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Heinrich der Lastenlöwe packt’s

Für den Fototermin haben Frank Tristram (hinten) und Theo Lipinski ein älteres Rad mitgebracht. Aber mit vereinten Kräften soll bald Heinrich der Lastenlöwe durch Braunschweig rollen. Korth

Braunschweig soll ein freies Lastenrad bekommen: ADFC und Braunschweiger Lastenradfreunde bringen eine Idee ins Rollen.

Von Marion Korth. 03.08.2017.

Braunschweig. Hannah aus Hannover hat das Zeug zur „Lieblingsmitarbeiterin“: belastbar, genügsam, topfit, wendig, flexibel, kostenfrei, umweltbewusst und für jeden zu haben. Hannah – so heißt das freie Lastenrad in Hannover – und ihre mittlerweile 16 Schwestern sollen nun ein kleines Brüderchen bekommen: „Heinrich der Lastenlöwe“ bringt die Idee des freien Lastenrades nach Braunschweig.

Anderswo rollt das Projekt bereits erfolgreich: Die „Hannahs“ werden ständig gebucht, ja, es gibt sogar eine Warteliste. Angetrieben mit Muskelkraft rollen sie kreuz und quer durch die Stadt, transportieren Kinder, Einkaufs- oder Picknickkörbe, den Sack Blumenerde ebenso wie den Umzugskarton. Noch ist Braunschweig so gut wie lastenfahrradfreie Zone, aber das soll sich ändern, denn es gibt eigentlich keinen Grund dafür, erst recht keinen guten. „Braunschweig ist ideal, man kann nahezu alle Wege mit dem Fahrrad machen“, sagt Frank Tristram. Der Unternehmensberater mit Schwerpunkt Mobilitätsberatung ist Fahrradfan durch und durch, ohne dass Auto dabei zu verteufeln. Aber auf Wegen bis zu sieben Kilometern Länge ist das Fahrrad als umweltfreundliches und schnelles Fortbewegungsmittel einfach unschlagbar. Und das Fahrrad sei obendrein preiswert und sozial. Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Braunschweig hat Tristram eine Gruppe von Enthusiasten – die Braunschweiger Lastenradfreunde – um sich gesammelt, um „Heinrich den Lastenlöwen“ ins Rollen zu bringen. Ihr Antrieb ist die Idee einer zukunftsweisenden urbanen Mobilität, nach Gemeinschaftsnutzung, nach Ressourcenschonung und Verkehrsberuhigung. Auch Klimaschutz spielt eine Rolle, in Deutschland könnten bis zu 23 Prozent der Fahrten auf Transportfahrräder verlagert werden, und auf einen Autostellplatz passen bis zu vier Lastenräder.

Einziges Problem bisher: „Wir haben nichts zum Zeigen.“ Knapp 2500 Euro kostet ein neues Lastenrad, das zusätzlich mit Gurten und klappbaren Seitenwänden ausgestattet ist, um auch problemlos Kinder mitnehmen zu können. Ausgeguckt wurde ein „Bakfiets“, ein Modell, das in den Niederlanden bereits seine unkomplizierte Handhabung und Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt hat. Ein E-Antrieb sei zwar eine schicke Sache, aber im Flachland verzichtbar. Rund 300 Euro sind als jährlicher Wartungsaufwand kalkuliert. Hier werden Kooperationen mit lokalen Fahrradhändlern, der Fahrradselbsthilfewerkstatt des AstA der TU Braunschweig und der Awo-Radstation am Hauptbahnhof angestrebt.

Die Basis in Form einer gemeinsamen Buchungsplattform aller Lastenradinitiativen in Deutschland steht bereits. „Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden“, sagt Tristram und lacht. In mehr als 40 Städten stehen bereits freie Lastenräder zum kostenlosen Ausleihen zur Verfügung. 2013 fiel in Köln der Startschuss, dort ist Kasimir unterwegs, in Wuppertal Fienchen, in Bonn ist sich Bolle für keine Last zu schade, Düsseldorf schickt die „schicke Minna“ ins Rennen. Nur Braunschweig steht noch nicht in der Liste, aber „Heinrich der Lastenlöwe“ in den Startlöchern.

Der Schüler Theo Lipinski ist ständig mit dem Rad unterwegs und will, wenn er nach den Ferien in die elfte Klasse kommt, Kunst als Leistungskursus wählen. Auf die Frage, ob er ein Löwenlogo entwirft, hat er gleich ja gesagt. Also gab er dem Löwen und auch seinen zukünftigen Lasten Formen und Gesicht. Dass Theo gern (legale) Graffitis sprüht, ist seinem poppig bunten Entwurf anzusehen.

„Manche Menschen fahren selbst zum Brötchenholen mit dem Auto“, sagt Frank Tristram, trotzdem ist er zuversichtlich, dass es gelingt, mit dem freien Lastenrad nicht nur ein ohnehin schon fahrradaffines Publikum anzusprechen. Oft genug hängt es schließlich an einer Getränkekiste, ob für die Fahrt in den Supermarkt das Rad in Frage kommt oder von vornherein nicht. „Das Lastenrad ist völlig frei, jeder soll das mal machen und ausprobieren können“, betont er. Manch einer wird sich hinterher vielleicht ein eigenes für den privaten oder professionellen Fuhrpark anschaffen, „aber nicht jeder kann sich zu Hause ein Lastenrad hinstellen“, sagt Tristram. Abhilfe soll das freie Lastenrad schaffen, ideal für den Anfang wären sechs bis acht Ausleihstellen, verteilt im Stadtgebiet. Fürs Erste würde aber auch eine, schön innenstadtnah gelegen, genügen. Wer Heinrich bei sich aufnimmt, bekommt auch eine Gegenleistung: Ist Heinrich gerade nicht gebucht, „kann, darf und soll das Unternehmen ihn gern für eigene Zwecke nutzen.“
In diesem Sinn: Lasst Heinrich den Lastenlöwen endlich los! Info auch zum ADFC-Spendenkonto im Internet unter: www.heinrich-der-lastenloewe.de .
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