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Heute ist gestern: Fotograf und Zeitreisender in einer Person

Zwischenstopp in Braunschweig: Peter Odefey zeigt seine Retro-Fotografien bei Jaeschke

Von Marion Korth, 07.03.2010

Braunschweig. Der Fotograf Peter Odefey ist Fachmann, wenn es um Zeitreisen geht. Mitten in Berlin oder manchmal auch in seiner Heimatstadt Düsseldorf entdeckt er sein „Amerika von nebenan“, schreibt nicht mehr das Jahr 2010, sondern das Jahr 1950. Seine Fotos, im Stil alter Pin Up’s, sind seit Donnerstag in der Galerie Jaeschke zu sehen.

„Ich hatte immer schon ein Faible fürs Design der 40er und 50er Jahre“, sagt er. Übers Malen kam er zur Fotografie. Um an seiner Technik zu feilen, malte er viel ab. Bevorzugt dienten ihm Filmplakate als Vorlage. Aber am meisten gefallen haben ihm Pin Up’s. In seinen Bild-Inszenierungen fließt alles zusammen: Ein Aufnahmestil, der aussieht wie gemalt, Orte, die „irgendwo in Amerika“ und nicht „um die Ecke“ zu liegen scheinen, Models, die von den Pumps über Strümpfe, Kleid bis zu den hochgesteckten Haaren Glamour versprühen wie Filmdiven.
Ein heimlicher Blick bei ihm zu Hause in den Kleiderschrank würde Verblüffendes offenbaren. Da hängen Abendkleider und gepunktete Petticoat-Röcke. „Das könnte zu Missverständnissen führen“, sagt Odefey und lacht. Aber Zeitreisen wollen gut vorbereitet sein. Einen Lidl-Supermarkt in Berlin zu einem Hort der Ästhetik zu machen, ist harte Arbeit. Odefey lädt den Einkaufswagen mit mitgebrachten Phantasieprodukten voll, dann legen er und sein Model Franzi los.
„Das Styling ist wichtig“, sagt er. „Haare machen“ vor dem Fotoshooting dauert zwei Stunden. „Die Frisörin ist 70 Jahre alt, die blättert dann in der Brigitte von 1958, lässt sich inspirieren.“ Wenn sie Bürste und Fön zur Seite legt, hält die Frisur – zwölf Stunden mindestens, das muss sie manchmal auch. Odefey ist Perfektionist, Schnellschüsse sind nicht drin.
Der 44-Jährige ist nicht nur ein Wanderer zwischen den Zeiten, sondern auch den (Berufs-)Welten. Physik hat er studiert, wenn auch nicht abgeschlossen. Ein Studentenjob brachte ihn zu einem Luftfahrtunternehmen, wo er noch heute Vollzeit in der Verkehrslogistik tätig ist. „Den Abschied aus dem normalen Leben habe ich noch nicht geschafft“, sagt er. Aber er arbeitet daran.
Die Fotografie ist für ihn mehr als ein Hobby. „Leidenschaft“, sagt er. Bleibt zwischen Vollzeitjob und Kunst überhaupt noch Raum für anderes? „Ich habe in den vergangenen drei Jahren keine 20 Stunden Fernsehen geschaut.“ Dafür sitzt er vor dem Computer, findet die Bildbearbeitung „total spannend“.
Schöne Frauen hat er ständig um sich herum, ist aber derzeit Single. Auch wenn der Konkurrenzgedanke für ihn völlig abwegig ist, eine Frau mag das anders sehen, sinniert er. Aber jetzt steht erst ein Mal seine Kunst im Rampenlicht. Nach Düsseldorf, Konstanz und Stuttgart ist sie nun in Braunschweig zu sehen. Eine aufregende Sache. Peter Odefey hat noch nicht oft gesehen, wie Menschen vor seinen Bildern stehen. Er schaut zu und staunt. Und im Kopf hat er schon wieder lauter neue Ideen, hat neulich erst einen alten Feldstecher als Requisite gekauft. Wie gesagt, Zeitreisen wollen gut vorbereitet sein.
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