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Flüchtlinge erfahren die Stadt

Karim Boutsoudine (weißes Shirt) übersetzt alles für die Teilnehmer. Was schon mal zu Diskussionen führt. Ganz links Mitorganisatorin Marga Teufel, ganz rechts DRK-Mitarbeiterin Anne Steimer. Fotos: Andrè Pause
 
Neun Teilnehmer waren bei der Tour in den Prinzenpark dabei.

Geführte Radtouren von ehrenamtlichen Helfern und der DRK-Kaufbar bis Oktober fest geplant.

Von André Pause, 02.08.2016.

Braunschweig. „Neun Leute haben sich über Aushänge angemeldet. Bis wir loskommen, dauert es aber immer ein bisschen“, sagt Marga Teufel. Die drahtige Dame organisiert mit einem Kreis von insgesamt zehn ehrenamtlich agierenden Personen sowie Mitarbeitern der DRK-Kaufbar Fahrradtouren für Flüchtlinge (die nB berichtete). Jetzt steht die vierte Tour an. Wir fahren mit.

Nach und nach finden sich bei feinstem Wetter am Samstagnachmittag alle in der Naumburgstraße ein. Marga Teufel und ihre Mitstreiter Reinhard Böhm und Sven Pollmann lassen die Teilnehmer passende Räder aus der Sammlung aussuchen, während DRK-Mitarbeiterin Anne Steimer in einem Crashkurs an die Bedeutung wichtiger Verkehrszeichen erinnert und im Anschluss noch ein paar Direktiven für korrektes Verhalten im Straßenverkehr mit auf den Weg gibt.

Dieses organisatorische Vorspiel ist für Außenstehende beinahe faszinierender als die eigentliche Tour. Kaum einer der Teilnehmer versteht Englisch, geschweige denn Deutsch, weshalb Karim Boutsoudine, der am Thünen-Institut mit einer Gruppe zum Thema Integration in ländliche Gebiete forscht, alles übersetzt. Vorübergehend wird wild gestikuliert, sich sicherheitshalber noch mal vergewissert und am Ende als Zeichen des Verständnisses zustimmend genickt.

Als wirklich alle Sättel eingestellt, sämtliche Bremsen beziehungsweise Gangschaltungen justiert sind und bei allen Zweirädern für ausreichenden Luftdruck gesorgt ist, kann es los gehen. Mitfahren dürften bei den zumindest bis Oktober regelmäßig stattfindenden Touren prinzipiell alle Jugendlichen und Erwachsenen, die ihre Straßentauglichkeit in kleinen Übungen (zum Beispiel eine Acht fahren) unter Beweis gestellt haben, erklärt Marga Teufel, nur Kinder nehme man sicherheitshalber nicht mit.

Der Ausritt auf dem Drahtesel mag für die Flüchtlinge eine willkommene Abwechslung zum Alltag in den Unterkünften sein, ganz problemlos gestaltet sich das Fahren in der Gruppe freilich nicht. Schon bei der Ausfahrt aus der Naumburgstraße beispielsweise wird gleich mal die falsche Fahrbahnseite genommen, was prompt zur Beinahekollision mit mehreren korrekt fahrenden Radlern führt. In der Folge müssen Teile der Gruppe immer wieder mal warten, weil lange Wartezeiten und noch längere Grünphasen für Radler (Rautheimer Straße/Helmstedter Straße) das gemeinsame Überqueren der Straße quasi unmöglich machen.

Die Ziele der Touren werden immer wieder neu ausgewählt. Dieses Mal geht es auf grünstem Wege über den Brodweg bis in den Prinzenpark, wo Reinhard Böhm an der Waterloo-Säule und auf dem Bunkerplateau einige Worte zur Stadtgeschichte verliert, danach auf ein Getränk in den Biergarten der Freien Turner und zum Abschluss auf einen Abstecher zum städtischen Friedhof.
Und was steht kommende Woche an? „Darum kümmern sich dann die anderen. Wir planen mit Doodle, dass immer drei bis vier Leute dabei sind, aber wir wechseln uns schon ab“, lächelt Marga Teufel.
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