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Geschichte kommt plötzlich ganz nah

Die Schüler Fabian Witt, Charlotte Hoffmann und Luise Pfitzinger (v.r.) der Gaußschule haben im vergangenen Jahr die Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Hauptfriedhof mitgestaltet. In diesem Jahr haben sie sich noch einmal mit Michael Gandt und Heinz-Günter Gutmann (v.l.) an den Kriegsgräbern getroffen. „Wir wussten nicht, dass es so viele sind. Da wird einem klar, welche Auswirkungen die beiden Weltkriege hatten“, sagten die Schüler. Foto: Thomas Ammerpohl

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich um viel mehr als Grabpflege – Sammlung beginnt am 1. Oktober.

Von Martina Jurk, 25.09.2013

Braunschweig. „Kriegsgräber sind Mahnmale für den Frieden“, sagt Michael Gandt, Geschäftsführer des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bezirk Braunschweig. Am 1. Oktober beginnt die Haus- und Straßensammlung. Mit den Spenden werden Erhaltung und Pflege der Gräber deutscher Kriegstoten im Ausland finanziert.

832 Gräber in 45 Staaten mit etwa 2,5 Millionen Kriegstoten, um genau zu sein. Der Volksbund, eine humanitäre Organisation, erfasst, erhält und pflegt im Auftrag der Bundesregierung die Gräber, betreut darüber hinaus Angehörige, berät öffentliche und private Stellen, unterstützt die internationale Zusammenarbeit, leistet Bildungsarbeit an Schulen und organisiert friedenspädagogische Projekte für Schüler- und Jugendgruppen.
„Die Arbeit mit den Jugendlichen ist uns besonders wichtig“, ordnet Gandt ein. Heinz-Günter Gutmann vom Bezirksverband Braunschweig ist Schulreferent des Volksbunds. Unter dem Motto „Arbeit für den Frieden – Versöhnung über den Gräbern“ versucht er, Geschichte anschaulich zu vermitteln unter anderem durch den Besuch von Kriegsgräberstätten und Projekte mit Schülern, die Erinnerungstafeln oder Ausstellungen gestalten. „Lebensläufe ist ein Projekt, bei dem sich die Schüler mit dem Leben eines gefallenen Soldaten beschäftigen, der vielleicht sogar in ihrem Alter war, als er fiel. Da kommt Geschichte plötzlich ganz nah“, sagt Gandt.
Der Geschäftsführer weiß, dass viele Menschen skeptisch sind, wenn jemand an der Haustür um Spenden bittet. „Wir sind darauf angewiesen“, betont er. 70 Prozent der Arbeit würden mit Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erträgen aus der Haus- und Straßensammlung finanziert werden, 30 Prozent würden Bund und Länder beisteuern. Bei der Haussammlung kamen im vergangenen Jahr im Bezirk Braunschweig 150 000 Euro zusammen, bundesweit 5,7 Millionen Euro.
Wie bedeutsam die Sammlung und damit die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge ist, zeige der Auftakt zur Straßensammlung am 16. November, einen Tag vor dem Volkstrauertag. An der offiziellen Veranstaltung nehmen Braunschweigs Bürgermeisterin Friederike Harlfinger und Ratsherr Uwe Flake, beide im Vorstand des Volksbunds, sowie Reservisten teil. Die Sammler treffen sich in der Martinikirche, um sich von Pfarrer Friedhelm Meiners segnen zu lassen.
„Kriegstote haben ein bleibendes Ruherecht“, erklärt Gandt. Deshalb würden auch heute noch Gräberstätten vor allem in Ost-, Mittel- und Südosteuropa angelegt. Nach der Wende in Osteuropa habe der Volksbund seine Arbeit auch dort aufgenommen. Etwa drei Millionen deutsche Soldaten sind im Zweiten Weltkrieg in Osteuropa ums Leben gekommen, mehr als doppelt so viele wie auf den Kriegsgräberstätten im Westen ruhen. Viele der hunderttausend Grabanlagen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg seien nur schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert. Jährlich würden rund 40 000 Kriegstote in diesen Regionen auf Kriegsgräberstätten umgebettet, um den Gefallenen eine würdige letzte Ruhestätte und den Angehörigen einen Ort der Trauer zu geben.
„Kriegstote werden noch heute ausfindig gemacht“, sagt Michael Gandt. In seinem Büro stehen viele Aktenordner, in denen der Verbleib der Kriegstoten aktenkundig ist. Und es kommen immer wieder welche hinzu.
So sind die ehren- und hauptamtlichen Volksbund-Mitarbeiter nicht selten auch als Ahnenforscher oder Detektive unterwegs, um für Angehörige nach gefallenen oder vermissten Soldaten zu suchen. Dank der modernen Technik gibt es inzwischen eine Datenbank im Internet zur Gräbersuche unter www.volksbund.de und dann „gräbersuche online“.
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