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Für die einen wenig, für die anderen viel

Die Studenteninitiative Enactus etabliert in Braunschweig eine einfache, aber sinnvolle Idee – graue Tonnen helfen dabei.

Von Marc Wichert, 27.12.12

Braunschweig. Tue Gutes, am besten mit Gleichgesinnten und lerne dabei – so könnte man die Motivation von Sara-Lena Spathelf und Raphael Joswig beschreiben. Die beiden machen mit bei Enactus, einer studentischen Initiative.

Enactus hat vor kurzem „Spende Dein Pfand“ gestartet – um Gutes zu tun. „Ich wollte etwas machen“, sagt Joswig, Wirtschaftsingenieurs-Student und fast von Beginn an bei Enactus. „Ich hätte es egoistisch gefunden, wenn ich nur vor mich hin studiert hätte.“ „Wir wollen unser Wissen nutzen und etwas für die Gesellschaft tun“, sagt Sara-Lena Spathelf, die Psychologie studiert.
Spathelf und Joswig stehen in der großen, kühlen Halle des TU-Altgebäudes neben einer unscheinbaren grauen Tonne und erzählen vom neuesten Enactus-Projekt. „Wir haben Ende Oktober die Tonne aufgestellt, und jeder, ob Student oder nicht, der sein Pfand nicht zurückbringen will, spendet seine Pfandflasche“, erklärt die 21-Jährige Spathelf. Mit „Spende Dein Pfand“ geben sie einem bislang gängigen, aber doch losen Brauch einen Rahmen – beziehungsweise eine Tonne. In dieser Tonne landen Pfandflaschen, die sonst häufig im Restmüll landen oder mühselig gesammelt werden müssen, bis es sich für den Einzelnen lohnt, sie abzugeben. Keinen Platz in der Tasche oder keine Zeit, zum nächsten Supermarkt zu gehen – Gründe gibt es genug, warum man für acht, 15 oder auch 25 Cent sausen lässt. „Seien wir doch mal ehrlich: Man schmeißt schon mal eine Pfandflasche weg“, sagt Sara-Lena Spathelf. An diesem Vormittag im Dezember ist die Tonne randvoll, aus der Öffnung lugen Bierflaschen. Raffael Joswig lacht: „Muss das mit aufs Foto?“ Seine Erklärung zu den Bierflaschen: Ein paar Tage zuvor sei „Die Feuerzangenbowle“ gezeigt und nachgefeiert worden.
Wie wertvoll ist eigentlich der Inhalt einer vollen Tonne. „Wirklich viel ist es nicht, seit Ende Oktober haben wir etwa 60 Euro an Pfand gesammelt. „Aber es geht auch gar nicht darum, das jemand damit seinen Lebensunterhalt verdient“, sagt Spathelf. Vielmehr gehe es um Perspektiven. Enactus ist dafür auf die Awo zugegangen. „Ab Januar stellen wir ein kleines Team zusammen, das die Tonnen leert“, sagt Heidrun Löhr, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Awo. Sie freue sich über das Projekt. „Das ist ein sehr gutes Inklusionsmodell für Menschen, die wegen psychischer Probleme auf dem ersten Arbeitsmarkt keinen Fuß mehr fassen konnten.“
Die Arbeit bringe wieder eine Struktur in den Alltag der Menschen und verbessere die Lebensqualität, sagt auch Spathelf. Und damit die Tonnen auch möglichst oft voll sind, werden neun weitere gerade von einem Studenten der HBK entsprechend aufgehübscht und dann an den Instituten der Uni aufgestellt. Und wenn das Projekt gut läuft und zusätzliche Partner gefunden werden, können sich Raffael Joswig und Sara-Lena Spathelf vorstellen, „Spende Dein Pfand“ auszuweiten – an die HBK, die Ostfalia, Krankenhäuser, Studentenwohnheime. „Man kann das beliebig ausbauen“, sagt Joswig. „Das ist das tolle an dem Projekt.“
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