrecht“, sagt Petra Wolf: ungewollte Verträge, überzogene Rechnungen, Haustürgeschäfte oder Fallstricke in Partnerschaftsanzeigen. Auch der Telekommunikationsbereich oder die private Altersvorsorge nehmen bei der Verbraucherzentrale einen immer größeren Raum ein.
„Die Kunden unterschreiben oft aus Unkenntnis oder Gutgläubigkeit Dinge, die ihnen hinterher auf die Füße fallen“, weiß Wolf. Und manchmal halten sich auch einfach hartnäckig Irrtümer: „Viele Menschen glauben, dass sie einen Kauf oder eine Bestellung, die sie in einem Geschäft oder Shop getätigt haben, einfach rückgängig machen können, doch das muss nicht grundsätzlich so sein“, sagt Wolf. Grund hierfür sei das aktuelle Widerrufsrecht. „Ein Verbraucher, der eine Ware in einem Geschäft erwirbt, gilt nicht als ‚schützenswürdig‘ – anders etwa als Kunden im Internet – denn der Gesetzgeber geht davon aus, dass er vorher Gelegenheit hatte, die Ware zu prüfen.“

Für die Kunden heißt das: Nicht immer kann die Verbraucherzentrale das sprichwörtliche Kind retten, das in den Brunnen gefallen ist, doch meistens hat die Stelle bei außergerichtlichen Klärungen viel Erfolg.
„Wir würden uns wünschen, wenn die Kunden zu uns kämen, bevor sie etwas unterschreiben“, sagen Gehr und Wolf mit Blick auf die schwarzen Schafe etwa aus der Versicherungs- und Bankenbranche, die Kunden gerne mal mit undurchsichtigen Fußnoten über den Tisch ziehen. „Schuld daran ist auch das Provisionssystem, das in Großbritannien inzwischen abgeschafft wurde“, sagt Gehr. Kunden würden dadurch kaum neutral und unabhängig beraten werden, sondern immer auch zum Vorteil des Verkäufers.

Service

•Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Dienstag 10 bis 14 Uhr, Mittwoch und Freitag nach Termin. Kontakt unter Telefon 12 31 13-0 oder www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/braunschweig.

• Die Beratung erfolgt durch unabhängige Fachleute und Anwälte und ist kostenpflichtig (Gebührenübersicht unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen/braunschweig). Kostenlos sind dagegen die regelmäßig stattfinden Vorträge. Nächster Termin: 28. Oktober, 15 Uhr, TU Braunschweig, Vorlesungssaal SN19.1, „Versicherungen und Finanzen“ (Der Vortrag finden im Rahmen des „Studium generale“ statt).

• In Niedersachsen hat die Verbraucherzentrale elf Büros. Sie gilt als Verein und wird vom Bund, Land und der jeweiligen Kommune gefördert.
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