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Förderung auf dem Prüfstand

Kritik an 5400-Euro-Zuschuss für Golfclub – Sportentwicklungsplanung wird vorbereitet.

Von Marion Korth, 09.05.2012.


Braunschweig. Der Golfclub Braunschweig erhält 5400 Euro jährlichen Zuschuss von der Stadt, die Leistungsschwimmer im Behindertensport des SSC Germania 08 gehen leer aus. Die Bibs hat bei der Sportausschusssitzung Ende März die „Schieflage in der Sportförderung“ angeprangert.

Dass die Schwimmer keinen Zuschuss erhalten, ist richtig, sagt dagegen Sportausschussvorsitzender Jürgen Wendroth (CDU). „Etwas anderes geben die Sportförderrichtlinien aus dem Jahr 2007 nicht her, und die haben wir uns selbst gegeben“, erläutert er. Mit Ausnahme von Bibs und Linken sahen das auch die anderen Parteien so, stimmten mit großer Mehrheit den von der Verwaltung vorgelegten Haushaltsansätzen zu. Aber auf welchen Grundlagen beruht die Sportförderung der Stadt, wird hier nicht doch mit zweierlei Maß gemessen? Die nB bat Sportdezernent Ulrich Stegemann und Sportstättenmanager Michael Loose um eine Erklärung.
Danach stellt sich entsprechend den Förderrichtlinien inhaltlich nicht die Frage, um welche Sportart es geht. Egal ob Fußball oder Skaten, Golfen oder Tennis – Ziel ist, eine vielfältige Sportlandschaft zu erhalten. Keinesfalls würden hier Golfer gegen Behindertensportler ausgespielt. Die Diskussion um die Verteilgerechtigkeit ist indes nicht neu, sagt Loose. Mal wurde hinterfragt, ob Schach eine Sportart ist, dann warum der Motorbootclub gefördert wird.

Mehrere Säulen

Die Sportförderung der Stadt ruht auf mehreren Säulen. Außer den Millionen, die in Sportstätten für Sanierung oder Ausbau gesteckt werden, fließen auch „verdeckte Subventionen“. Geringe Pachtzinsen für Vereinsgelände zählen ebenso dazu wie Hallennutzungsgebühren von 4,50 Euro die Stunde, die längst nicht kostendeckend sind. In diesem Beispiel geht es aber speziell um die Unterhaltungszuschüsse für die Pflege der Sportanlagen (Golfclub) und die Zuschüsse für den Sportbetrieb (SSC Germania).
„Die Vereine müssen eine Infrastruktur zur Verfügung haben“, erläutert Sportdezernent Ulrich Stegemann. Der Golfclub Braunschweig ist dabei einer von insgesamt 98 Vereinen, die einen Unterhaltungszuschuss für ihre Sportanlagen erhalten. 5400 Euro beträgt der pauschalierte Jahreszuschuss für den Golfclub. „Das deckt nicht ansatzweise die Kosten, die dort für die Grünpflege ausgegeben werden“, sagt Stegemann. Als Vergleich führt er den BSV Ölper an, der sechs Außenspielplätze unterhält, und dafür 2011 mehr als 75 000 Euro erhielt.
Der SSC Germania hat dagegen 5000 Euro zur Förderung des Trainings- und Wettkampfbetriebes der Leistungsschwimmer im Behindertensport beantragt. In der Vergangenheit war der SSC unterstützt worden, allerdings „versehentlich“, wie die Verwaltung nach einer internen Prüfung einräumte. Diesmal wurde der Antrag abgelehnt. Begründung: Das entspricht nicht den Sportförderrichtlinien.

Normaler Sportbetrieb

Gefördert werde nämlich nicht der normale Sportbetrieb, das könnte bei 220 Vereinen in der Stadt niemand bezahlen, sondern vor allem die von mehreren Vereinen übergreifend gebildeten Leistungsgemeinschaften, deren Mitglieder für die Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben ausgebildet werden. Um eine solche Leistungsgemeinschaft handelt es sich beim SSC Germania nicht. Dass es in diesem Fall Behindertensportler treffe, sei eher Zufall, sagte Stegemann.
Vom Tisch ist das Thema Sportförderung aber nicht. Schon am Donnerstag steht es auf der Tagesordnung. Rat und Verwaltung wollen eine langfristige Sportentwicklungsplanung auf den Weg bringen, so wie es sie für Schulen und Kitas längst gibt.
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