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Felder abgesoffen – An Dreschen ist nicht zu denken

Keine Spur von Goldgelb: Gräuliche Getreideähren vor grauem Wolkenhimmel, am Donnerstag fotografiert. Zum Teil hat der Dauerregen die Halme gänzlich umgelegt (im Hintergrund zu sehen). Nur der Klatschmohn hat sich wacker gehalten. Foto: Korth

Landvolkvorsitzender sorgt sich ums Getreide: „Roggen und Weizen müssten jetzt dingend runter.“.

Von Marion Korth, 29.07.2017.

Braunschweig/Helmstedt/Wolfenbüttel. Felder im Sonnenschein und ein Mähdrescher, der sich in einer Staubwolke voranschiebt – ein Bild zu schön, um wahr zu sein. „Ich habe gerade einen Rundruf gemacht, je weiter westlich, desto schlimmer sieht es aus“, sagte Ulrich Löhr, Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolks Braunschweiger Land, am Mittwoch der NB.

Felder unter Wasser oder aber komplett durchweicht – an die Getreideernte ist derzeit nicht zu denken.
„In Seesen und Hildesheim sind in 48 Stunden bis zu 180 Liter je Quadratmeter heruntergekommen, in Braunschweig 100 bis 110“, sagte Löhr. „Wenn das Korn jetzt trocknet, können wir trotzdem nicht auf die Felder, das ist das größte Problem“, so beschreibt der Landwirt die Situation nach den heftigen Regenfällen. „Es wird schwierig, das Getreide zu bergen.“

Als der Dauerregen kam, sei die Gerste schon weitgehend unter Dach und Fach gewesen, einige Landwirte hätten damit begonnen, den Raps zu ernten. „Aber Roggen und Weizen müssten jetzt dringend runter“, sagte Löhr. Stattdessen müssen er und seine Berufskollegen warten und auf stabiles, trockenes Wetter hoffen. Auf den schweren Bördeböden, die im Norden bis an den Mittellandkanal heranreichen, werden fünf, sechs, vielleicht sogar sieben Tage vergehen, bis ein Mähdrescher sie befahren kann, ohne im Schlamm zu versinken. „Im Korn sieht man die Wasserlachen nicht“, sagte Löhr.
Mancherorts haben die heftigen Gewittergüsse die Halme niedergelegt, der Raps sieht schon eher schwarz als braun aus. Pilze, die sich wegen der Nässe auf den Schoten angesiedelt haben, seien der Grund dafür. Aber auf die Optik kommt es nicht an, die Samen in den Schoten sind stark ölhaltig, sie nehmen deshalb nicht gleich Schaden. „Weiß wäre viel schlimmer, dann sind die Schoten nämlich aufgesprungen.“ Mehr Sorgen macht Löhr sich um das Getreide. „Wenn es zu lange nass bleibt, kommt das Korn in Keimstimmung“, erläuterte er. Zum Jammern aber sei es noch zu früh, welche Auswirkungen die Dauernässe auf Qualität und Erntemengen hätte, ließe sich derzeit nur schwer einschätzen.

Insgesamt wirkt Löhr recht gelassen. Er lacht: „Was bleibt mir anderes übrig, es ist nicht das erste Mal, dass es nass wird, wenn die Ernte beginnt.“ Trotzdem: „Dieser Sommer ist eine Herausforderung.“ Löhr verspricht: „Wenn jetzt drei Wochen warmes, trockenes Sommerwetter kommt, dann werde ich mich nicht beschweren.“
Vorsichtshalber wirbt er schon einmal um Verständnis für die Zeit, in der es endlich mit der Ernte weitergehen kann: Schlamm und Dreck auf den Straßen und Bauern, die bis spät in den Abend oder gar in Nachtschichten die Ernte einholen. Ein Wettlauf gegen die Uhr und gegen das Wetter.
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