Anzeige

Gefragt: Sinn für Ästhetik – und ein gutes Auge

Gemeinsam mit Malersaal-Leiterin Sonja Bähr (rechts) malt Sara Libor an einem Bühnenbild. Die Vorlage hält sie in der Hand.
 
Auszubildende Sara Libor zeigt hier das Modell für das Bühnenbild zu „Pippi Langstrumpf“. Fotos: Udo Starke

Bühnenmaler am Staatstheater: Ein vielseitiger Beruf, bei dem viel Kreativität und eine Liebe zur Kunst verlangt wird.

Von Udo Starke, 12.01.2014.

Braunschweig. Bühnenmaler und -plastiker mit Fachrichtung Malerei schaffen Kulissen fürs Theater, für Opern, Musicals, Film- und Fernsehproduktionen. Dabei arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Werkstoffen. In der Reihe „Besondere Ausbildungsberufe“ sprach die nB mit der Auszubildenden Sara Libor (27), die am Braunschweiger Staatstheater eine dreijährige Ausbildung absolviert.

Bühnenmaler mischen Farben, stellen Farbpaletten zusammen, wenden Lasier-, Kolorier- und Spritztechniken an, malen Menschen, Tiere, Landschaften, historische Kunstwerke und Architektur – eine vielseitige und nie langweilige Aufgabe. Die Vorlagen stammen dabei ausschließlich von den jeweiligen Bühnenbildnern. Zurzeit arbeitet die Abteilung im großen Malersaal am Bühnenbild für die Premiere zu „Die Reise des Edgar Allan Poe“ (30. November).
„Mich fasziniert vor allem die Vielseitigkeit. Es wird immer etwas Neues gefordert, wobei viel Kreativität gefragt ist. Auch das Material ist nie gleich: Man kommt in Berührung mit den verschiedensten Stoffen und von Tischlern gefertigten Holzbauteilen, die bis zu sieben Meter hoch sein können“, erzählt Sara Libor, die von Ausbilderin Karoline Arlt und Malersaal-Leiterin Sonja Bähr angeleitet wird.
„Die Bewerber müssen neben künstlerischer Begabung auch Interesse an Theater, Kunst und natürlich Malerei mitbringen. Ebenso gefragt sind handwerkliches Geschick, uneingeschränktes Farbsehen, Sinn für Gestaltung und Ästhetik sowie ein gutes Auge“, verdeutlicht Arlt.
Um ein detailgetreues, großes Bild entstehen zu lassen (zuvor bietet ein kleines Modell das gesamte Bühnenbild), benutzt Sara Libor ein DIN-A4-Blatt mit dem geforderten Motiv. Raster für Raster überträgt sie die Skizze auf das vor ihr liegende sogenannte Prospekt, meist ein Stoff, der den Bühnenhintergrund bildet. Benutzt werden vorrangig wasserlösliche Farben.
„Wir arbeiten durch die Größe vornehmlich im Stehen mit Pinseln an verlängerten Stielen. Zum Einsatz kommen auch Bürsten“, erklärt die 27-Jährige, die eine duale Ausbildung mit Blockunterricht durchläuft und, nach eigenen Angaben, ihren Traumjob gefunden hat.
Neben der Praxis besucht sie regelmäßig die Berufsschule in Berlin. Weitere Berufsschulen gibt es nur in Baden-Baden und Essen. Die Ausbildung dauert drei Jahre – Sara ist seit 15 Monaten dabei. Es fällt ihr leicht, mit Fluchtpunkten und -linien zu arbeiten. Mit ihrer Hilfe lassen sich Räume und Objekte dreidimensional darstellen.
Wichtig in dem Berufszweig ist aber auch die Teamarbeit. „Das ist das A und O. Wenn wir nicht an einem Strang ziehen, funktioniert die Geschichte nicht. Wir brauchen keine Einzelkämpfer, denn es gibt nur wenige Arbeiten, die man alleine machen kann“, betont Malersaal-Leiterin Sonja Bähr und ergänzt, Sara sei die erste Auszubildende dieses Berufszweiges im Haus. Zuvor habe man nur Jahrespraktikanten eingesetzt.
Um Bühnenmaler zu werden, genügt nach Angaben Bährs, die seit 13 Jahren im Staatstheater arbeitet, auch ein Hauptschulabschluss. Allerdings erfolge zunächst ein Eignungstest. Und eine Übernahmegarantie gebe es nicht. Man müsse sich während der Ausbildung schon parallel an anderen Theatern bewerben.
Nicht zu vergessen: Ein Theaterstück lebt vom Bühnenbild – denn schließlich sollen es auch die Zuschauer in der letzten Reihe noch gut sehen können.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.