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Heimattreue als Marktvorteil: Wolters rettet Heidebrauerei

Hofbrauhaus übernimmt Colbitzer Bierproduzenten – Neues Standbein, mehr Flexibilität.

Von Marion Korth, 07.08.2013

Braunschweig. Die Einzelheiten der Geschichte unterscheiden sich, aber im Kern soll die Rettung der Colbitzer Heidebrauerei im Kleinen werden, was mit der Rettung der Biermarke Wolters und dem Brauereistandort Braunschweig im Großen gelungen ist.

Am Freitag vermeldeten das Hofbrauhaus Wolters und der Insolvenzverwalter der Colbitzer Heidebrauerei, Rechtsanwalt Udo Müller, die Übernahme der Brauerei in Sachsen-Anhalt. Über die Kaufsumme, die mehr als ein symbolischer Preis ist, wurde Stillschweigen vereinbart. Alle 14 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, sollen ihren Arbeitsplatz zu den gleichen Bedingungen wie bisher behalten.
Gebraut wurde in Colbitz zuletzt nicht mehr, das Sudhaus des ansonsten modernen Betriebes ist marode und muss dringend erneuert werden. Geschätzte Investitionskosten: rund 1,1 Millionen Euro. Weitere 1,2 Millionen sind für die Bereiche Vertrieb und Qualitätssicherung sowie weitere Sanierungsmaßnahmen eingeplant. Am 1. September soll nicht nur eine neu gegründete eigenständige Tochterfirma den Betrieb der Heidebrauerei übernehmen, sondern gleichzeitig mit dem Bau eines neuen Sudhauses begonnen werden. In der Zwischenzeit werden die Colbitzer Bierspezialitäten in Braunschweig gebraut, in Tankwagen nach Sachsen-Anhalt gebracht und dort abgefüllt.
Kein Neuland
„Die Colbitzer Heidebrauerei kann als Heimatbrauerei wiederbelebt werden“, sagt Lehna, einer der vier Geschäftsführer der Hofbrauhaus Wolters GmbH. Ebenso wie damals in Braunschweig werde auch jetzt auf Heimatverbundenheit und Markentreue gesetzt. Der Wolters-Vorstand betritt mit der Übernahme der Heidebrauerei nicht wirklich Neuland, alle vier Geschäftsführer hatten dort in ihren früheren Positionen zu tun, Wilhelm Koch, technischer Leiter bei Wolters, kommt selbst aus Magdeburg, sei die treibende Kraft für die Übernahmeentscheidung gewesen. Seine Schwester Petra Haase, vom Fach wie er, wird Geschäftsführerin der neuen Tochterfirma werden. Lehna: „Kundenkontakte bestehen, es ist ein uns durchaus bekannter Markt.“
Potenzial ausgeschöpft
Größer als die unternehmerischen Risiken bewertet Lehna die Chancen auch und gerade für das Stammhaus Braunschweig. „In einem insgesamt rückläufigen Markt können wir nicht mehr organisch wachsen, unser Potenzial in der Region ist ausgeschöpft“, sagt Lehna. Möglichkeiten sieht er noch im Export oder aber in dem Nachbarbundesland. Wolters-Produkte wie Malz, Radler oder alkoholfreies Bier würden über die Heidebrauerei mitvertrieben.
Im Vergleich zum Hofbrauhaus mit einer Million Hektoliter Braukapazität ist die Colbitzer Heidebrauerei (100 000 Hektoliter) klein. Ihr Markenabsatz betrage derzeit sogar nur 20 000 Hektoliter. Gerade davon aber verspricht sich das Unternehmen Wolters ein Plus an Flexibilität durch zusätzlich 80 000 Hektoliter freie Kapazität. Die für Braunschweig geplante Erneuerung der Flaschenabfüllanlage bleibe von dem Kauf unberührt, die Geschäfte beider Brauereien würden losgelöst voneinander geführt.
Noch sei es zu früh, von einem „Glücksfall“ zu sprechen, insgesamt aber habe sich Wolters Unternehmensstrategie bislang bewährt. Der verschleppte Frühjahrsbeginn und ohnehin seit Jahren rückläufige Absatzzahlen hätten der Brauereibranche im ersten Halbjahr allein in Niedersachsen und Bremen ein Minus von 13 Prozent gebracht.
Vergleichbar gut habe Wolters mit einem Minus von zwei Prozent dagestanden. „Mehr als die Hälfte davon haben wir schon aufgeholt, wir rechnen zum Jahresende mit einem leichten Plus“, sagt Lehna. Mit Nischenprodukten wie Bock, Malz oder auch der Eintracht-Dose hat Wolters auf regionaler Ebene dem bundesweiten Trend entgegensteuern können. Das soll jetzt auch in Sachsen-Anhalt gelingen.
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