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„Hau doch ab, alter Mann“

Armin Kraft sammelt seit vier Jahren Geld für Kinder – Manchmal stößt er auch auf Ablehnung.

Von Ingeborg Obi-Preuss Braunschweig, 29.09.2010.

„Ich kann die Welt nicht wirklich verändern“ – das ernüchternde Resümee von Armin Kraft nach vier Jahren im Kampf gegen Armut. Und doch macht er weiter. Jeder kleine Schritt zählt.

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann hatte den frisch pensionierten Propst gebeten, die vielfältigen Hilfsangebote für Kinder in Braunschweig zu bündeln und effizienter zu gestalten. Das war vor vier Jahren. „Inzwischen bin ich auf dem Boden der Tatsachen zurück“, erzählt Kraft von anfänglicher Euphorie und dem Glauben an schnelle Lösungen.
„Aber Resignation wäre das Gefährlichste“, sagt er. Und macht weiter. Schritt für Schritt, Tag für Tag, mitunter auch nachts. „Es gibt verzweifelte Menschen, die mich anrufen, weil sie nicht mehr weiter wissen“, erzählt er. Häufig sind es alleinerziehende Mütter, die in dem Strudel aus ständiger Geldnot, schlechtem Gewissen, den Wünschen der Kinder und den eigenen Bedürfnissen unterzugehen drohen.
Die meisten Bitten und Anfragen aber kommen mit der Post: Eine Schule braucht eine Kletterwand, ein Projekt zur Zahngesundheit soll gestartet werden, eine Schaukel im Kindergarten ist kaputt, eine Klassenfahrt kann nicht von allen Schülern bezahlt werden – die Palette ist riesig. In jedem Einzelfall greift Armin Kraft auf sein Netzwerk zurück, seinen Pool von Adressen, Zugängen und Informationen und versucht, für jedes Problem eine Lösung zu finden.
Unterstützung gibt es für ihn im Schul-, Kultur- und Sportdezernat (siehe Artikel rechts). Aber eigentlich ist er eine Ein-Mann-Abteilung. Und kommt oft genug an seine Grenzen. „Ich habe meine Illusionen verloren“, sagt er deutlich, „manchmal ist es ganz schön hart.“
Auf beiden Seiten. Da gibt es Eltern, die ihm die Tür vor der Nase zuklappen, Schüler, die ihm zurufen: „Hau doch ab, alter Mann!“. Aber auch gutsituierte Bürger, die ihm mit einem „Hör‘ doch auf, Armin!“ ins Wort fallen, wenn er wieder um Geld bittet. Das tut er ständig, bei Empfängen, Unternehmensjubiläen, runden Geburtstagen und und und. Vielen Menschen geht er damit auf die Nerven.
Das hält er aus, obwohl er durchaus gereizt reagiert auf Zeitgenossen, die ihm schlichte Ratschläge erteilen oder mit Vorurteilen begegnen. „Man soll doch mal...“, ist so ein Satz, der ihn zur Weißglut bringt. „Wer soll denn?“, fragt er aufgebracht und fühlt sich manchmal ein wenig einsam in seinem Rentnerjob.
Fast täglich geht er auf Schulhöfe, spricht Kinder an, die zu spät kommen, versucht, zu klären, was los ist. Das geht oft schief, aber manchmal gelingt es auch. Dann gibt es lange Gespräche bei Currywurst und Pommes, mitunter Tränen, und viele traurige Geschichten über traurige Familienverhältnisse.
„Die Probleme sind vielschichtig, es gibt keine einfachen Lösungen, Verallgemeinerungen helfen nicht weiter“, sagt er. Auf jeden Fall will er weitermachen, „dazu gibt es keine Alternative.“ Aber Ideen: Mehr Geld für den Fonds gegen Kinderarmut erhofft er , Minikredite als Einzelfallhilfe wären noch eine Hilfsmöglichkeit. Armin Kraft arbeitet dran. Fast rund um die Uhr.
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