Anzeige

Familienmensch – Im Betrieb und zu Hause

Frauke Oeding-Blumenberg ist seit 1994 Chefin der Unternehmensgruppe Oeding – Als Frau fühlt sie sich in einer Männerwelt wohl.

Von Marion Korth, 03.10.2010.

Braunschweig. Ihr Vater war Chef des Braunschweiger Verlages und Druckhauses Oeding. Seine Tochter zu sein, reicht allein aber nicht, um einen Familienbetrieb wie die Oeding Unternehmensgruppe mit 80 Mitarbeitern erfolgreich führen zu können. Vor allem würde es Frauke Oeding-Blumenberg nicht reichen. Sie stellt hohe Ansprüche – vor allem an sich selbst.

Die Unternehmerin bringt alle Eigenschaften mit, um sich an der Spitze zu behaupten: Tugenden wie Fleiß und Disziplin sowieso, Wissen und mehr noch den Willen, es zu schaffen. Auf ihren Einstieg in den Familienbetrieb, den sie heute in fünfter Generation führt, hat sie sich gut vorbereitet. Mit einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Göttingen und anschließend einem Jahr als Trainee in Verlag und Druckerei bei Hubert & Co. „In der Fremde ist man nicht mehr der Sohn oder die Tochter, das ist etwas völlig anderes“, sagt sie. Damals hat sie wichtige Erfahrungen gesammelt, war ganz dicht dran an den Mitarbeitern, hat alle Abteilungen durchlaufen. „Die haben übrigens auch Telefonbücher verlegt.“ Genau wie Oeding.
Danach folgte gleich noch eine harte Schule. „Ich habe sieben Jahre mit meinem Vater zusammengearbeitet“, sagt die Verlagschefin. Das ist sehr wörtlich zu nehmen. Sie saß mit ihm in einem Büro. „Das hat mich erst sehr genervt“, gibt sie offen zu. Und die Worte „aus meiner Erfahrung heraus…“, die konnte sie auch nicht mehr gut hören. Mittlerweile weiß sie, dass ihr Vater mit vielem Recht hatte und dass es tatsächlich fünf Jahre gedauert hat, bis sie Betrieb und Mitarbeiter genau kannte.
Sie war gut vorbereitet, um mehr Verantwortung zu übernehmen, und wurde dennoch davon überrascht. Ende 1993 starb ihr Vater Ernst Oeding plötzlich an einem Herzinfarkt. Die Frage, ob sie fortan Chefin sein wird, habe sich nicht gestellt. „Ich war im Betrieb“, sagt Frauke Oeding-Blumenberg. Die Führungskräfte hätten alle hinter ihr gestanden. Der Tod des Vaters habe sie und die Familie schwer getroffen. „Und dann kam der Betriebsrat auf mich zu und sagte mir: ’Wir werden sie unterstützen’.“ Diese Geste wird sie niemals vergessen.
Keinen Moment habe sie Zweifel gehabt, es zu schaffen. Dabei gehört der Druck zwangsläufig zur Druckbranche. „Es ist unglaublich, wie schnell sich der Markt verändert“, sagt die Unternehmenschefin. Eine Investition, heute noch sinnvoll, könne morgen schon überholt sein. „Uns wird allen sehr viel abverlangt.“
Mit ihrem Führungsstil setzt sie ein Gegengewicht. „Das Diktatorische liegt mir nicht. Ich drücke ungern etwas durch. Damit hat man auch keinen Erfolg. Ich bemühe mich, die Menschen abzuholen, sie zu überzeugen, damit sie etwas gern tun.“ Das sagt sie aus ihrer Erfahrung heraus. In dem zuvor männerbestimmten Betrieb weht heute ein anderer Wind. „Auch wenn es um harte Fakten geht, die Atmosphäre ist einfach eine andere“, meint Frauke Oeding-Blumenberg. Ihrer Ansicht nach macht es die Mischung: Eine Frau zwischen lauter Männern, dann wird der Ton gleich freundlicher. Sie schätzt den offenen Austausch mit ihren engsten Mitarbeitern. Sie hat ihre Meinung, „aber ich lasse mich auch von etwas anderem überzeugen, wenn die Argumente gut sind“. Allein zu sein fast nur unter Männern habe sie nie gestört, auch nicht manchmal allein zu sein mit schwierigen Entscheidungen.
Frauke Oeding-Blumenberg sagt von sich: „Ich liebe konkrete Dinge, ich mag Zahlen, ich bin die Strukturierte.“ Das hat ihr geholfen, ihren Alltag zu organisieren, als sie Mutter wurde. „Da war ich Mitte Dreißig und nach so langer Zeit im Unternehmen fit im Job.“
Morgens saß sie spätestens um 8 Uhr im Büro, arbeitete durch bis zum Nachmittag, um 16 Uhr dann ab nach Hause. Die Zeit danach parallel für Familie und Familienunternehmen da sein zu wollen, habe sich nicht bewährt. „So konnte ich keine gute Mutter sein, also bin ich abends, wenn die Kinder im Bett waren, an den Schreibtisch gegangen“, sagt sie. Der Technik sei Dank – ihr „Home Office“ war damals schon voll vernetzt.
Die Kinder sind mittlerweile groß: Thilo ist 14 , Gesa 12 Jahre alt. „Wir hatten immer eine gute Seele zu Hause, erst Kindermädchen, heute eine Haushälterin.“ Frauke Oeding-Blumenberg weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Für sie war es wichtig, die Kinder gut aufgehoben zu wissen.
Die Familienunternehmerin ist Familienmensch durch und durch. Erster „Pflichttermin“ des Tages: gemeinsam frühstücken. „Ich bin sehr gern Mutter, dadurch habe ich Berührung mit ganz anderen Themen. Kinder sind außerdem so ehrlich, dass ist im Geschäftsleben nicht immer so.“
Und dann ist da der Mann an ihrer Seite: selbstständig als Anwalt tätig, früher Hockeyspieler in der Bundesliga und der Nationalmannschaft. Auf ihn ist unbedingt Verlass, ihn kennt sie seit der Studienzeit. „Er hat mich immer unterstützt“, sagt Frauke Oeding-Blumenberg. Am Wochenende fährt sie mit Mann und Kindern am liebsten Fahrrad. „So wie früher, so wie ich es als Kind kennengelernt habe. Ein Grundschullehrer sagte mir einmal, dass das heute nicht mehr normal ist.“ Auch der Tag von Frauke Oeding-Blumenberg hat nur 24 Stunden. Sie lebt nach der Erkenntnis, nicht allein die Zeit zählt, sondern wie intensiv man sie miteinander verbringt. Zum Beispiel im Skiurlaub auf der Piste. „Erholung pur“, schwärmt sie.
Von Quoten, um mehr Frauen in unternehmerische Führungspositionen zu bringen, hält sie nichts. „Jede Frau, die etwas möchte, sollte es einfach tun.“ Es komme auf einen selbst an. „Frauen sind mindestens ebenso fähig wie Männer.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.