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„Für uns ein ganz normaler Tag“

Fragen rund ums Weihnachtsfest – Aynur Ates kennt den Weihnachtsbaum als Silvesterbaum

Von Marion Korth

Braunschweig. Im Fenster ihres Ladens am Waisenhausdamm steht eine richtig schöne kleine Weihnachtstanne. Geschmückt mit Kugeln und allem, was sonst noch dazugehört. Aynur Ates ist Muslimin, Weihnachten in unserem Sinn feiert sie eigentlich nicht – oder etwa doch?

Vor 14 Jahren kam die gelernte Schneiderin aus der türkischen Hauptstadt Istanbul, folgte ihrem Mann, der in Deutschland als Koch arbeitete. Auch wenn es so aussieht, einen deutschen Weihnachtsbrauch hat sie trotz des Bäumchens nicht übernommen. „Wir kennen das auch, bei uns gibt es einen Silvesterbaum“, erläutert sie. Und weil die Weihnachtszeit zum Jahreswechsel überleitet, kann der Baum ruhig schon jetzt aufgestellt werden.
Muslime feiern die Geburt Jesus’ nicht. „Der 24. Dezember ist für uns ein ganz normaler Tag, aber abends beten wir“, sagt Aynur Ates. Im Koran ist Jesus nicht Gottes Sohn, sondern einer der Propheten. Nicht so bedeutsam wie Mohammed, aber immerhin.
Auch wenn der religiöse Bezug fehlt, mag Aynur Ates die Weihnachtszeit – nicht nur den geschmückten Baum, die Lichter, sondern die Art, wie diese speziellen Festtage verbracht werden. „Es gefällt mir an Weihnachten, dass die Menschen zusammenkommen, miteinander sprechen und essen“, sagt sie. Und: „Die Familie ist doch das Wichtigste.“
So groß wie bei uns Weihnachten wird in der islamischen Welt das Opferfest gefeiert. Im vergangenen Jahr traf es sich besonders gut, dass das Opferfest und Silvester praktisch zusammenfielen. Für Aynur Ates gleich ein doppelt guter Grund, ihre Familie in Istanbul zu besuchen.
Sich gegenseitig zu besuchen, ist bei diesem Fest, das drei Tage dauert, Pflicht. „Da können dann 50 Leute kurzfristig vorbeikommen, manche trinken nur einen Tee, andere bleiben ein paar Stunden“, erzählt Aynur Ates. Insgesamt gehe es sehr spontan zu, weshalb ein kaltes Büfett genau das Richtige für diesen Anlass sei.
Zum Ramadan erhalten die Kinder kleine Geschenke und vor allem Geld. Und zumindestens bei den türkisch stämmigen Familien in Deutschland scheint sich noch eine neue Tradition einzubürgern. „Ich würde sagen, dass in 90 Prozent der Familien die Kinder zu Nikolaus Süßigkeiten und Schokoladenweihnachtsmänner bekommen“, erzählt Aynur Ates’ Sohn. Ihm ist noch etwas aufgefallen: Fladenbrot, hier fast überall und immer erhältlich, gibt es in der Türkei eigentlich nur während der Fastenzeit.
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