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Feilen, formen – bis die Finger schmerzen

Seit 18 Jahren arbeitet Sabine Hoppe als freie Bildhauerin in Braunschweig – „Du musst immer mehr leisten als ein Mann“

Von Birgit Leute

Braunschweig. In den Regalen stehen lebensgroße Tonköpfe, in den Ecken wuchtige Götter und Fabeltiere. „Als Frau in meinem Metier musst du Kraft mitbringen“, sagt die Bildhauerin Sabine Hoppe und meint das nicht nur in körperlicher Hinsicht.

Zu ihrer Kunst kam sie vor zwanzig Jahren – nicht durch den berühmten Kuss der Muse, sondern erst einmal durch Zufall. „Während meines Studiums zur Grafik-Designerin in Bielefeld, sah ein Professor meine bildhauerischen Arbeiten und förderte mich“, sagt Hoppe. Sein Satz „Mädchen, du bist begabt“, gab ihr Mut, den für eine Frau eher ungewöhnlichen Weg zu gehen. „Die Bildhauerei ist immer noch eine Männerdomäne“, erklärt die schlanke 48-Jährige. Die Arbeit mit schwerem Ton, Gips und Holz traue man einer Frau nicht unbedingt zu, „da musst du immer mehr leisten als ein Mann und gegen manche Ressentiments ankämpfen“, sagt Hoppe.
Ein Blick in ihr Atelier im Schimmelhof genügt, um zu sehen: Die gebürtige Ostwestfalin „mit dem sprichwörtlichen westfälischen Dickschädel“, so Hoppe über Hoppe, leistet eine ganze Menge: Dicht an dicht stehen und liegen schneeweiße dralle Göttinnen, eng umschlungene Paare, Köpfe von Zeitgenossen, Tiere und immer wieder – der Minotaurus. „Durch meine Eltern habe ich schon früh die griechische Mythologie kennengelernt“, erklärt sie ihr Faible für die Halb-Mann-Halb Stier-Gestalt.
Längst hat Hoppe sich in der Region mit ihren Kunstwerken eine Namen gemacht. Ihr Bronzeotter steht vor dem Naturhistorischen Museum, ihr Figur „Europa“ wird als Preis für den besten europäischen Schauspieler beim alljährlichen Filmfest verliehen. Dennoch: Als selbstverständlich nimmt sie ihren Erfolg nicht hin. „Die Kunst zum Beruf zu machen, ist ein Sprung ins Ungewisse“, sagt Hoppe, die lange gezögert hatte, bevor sie 1991 ihren sicheren Job als Grafikerin und stellvertretende Abteilungsleiterin in einem Industrieunternehmen an den Nagel hängte und freie Künstlerin wurde.
„Als Maler oder Bildhauer sitzt du ja nicht bloß rum, nippst an deinem Wein und wartest, bis die Muse dich küsst“, räumt Hoppe mal kurz mit einem beliebten Klischee auf. Wer von der Kunst leben will, müsse nicht nur Talent haben, sondern auch die Fähigkeit, Durststrecken auszuhalten, sich durchzubeißen und diszipliniert zu sein.
Kein Zweifel, das ist sie. Wenn ein Auftrag fertig werden muss, sitzt Hoppe stundenlang allein in ihrem Atelier und meißelt, feilt, formt und knetet – auch im Winter, wenn die Räume zum Schutz des Materials nicht geheizt sind und die Finger schmerzen.
Hinzu kommt der ganz normale „Bürokram“: Angebote erstellen, Rechnungen schreiben und werben, immer wieder werben. Mit Künstlern der Region veranstaltet Hoppe Ausstellungen und gibt Seminare. Unter anderem die am 6. Juni beginnende Reihe „Kinderkram“ für Kids zwischen sechs und zehn Jahren zusammen mit dem Maler Ingo Lehnhof
Möchte sie manchmal zurück in die Sicherheit? „Nein.“ Hoppe zögert keine Minute mit der Antwort. „Der Schritt war richtig. Die Freiheit, die ich jetzt habe, ist mir wichtiger.“
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