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Fazit: „Was langsam wächst, schmeckt besser“

Extensive Teichwirtschaft in Riddagshausen: Klaus Lübbe führt jahrhundertealte Tradition fort und mag am liebsten „Karpfen blau“

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Riddagshausen. Ein paar Spaziergänger, die zwischen abgelassenen Teichen entlanggehen – Hochsaison und Hochbetrieb sehen eigentlich anders aus. Aber die Ruhe täuscht, im Fischereibetrieb Lübbe ist längst das Festtagsgeschäft angelaufen.

Fischerweg 1, hier wohnt und arbeitet Klaus Lübbe mit seiner Familie mitten zwischen Mittel- und Schapenbruchteich auf einer kleinen Landzunge. Ein malerischer Ort, Anziehungspunkt für Ausflügler. „Wenn man es abgeschieden mag, ist es schön hier“, sagt Lübbe. So wie Landwirte ihre Ackerflächen bewirtschaften, bewirtschaftet Lübbe die Teiche in Riddagshausen. „Mit Ausnahme von Schapen- und Schapenbruchteich“, sagt der Fischwirtschaftsmeister. Insgesamt 28 Hektar gepachtete Wasserflächen, die Forellenteiche liegen außerhalb.
„Deutscher Karpfen – kostbar und köstlich“ steht auf einem Plakat an einem der Nebengebäude – Werbung in eigener Sache. Lübbe kann das voll unterstreichen. Für sechs Euro das Kilo erhält der Kunde ein hochwertiges Nahrungsmittel, naturnah aufgezogen, die Karpfen sogar ohne Zufütterung. Bis so ein Karpfen „schlachtreif“ ist, „braucht er drei oder sogar vier Jahre“, sagt Lübbe. Der Fisch wiegt dann zwischen 1,5 und fünf Kilogramm. Weil die Tiere langsam wachsen, sich ihre Nahrung selbst suchen müssen, hätten sie sehr festes und schmackhaftes Fleisch. Lübbes Favorit unter den Fischgerichten: „Karpfen blau mit Meerrettich und zerlassener Butter“.
Das mit dem angeblichen Schlammgeschmack sei ein Vorurteil. „Unsere Karpfen sind garantiert gehältert, sonst würde ich auch keinen essen.“ In den so genannten Hälterbecken schwimmen die Fische so lange herum, bis sie ein Kunde haben will. Erst dann wird geschlachtet. Frischer geht es nicht, der Karpfen aus heimischer Anzucht geht nicht den Umweg über die Kühltruhe – auch das spart Ressourcen.
Lübbe zieht nicht nur Karpfen auf, sondern auch Schleie, Hecht, Zander, Barsch, Aal, Forellen und Saiblinge. Nicht alle werden als Frischfisch oder Räucherware verkauft. Viele finden als Besatzfische in anderen Teichen ein neues Zuhause. Manch einer möchte einen dicken Karpfen zur Zucht haben.
Die Fischwirtschaft liegt mitten in einem Naturschutzgebiet, die Teiche werden extensiv bewirtschaftet. Graureiher und Kormorane fischen fleißig mit. Lübbe sieht das mit gemischten Gefühlen. „Die Kormorane haben hier zum Glück noch nicht gebrütet, aber ihre Zahl hat explosionsartig zugenommen“, sagt er. Weil sie gezielt in Verbänden auf Jagd gehen, würden sie gerade die Jungfische erheblich dezimieren. Trotzdem bleibt genügend übrig. Der Jahresertrag liege bei rund 400 Kilogramm Fisch je Hektar. „In Asien, in einem anderen Klima und mit intensiver Fütterung kann er bis zu 90 Tonnen betragen“, erläutert Lübbe. Wirtschaftlich funktioniere der Betrieb in Riddagshausen nur durch die Vermarktung ohne Zwischenhändler.
Im April werden die Jungfische ausgesetzt, zwischen Anfang Oktober und Mitte November werden die Teiche abgelassen, wird abgefischt. Ein fester Rhythmus im Wechsel der Jahreszeiten. Die Fischwirtschaft in Riddagshausen ist mehr als 800 Jahre alt. Begründet von Zisterziensermönchen. „Die Teiche haben sich in dieser Zeit selbst erhalten“, sagt Lübbe. Dafür ist es wichtig, dass sie im Winter trocken liegen. Hereingewehtes Laub kann an der Luft vergehen, landet nicht als fauliger Schlamm am Grund.
Der Silvesterkarpfen in der Badewanne ist ein auslaufendes Modell, aber es gibt sie noch die Kunden, die ihren Fisch lebendig mit nach Hause nehmen. „Vor allem Russlanddeutsche“, sagt Lübbe. Die verstünden sich noch aufs Schlachten. Die anderen kaufen den Fisch lieber küchenfertig ausgenommen oder filetiert. „Erfreulicherweise ist es für viele noch Tradition, die sind früher schon mit ihren Eltern hierher gekommen“, erzählt Lübbe. Ansonsten ist er es gewohnt, Fragen zu beantworten, deren Antworten für ihn selbstverständlich sind. Regelmäßig zeigt er Schulklassen oder Kindergartenkindern Teiche und Fische. Die Kinder kommen schon manchmal ins Grübeln, wenn sie einen Karpfen sehen, kennen sie Fisch doch sonst nur aus der Kühltruhe – paniert und in Stäbchenform.
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