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Hilfe für Kenia: Zwischen Waisen und Vermietern

2008 eröffnete Geert Schroeder ein Kinderheim in Afrika – Jetzt zwang ihn Ärger mit dem Vermieter, eine neue Bleibe zu suchen.

Von Birgit Leute, 10.08.2011

Braunschweig. „Afrika ist sooo kompliziert.“ Geert Schroeder kommt gerade aus Kenia zurück. Die letzten Monate hat er dafür gekämpft, dass „seine“
19 Waisenkinder wieder ein neues Zuhause haben. Ein Kampf gegen Vetternwirtschaft und für Menschlichkeit.

Schroeder sitzt vor der dritten Tasse Kaffee und sein Seufzer umschließt die ganze aktuelle Lage: Dürre und Hungersnot, Korruption und Hilfe, die manchmal nicht ankommt. Seit mehr als zehn Jahren reist der 34-Jährige durch den Kontinent. Vor sechs Jahren gründete er mit einer kenianischen Selbsthilfegruppe den Verein Malaika („Engel“) in Nakuru – eine Stadt von der Größe Braunschweigs im Südwesten Kenias. 19 Aids-Waisen werden von ihm betreut. Sigmar Gabriel hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.
„Ich kann vielleicht nicht die Welt retten, aber diese 19 Seelen“, schätzt Schroeder seine eigenen Kräfte realistisch ein. Das Waisenhaus des Braunschweigers, das sich rein durch Spenden trägt, liegt nicht im Dürregebiet, doch mit einer Katastrophe hat auch er zu tun: Aids. „Aufgeklärt wird überall – auf Plakaten, in Jugendzentren. Aber solange Frauen immer noch innerhalb der Familie verheiratet werden und Mädchen sich aus Not prostituieren, wird es Aids geben“, sagt Schroeder nüchtern. Die Leidtragenden seien die Kinder – Waisen, deren Eltern an der Seuche gestorben seien. „Sie leben auf der Straße, ernähren sich aus Mülltonnen und werden aus der Not heraus kriminell“, zeichnet Schroeder ein erschütterndes Bild.
Sharifa, Levine und Kanchege hatten Glück: Sie kamen mit
16 weiteren Kindern im Heim des Vereins unter – eine Zuflucht, die in den vergangenen Monaten fast auf der Kippe stand. „Der Vermieter stellte plötzlich Bedingungen: Entweder eine Weideabgabe für unsere Kühe oder Kündigung des Mietvertrages“, erzählt Schroe-
der. Erstaunt hat ihn das nicht: „Kenia gehört zu den korruptesten Staaten Afrikas. Vetternwirtschaft ist an der Tagesordnung. Da kann Hilfe auch mal schnell in die falschen Kanäle sickern“, zuckt er mit den Schultern. Schroeder spielte das Spiel nicht mit, zog aus. Anfang des Jahres fand die „Malaika-Familie“ nach intensiver Suche dann eine neue Bleibe – nicht als Mieter, sondern als Eigentümer. „Wir haben drei Gebäude, eine Kuhweide und eine Fläche für den Gemüseanbau“, berichtet Schroeder stolz. Für ihn sind „seine“ Kinder die ganze Hoffnung: „Solange die Alten noch das Sagen haben, wird sich in Kenia wenig ändern. Doch die Jungen sind wach, lernen bei uns und in der Schule demokratische Regeln, informieren sich über das Internet – da wird sich etwas bewegen“, ist Schroeder sicher.“
Am 23. Oktober, 17 Uhr, wird der Afrika-Kenner, der mit seiner Firma Planetview Diashows veranstaltet und immer wieder auf die Probleme aber auch die Schönheiten des Landes aufmerksam macht, über das Projekt informieren. Ausführliche Informationen zum Vereins auch unter www.malaika-projekt.de.
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