Anzeige

Hinterher ist man immer schlauer

Ausgangspunkt der Tagung ist die Hochzeit des welfischen Thronfolgers Ernst August von Cumberland mit Viktoria Luise von Preußen, die zugleich das letzte Gipfeltreffen der europäischen Monarchie vor dem Ersten Weltkriegs war. Foto: Stadtarchiv Braunschweig

Prominent besetzte Tagung spannt den Bogen vom Schicksalsjahr 1913 bis in die Zukunft Europas.

Von Marion Korth, 08.12.2013.

Braunschweig. In der Rückschau ist immer alles klar, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung liegt auf der Hand. Aber Geschichte funktioniert anders, menschliches Handeln ist nicht immer logisch, manches Zufall. Deshalb bietet die Tagung „Die preußisch-welfische Hochzeit 1913: Das dynastische Europa in seinem letzten Friedensjahr“ reichlich Diskussionsstoff.

Organisiert wird das Kolloquium, das in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel stattfindet, von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und dem historischen Seminar der TU. Nicht, dass das Themenjahr 1913 bislang keine Höhepunkte gehabt hätte, trotzdem: Der Schlusspunkt der Veranstaltungsreihe ist für Oberbürgermeister und Stiftungspräsident Dr. Gert Hoffmann der Höhepunkt schlechthin. Die hochkarätig besetzte Tagung vom 11. bis 13. Dezember spannt noch einmal den Bogen in eine Zeit, in der vieles offenbar nicht so absehbar war, wie es heute erscheint, und wagt den Blick ins Europa der Zukunft. Namhafte Historiker wie Professor Dr. Dieter Langewiesche aus Tübingen, Dr. Heidi Mehrkens (St. Andrews) oder Dr. Daniel Schönpflug (Berlin) versuchen aus verschiedenen Blickwinkeln, die Wochen und Monate vor dem großen Krieg zu beleuchten. Dreh- und Angelpunkt ist die Hochzeit des Welfenherzogs Ernst August und der preußischen Kaisertochter Victoria Luise, die die Adelshäuser Europas zum letzten gemeinsamen Tanz versammelte, während in Europa das Säbelrasseln der Staaten lauter wurde und in Deutschland die Arbeiterbewegung an Fahrt gewann.
1913 erscheint uns heute als Schicksalsjahr, doch Dr. Christian Frey vom historischen Seminar der TU Braunschweig denkt , dass die Kriegsfurcht überschätzt wird, und die meisten Menschen keine Ahnung hatten von dem, was sie erwartet. Auch heute wisse niemand, was aus der Eskalation zwischen China und Japan erwächst und ob die kleine unbewohnte Inselgruppe Senkaku, deren Namen bislang keiner richtig kannte, nicht zu einer Art „Sarajewo-Inseln“ werden könne, gab Hoffmann zu bedenken.
Gemeinsam mit Studierenden hat der Historiker Christian Frey sich Braunschweiger Quellen vorgenommen und zu einem historischen Dokumentarstück mit Alltagsszenen verarbeitet („Erlebte Gegenwart/Erwartete Zukunft 1913“, Mittwoch, 20 Uhr). Auch durfte er selbst im Archiv der Welfen die Briefe Ernst Augusts an seinen Vater lesen. „Für mich ist er danach nicht blass geblieben“, sagt Frey, will aber auch nicht zu viel verraten, was er über den Herzog, der in seiner kurzen Regierungszeit keine wirklichen Spuren hinterlassen hat, herausgefunden hat – dazu mehr in seinem Vortrag am 13. Dezember ab 11 Uhr. Eines aber steht fest: „Die Braunschweiger Regionalgeschichte ist ein wunderbares und spannendes Forschungsfeld, an dem sich vieles exemplarisch zeigen lässt.“
Interessant wird sicher auch das Expertengespräch am Donnerstagabend ab 18 Uhr, in dem der Politikwissenschaftler Dr. Arnulf Baring mit dem früheren Intendanten des Deutschlandradios Professor Ernst Elitz, dem CDU-Spitzenkandidaten für die Europawahl David McAllister, dem Historiker Dr. Michael Stürmer und dem Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Dr. Volker Treier über die „Herausforderung Europa 1913/2013“ diskutieren wird.
Das Programm erstreckt sich jeweils über einen ganzen Tag, aber die Vorträge, das Dokumentarstück oder auch das Expertengespräch können einzeln besucht werden. Der Eintritt ist frei, aber eine möglichst schnelle Anmeldung (per Mail an p.fuchs@tu-braunschweig.de oder telefonisch unter 3 91 30 91) empfiehlt sich, da die Platzkapazität begrenzt ist und bei sehr großer Nachfrage eventuell noch eine Ortsverlegung notwendig ist. Das komplette Programm steht im Internet unter www.sbk-bs.de .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.