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Handwerker ohne Starallüren

Nach 33 Jahren im Staatsorchester geht Cellist Richard Groocock in den Ruhestand

Von Birgit Leute


Braunschweig. Die „erste Geige“ wollte er nie spielen. Als Cellist stand – oder besser saß – Richard Groocock eher bescheiden im Hintergrund. Jetzt geht der Musiker nach 33 Jahren im Staatsorchester in Ruhestand.

Ein bisschen fühle es sich an, als ob man seine Familie verlasse, gesteht der gebürtige Ire. Stundenlange Wagneropern, regelmäßige Wochenendeinsätze – das schweiße zusammen. „Das Orchester ist ein Kollektiv, wir sind aufeinander angewiesen“, sagt Groocock, der nie ein Star auf der Bühne sein musste.
Musiker – das ist für den 64-Jährigen vor allem ein Handwerk. „Natürlich steht am Anfang die Leidenschaft für ein Instrument, für die Musik und der Ehrgeiz, möglichst gut zu sein“, sagt er. Doch in der täglichen Arbeit zähle am Ende die Routine, das konsequente Üben und letztlich die Bereitschaft, sich ganz dem Dirigenten unterzuordnen. „Er gibt den Ton vor, da bleibt kein Raum für Starallüren.“
Zu seinem „Handwerk“ ist Groocock durch seinen Vater, selbst ein Musiker, gekommen. Der nahm den damals Achtjährigen zu einer Orchesterprobe mit und stellte ihm ein Cello vor. Der Beginn einer Leidenschaft? „Na ja“, zwinkert der Ire nicht ohne Selbstironie und lacht. „Wie alle Kinder hatte ich überhaupt keine Lust zu üben.“ Erst später, während seiner Ausbildung, die er mit Hilfe eines Stipendiums in Deutschland absolvierte, entdeckte er den Reiz des Cellos und seinen „typischen romantischen Klang, wie ihn sonst nur das Horn hat.“ Seine Begabung – wenn wundert‘s – hat er inzwischen an seinen Sohn weitervererbt, der als Cellist in Karlsruhe spielt.
Kann er sich überhaupt ein Leben ohne Musik vorstellen? „Für die kommenden Wochen, ja“, sagt Groocock. Einmal keine engen Orchestergräben mehr, keine schmetternden Hörner, stattdessen Ruhe und Natur – für den langjährigen Musiker ist das wie ein Traum. „Ich möchte eine lange Radtour machen, irgendwohin in den Süden“, erzählt er von seinen Plänen. Und danach? „Vielleicht gebe ich kleine Hauskonzerte zusammen mit einem Freund, ganz familiär, nicht vor großem Publikum “, überlegt er, und ist wieder ganz der bescheidene „Handwerker“.
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