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Himmelskomiker in Reichweite

Armin Kraft in Aktion: Die Spielstube Hebbelstraße bekam Spendengelder aus der nB-Veranstaltung „Jazz auf der Oker“. Armin Kraft vom Beirat gegen Kinderarmut und nb-Redaktionsleiterin Ingeborg Obi-Preuß waren zum Dank von den Mädchen eingeladen. Archivfoto: T.A.

Im Einsatz: Der ehemalige Propst Kraft ist für „seine Kinder“ fast immer unterwegs.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 19.08.2016.

Braunschweig. „Sie sind doch der, der für die armen Kinder sammelt?“ – der Mann steht unvermittelt vor der Haustür. Armin Kraft ist kaum überrascht. „Ich bin arbeitslos“, erklärt der Fremde und hält einen Stoffsack hoch. Selbstgeschnitzte Holzbauklötze bietet er an: „Für die armen Kinder.“ Natürlich nicht ganz umsonst. „Ich habe ihm 50 Euro in die Hand gedrückt und die Holzklötze genommen“, sagt Armin Kraft. Alltagsgeschäft eines Spendensammlers.

Wer so bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund, darf sich nicht wundern, wenn die Menschen sogar direkt im Garten stehen. Armin Kraft wundert sich schon lange nicht mehr, 40 Jahre im Kirchendienst und zehn Jahre im Einsatz gegen Kinderarmut haben ihn geprägt. Der Mann hat fast alles erlebt. „Ich bin ein gläubiger Realist“, ordnet er sich ein.

Gleich bei seiner Pensionierung 2006 hatte der damalige Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann Kraft gebeten, die Koordination für die Stadt beim Thema Kinderarmut zu übernehmen. Der griff beherzt zu. „Wir haben viel geschafft“, sagt Kraft. Besonders die bessere Teilhabe an Bildungsangeboten stand anfangs im Fokus: Schulbücher, vernünftiges Essen, Geld für Klassenfahrten und mehr. „Mittlerweile haben wir ein Netzwerk, um das uns andere Städte und Gemeinden beneiden“, freut sich Kraft. Die Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Jugendamt funktioniere vorbildlich. „Von den zwei Millionen Euro, die in den vergangenen zehn Jahren gesammelt wurden, ist jeder Cent dort angekommen, wo er gebraucht wird“, versichert der ehemalige Dompropst.

Besonders die Einzelfallhilfe sei immer wieder ein Anker in der Not. Streit, Trennung, Alkohol – und plötzlich steht eine Mutter mit ihren Kindern ohne Strom und Wasser da. Oder ein Jugendlicher, dem Kraft eine Lehrstelle besorgt hat. Voraussetzung: Führerschein. „Ein Führerschein? Du Himmelskomiker, wer soll den denn bezahlen?“, baffte ihn der junge Mann an. „Wir bezahlen den“, beharrte Kraft, „wenn du mir versprichst, dass du pünktlich und jeden Tag zur Arbeit gehst.“ Es hat funktioniert.

Armin Kraft ist Propst i.R., „in Reichweite“ übersetzt er selbst die Abkürzung. Selten hat ein schlichtes Kürzel über einen Menschen so viel ausgesagt.
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