Anzeige

„Hartz IV bedeutet Armut“– Spezialeinsatz

8000 Kinder leben in Armut – Armin Kraft sammelt, Stadt koordiniert.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 18.07.2012.

Braunschweig. „Hartz IV bedeutet Armut“ – das Urteil von Armin Kraft ist eindeutig. „Und letzten Endes sind es die Mütter mit ihren Kindern, die es am härtesten trifft“, sagt er nach sechs Jahren Spezialeinsatz.

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann hat den Propst gleich bei seiner Pensionierung gebeten, als Beauftragter der Stadt Geld zu sammeln für Kinder in Armut.
„Ein ganze Menge ist geschafft“, blickt Kraft zurück, ein Netzwerk ist gewachsen, das funktioniert. Besonders in akuten Krisen gibt es schnelle Hilfe und kurze, unbürokratische Wege, um Probleme aus dem Weg zur räumen. „Da müssen Sie mal was machen“ – so oder ähnlich klingen die Anrufe, Briefe oder Mails, die Armin Kraft erreichen. Lehrer, Nachbarn, Arbeitgeber oder Freunde melden sich mit einer Bitte. Gemeinsam mit Sozialdezerenent Ulrich Markurth und Rainer Schuberth vom Sozialreferat werden Entscheidungen gefällt.
„Ein Ingenieur, ein Haus, eine Familie“, erzählt Kraft ein Beispiel, „Streit, Trennung, Alkohol, Arbeitslosigkeit“, zählt er auf. Irgendwann wurden Wasser und Strom abgestellt, der Mann saß in einer tiefen Depression zu Hause, nicht mehr in der Lage, noch etwas zu bewegen, der Sohn ging nicht mehr in die Schule. „Ein Nachbar rief mich an“, erzählt Kraft. Dann greift ein Mechanismus, der inzwischen gut funktioniert. Kraft hat alle wichtigen Nummern – Energieversorger, Wohnungsbaugesellschaft und und und. Und wenn Armin Kraft am Telefon ist, dann bewegt sich auf der anderen Seite auch etwas. „Wir haben kurzfristig 2000 Euro in die Hand genommen, um den Mann und seinen Sohn erst mal wieder auf die Bahn zu bekommen“, erzählt der ehemalige Propst.
„Ein Führerschein? Du Himmelskomiker, wer soll den denn bezahlen?“ Armin Kraft erzählt vom Gespräch mit einem Jugendlichen, dem er eine Lehrstelle besorgt hat. Voraussetzung: Ein Führerschein. „Und dann machen wir etwas möglich“, erzählt Kraft von seiner Arbeit. „Wir bezahlen den Führerschein, aber nur unter der Auflage, dass der Junge pünktlich und jeden Tag zur Arbeit geht.“
Und das überwacht Armin Kraft. Er ist sich nicht zu schade, Klinken zu putzen, er kommt immer wieder, lässt sich von patzigen Antworten und frechen Sprüchen nicht schrecken. „Was will der alte Mann denn hier?“, hat ihn gerade ein Schulschwänzer empfangen, den er abgepasst hat. „Dann muss man dran bleiben“, sagt Kraft, „spätestens nach drei Minuten tauen sie auf, fassen Vertrauen.“ Und erzählen. Dieser Junge beispielsweise wurde nicht geweckt, weil seine Mutter „mit einem Kerl im Bett liegt, den ich nicht kenne. Und der Kühlschrank war leer.“
Armin Kraft hat dem Zehnjährigen eine heiße Schokolade und ein Brötchen spendiert. Und ihm zugehört. Damit war er vermutlich seit langem der Erste, der den Jungen und seine Probleme ernst genommen hat. „Und dann können wir auch über Hilfen nachdenken“, erklärt Kraft den Weg.
Besonders häufig sind die bei alleinerziehenden Müttern nötig. „Diese Frauen versuchen oft mit einem unerhörten Kraftaufwand, den Alltag zu meistern, wissen häufig gar nicht, welche Hilfen ihnen zustehen.“ Oft reicht eine kaputte Waschmaschine oder ein Schulausflug, um die Familie in Schwierigkeiten zu bringen.
Jede Hilfe ist willkommen: Kontonummer 199919994, BLZ 25050000, Stichwort „Spendenkonto Kinderarmut“.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.