Anzeige

Großes Herz und langer Atem

Seit fünf Jahren kämpft Jola Steinkopf für ihren Traum: Ein Haus für MS-Patienten.

Von Birgit Leute, 25.07.2012.


Braunschweig. Die Frau ist eine Kämpferin. Seit fünf Jahren opfert Jola Steinkopf jede freie Minute für ihren Traum: ein Haus für Menschen mit Multipler Sklerose. Längst weiß sie: Neben einem großen Herzen braucht man vor allem einen langen Atem.

Der Wendepunkt in ihrem Leben kam 2003. „Ich lernte einen Menschen kennen, der unheilbar an MS litt. Da ging nichts mehr. Mit seinen 49 Jahren konnte er nur noch den Kopf nach rechts und links drehen und ein wenig die Hand heben“, erinnert sich Steinkopf.
Doch was noch schlimmer für sie war: Dieser Mensch, der geistig noch hellwach war, lebte in einem Altenpflegeheim. „Stellen Sie sich das vor“, sagt Steinkopf energisch. „Da muss ein Patient, der sich für Musik und Bücher interessiert, sich gerne unterhält, seine letzten Lebensjahre mit Demenzkranken, mit Menschen um die 90 Jahre verbringen, bloß weil es keine andere Möglichkeit der Pflege für ihn gibt.“
Für Steinkopf war sofort klar: Diesem Kranken musste geholfen, Gesellschaft geleistet werden. Und: An der Situation von MS-Patienten musste sich generell etwas ändern. „Im Prinzip ist es doch so“, berichtet die 51-Jährige aus ihren Erfahrungen. „Wer an Multipler Sklerose erkrankt – und das sind oft junge Menschen – lebt je nach Stadium so gut es geht zu Hause, wird von Angehörigen gepflegt oder am Ende im Altenpflegeheim betreut. Nichts davon ist ideal.“
Vor fünf Jahren gründete sie deshalb einen Förderverein mit dessen Hilfe sie ein Haus für MS-Kranke einrichten will. Kein Heim mit Zimmern, sondern richtige Wohnungen mit Rundumbetreuung, einem Begegnungsraum, einer Möglichkeit für Ergotherapie. Und vor allem: Nicht auf der grünen Wiese, sondern in Innenstadtnähe, „maximal zehn- bis fünfzehn Minuten mit dem Rollstuhl vom Stadtkern entfernt“, wünscht sich Steinkopf. Der Bedarf sei da, zitiert Steinkopf eine entsprechende Analyse. „In Braunschweig und der Region gibt es rund 350 MS-Kranke in unterschiedlichen Stadien. Oft werden sie von der Familien gepflegt, und oft sind diese nach ein paar Jahren am Rande ihrer Kräfte.“
Dank des unermüdlichen Einsatzes der gebürtigen Polin zählt der Förderverein inzwischen an die 100 Mitglieder, darunter Ärzte, Richter, Sozialarbeiter, Professoren. Bis in die Nacht mailt Steinkopf, die im Hauptberuf den Sozialen Dienst in einem Altenpflegeheim leitet, mit Meinungsträgern, baut ihr Netzwerk aus, veranstaltet Benefizkonzerte – und muss auch nach fünf Jahren immer wieder Zauderer überzeugen. „Bislang gibt es das Modell in Deutschland noch nicht“, sagt sie, „deshalb zögern manche Institutionen mit ihrer Unterstützung. Meine Reisen zu anderen Pflegeeinrichtungen mit ähnlichem, wenn auch nicht gleichen Ansatz bestärken mich allerdings darin: Mein Traum lässt sich umsetzen.“ Weitere Informationen zum Förderverein MS-Aktiv Haus gibt es im Internet unter www.ms-aktivhaus-bs.de.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.