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Für den Friedenskakao lohnt sich der Einsatz: „Jetzt erst recht!“

Uwe Meier bei einem seiner Besuche bei kolumbianischen Kleinbauern. So wie sie hofft er auf Frieden in Kolumbien – auch nach der abgelehnten Vereinbarung mit den Rebellen. Foto: oh

Am Wochenende fliegt Uwe Meier nach Kolumbien, auch wenn er nicht weiß, was ihn erwartet.

Von Marion Korth, 05.10.2016.

Braunschweig. Mehr als 9000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Braunschweig und Kolumbiens Hauptstadt Bogota. Die Nachricht, dass die Volksmehrheit das geplante Friedensabkommen zwischen Rebellen und Regierung abgelehnt hat, kam überraschend – auch für Landeskenner Uwe Meier.

An diesem Wochenende – so der Plan – reist der Braunschweiger nach Kolumbien, der Flug ist gebucht, die Mission von langer Hand vorbereitet. In Kolumbien will er von Kleinbauern den Friedenskakao für einen Braunschweiger Schokolöwen kaufen. Der Verein „Fair in Braunschweig“ steht hinter ihm, hat das Projekt als eine Art der Entwicklungshilfe auf Augenhöhe angestoßen. Plötzlich erscheint in Kolumbien alles ungewiss, der herbeigesehnte Frieden steht auf schwachen Beinen. „Ich war zunächst sehr traurig, als ich das gehört habe, dann habe ich mir gesagt: Jetzt erst recht!“, sagt Uwe Meier.

Was ihn in Kolumbien erwartet, weiß Uwe Meier nicht. Mit seinem „Jetzt erst recht“ ist aber ausgedrückt, wie er mit der Ungewissheit umgehen will. „Leicht nervös“, sei er aber schon. Alle Zeichen standen auf Zustimmung, Kolumbien stand dicht davor, einen Schlussstrich unter mehr als 50 Jahre Bürgerkrieg zu ziehen, in dem es um den verbotenen Kokaanbau, um Macht und viel, viel Geld durch den Kokainhandel geht.

Seit 25 Jahren reist der Agrarexperte Uwe Meier immer wieder nach Kolumbien, zunächst im beruflichen Auftrag, jetzt im Ruhestand privat, um den Weg für den „Freidenskakao“ nach Braunschweig zu ebnen. Dorthin, wo er den Kakao direkt von kolumbianischen Kleinbauern kaufen will, führen keine Straßen. Mit Boot und Maultier geht es in unwegsames Gelände, wo in Urwaldgärten der Kakao mit seinem ganz besonderen Geschmack heranwächst. „Dort ist der Wilde Westen Kolumbiens“, sagt Meier. Das Land des Kokaanbaus, das Land der Farc-Rebellen. Weit weg von den Städten, aus denen die Rebellen weitgehend ’raus sind. Die Landbevölkerung will den Frieden, weiß Meier. Der Kokaanbau bringe zwar mehr Geld, habe die Bauern aber auch erpressbar und immer wieder zu Opfern gemacht. Für den Friedenskakao erhalten sie 30 Prozent mehr als der handelsübliche Weltmarktpreis hergibt. Eine Perspektive, auch wenn zunächst nur kleine Mengen exportiert werden. Drei Tonnen gingen bisher zur Weiterverarbeitung in den Odenwald, drei weitere schippern gerade über den Atlantik. Der bürokratische Aufwand sei hoch, sagt Meier, die Logistik mit Maultier, Boot und Lkw bis in den Hafen gleiche einer Meisterleistung. Meier rechnet mit einer Regierungskrise, sieht Präsident Juan Manuel Santos’ Stuhl nach dem gescheiterten Friedensabkommen mit den Rebellen am Wackeln. Er hofft, dass der Waffenstillstand hält, sieht aber die Gefahr, dass die Guerillagruppen in diesen Zeiten des Machtvakuums gleich wieder die immer noch vorhandenen Kokainhandelswege und -strukturen übernehmen und der Wahnsinn von vorn beginnt. „Ich bin bei allen Gruppen angemeldet, deshalb ist das Risiko nicht so groß“, sagt Meier. Dennoch sei er gefragt worden, ob diese Reise denn jetzt sein müsse. Meiers Antwort: „Ja, sie muss sein!"

Er denkt schon weiter, will von den Kleinbauern wissen, wie verlässlich der Kakaoanbau ist, will die Kakaogärten anschauen, um sicherzugehen, dass nun keine Plantagen entstehen, in denen außer Kakao nichts mehr wächst, weil die Bauern das große Geschäft sehen. Biozertifiziert sei ihr Anbau nicht, schlage aber die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung um Längen. Meier will Alternativen zu den hier bekannten, aber teuren Ökosiegeln prüfen. So hätten in Mexiko Kleinbauern selbst eine Zertifizierung entwickelt, die vielleicht auch in Kolumbien greifen könnte. Klimafreundlich und zugunsten der biologischen Vielfalt sollen die Bauern arbeiten. Beides schließe den regelmäßigen Einsatz von Dünger und Spritzmitteln aus.

Meier glaubt wie die Landbevölkerung an den Frieden. Gemeinsam mit jungen Designern hat er die GmbH „Cacao de Paz“ gegründet, die über den Internethandel den Kleinbauern neue Vertriebswege zu fairen Bedingungen öffnen will. Alles noch Zukunftsmusik, erst einmal muss Uwe Meier wieder heil zurückkommen … Am 17. November soll die Friedensschokolade in Löwenform vorgestellt werden.
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