Anzeige

Forschung weitab grauer Theorie

Campus Forschungsflughafen eröffnet – DLR und TU wollen das Flugzeug der Zukunft entwickeln

Von Marion Korth, 11.11.209

Braunschweig. Auf dem Campus Forschungsflughafen ist am Freitag ein einmaliges Gemeinschaftsprojekt der Technischen Universität Braunschweig und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt an den Start gegangen.

Der Campus ist die Plattform, auf der Theorie und Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft eng verzahnt miteinander neue Konzepte für den Luftverkehr der Zukunft entwickeln wollen. „Hier werden insgesamt 75 Millionen Euro investiert und auf Dauer 20 Professoren gemeinsam mit dem DLR forschen“, sagt TU-Präsident Professor Dr. Jürgen Hesselbach. In Braunschweig entstehe ein Kompetenzzentrum in einer neuen Qualität. Mit dem Campus werde ein „dicker Akzent“ in der Forschungslandschaft gesetzt. In die Zusammenarbeit sind sechs TU-Institute der Luft- und Raumfahrt sowie vier luftfahrttechnische Institute des DLR eingebunden.
Mit Unterstützung von Bund und Land soll für knapp 23 Millionen Euro ein neuer Forschungsbau mit Büros, Technikhalle, Hörsaal und Arbeitsräumen entstehen. Geplanter Baubeginn ist im März nächsten Jahres. Um das komplette Forschungsportfolio abbilden zu können, werden die technischen Einrichtungen wie beispielsweise Windkanäle und Simulatoren um einen Triebwerksprüfstand ergänzt.
Unter dem Arbeitstitel „bürgernahes Flugzeug“ soll der Luftverkehr von Braunschweig aus neue Impulse erhalten. Bislang sei es nicht möglich, von hier aus bis 10 Uhr Paris zu erreichen und abends wieder zurückzukommen. „Unsere Vision ist es, eine Mobilität auf kurzen Wegen zu ermöglichen, Fehlzeiten, wie lange Fahrten zum Flughafen, zu verringern“, erläuterte Stefan Levedag vom DLR. Erreicht werden soll das mit dem „bürgernahen Flugzeug“ – kleineren, leistungsstarken Maschinen mit weniger Verbrauch, die auch nachts fliegen, weil sie viel leiser sind, und die auch von kleineren, stadtnahen Flughäfen starten können, weil sie nicht mehr als 800 Meter Landebahn benötigen. Dafür notwendig ist eine neue und geräuschärmere Propellertechnik, aktive Systeme für einen besseren Auftrieb und noch eine Reihe weiterer technischer Innovationen. Durch die direkte Nähe von Flughafen, Luftfahrtbundesamt, DLR und TU bestünden einmalige Voraussetzungen für die Grundlagenforschung in diesem Bereich.
Da mag sich der Kritiker fragen, wozu dann überhaupt noch eine längere Start- und Landebahn benötigt wird, wenn das Flugzeug der Zukunft doch mit der halben Länge auskommt? „Das scheint ein Widerspruch zu sein“, sagt Stefan Levedag (DLR), „aber auf längere Sicht benötigen wir für die Forschung diese längere Bahn.“ Normalerweise würden Flugzeuge eine sehr teure und aufwändige technische Abnahme durchlaufen, bevor sie abheben dürfen. „Das geht aber nicht bei einem Flugzeug, an dem jede Woche herumgeschraubt wird“, sagt der Leiter des Instituts für Flugsystemtechnik. Damit Testflüge dennoch möglich sind, wird ein höherer Sicherheitspuffer gefordert – und zu dem gehöre auch die längere Start- und Landebahn.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.