Anzeige

Familien-Paten sollen wie die gute Freundin oder Nachbarin sein

Projekt des Kinderschutzbundes in Braunschweig unterstützt mit unkomplizierter Hilfe – 35 Familien mit insgesamt 73 Kindern betreut

Von Marion Korth

Braunschweig. „Das Projekt hat sich zum Selbstläufer entwickelt“, sagt Ingrid Dülm, Geschäftsführerin des Ortsvereins des Kinderschutzbundes. Seit 2005 werden ehrenamtliche Familienpaten vermittelt, die ab und an da sind, wenn die Arbeit einfach zu viel wird, wenn jemand gebraucht wird, der ein offenes Ohr hat.

„Ein Angebot für Familien, die keine Freunde oder Verwandte haben“, erläutert Dülm. Am Anfang stand das Konzept, eine Braunschweiger Idee, geboren an einem „runden Tisch“. Kinderschutzbund, Fachhochschule und das Haus der Familie überlegten, wie Familien früh und unkompliziert unterstützt werden können. Trotz sorgsamer inhaltlicher Vorarbeit, haperte es anfangs an einer gesicherten Finanzierung. „2005 und 2006 haben wir so vor uns hingekrepelt“, sagt Dülm. Das Durchhalten hat sich gelohnt: 2007 hat die Stiftung der Volksbank Braunschweig Wolfsburg erstmals 10 000 Euro gegeben, in diesem Jahr wieder. Der Vorstandsvorsitzende dieser Stiftung, Reinhard Jahn, war von Beginn an von dem Konzept begeistert: „Es wird nicht nur auf die materielle Armut eingegangen, sondern vor allem die soziale Eingliederung gefördert.“
Mit der Stiftungsunterstützung werden unter anderem die Personalkosten von Katrine Hörsting, die das Projekt koordiniert, bezahlt. Wenige Stunden in der Woche, die sie braucht, um Gespräche mit Paten und Familien zu führen und beide Seiten zusammenzubringen.
Die Ehrenamtlichen erhalten nach Möglichkeit anfallendes Fahrtgeld ersetzt. Einmal im Jahr bekommen die Kinder aus den Patenfamilien bei einer Weihnachtsfeier zudem ein kleines Geschenk – ebenfalls bezahlt aus dem Topf des Kinderschutzbundes. Außerdem werden die Familienpaten für ihre Aufgabe geschult – auch das kostet Geld.
31 Ehrenamtliche seien bislang ausgebildet worden, 35 Familien mit insgesamt 73 Kindern haben eine Zeit lang einen Paten an der Seite. Zwischen einem und zwei Jahren dauert die Begleitung. Die Familienpaten (ein Mann ist auch darunter) sollen „gute Freundin oder Nachbarin“ sein.
Gunhild Händel ist eine Patin. „Familienprofi“ ist sie von Haus aus: „Ich habe selbst fünf Kinder und mir macht der Umgang mit Kindern einfach Spaß“, sagt sie. Einmal in der Woche besucht sie für zwei, drei Stunden ihre Patenfamilie. „Und wenn es brennt, aber das kommt ganz selten vor.“ Vater, Mutter, sechs Kinder im Alter zwischen einem und neun Jahren, die beiden jüngsten Zwillinge. Eine intakte Familie, die Anregungen gern aufgreift, sagt Gunhild Händel. Trotzdem habe die Mutter sich irgendwann überfordert gefühlt, war gesundheitlich angeschlagen. Beim Kinderschutzbund habe sie selbst angerufen, ein Kinderarzt hatte ihr wohl den Tipp gegeben.
Auch das meint Ingrid Dülm mit „Selbstläufer“ – der Kinderschutzbund muss nicht händeringend nach hilfsbedürftigen Familien suchen, die melden sich selbst oder es gibt Anfragen von Gesundheits- oder Jugendamt. Auf jeden Fall kommen Familie und Pate freiwillig zusammen.
Gunhild Händel nimmt der Mutter in ihrer Patenfamilie Arbeit ab. „Dann gehe ich mit vier Kindern für zwei Stunden in den Park.“ Auch eine Fahrt zum Arzt sei drin. Zeit, damit die Mutter den Haushalt machen kann. Mittlerweile sei wieder alles entspannter. „Ich weiß, dass es den Kindern gut geht, wenn ich mich verabschiede“, sagt die Patin.
Alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern machen 70 Prozent der betreuten Familien aus, vier alleinerziehende Väter gibt es. Derzeit kommt wieder Bewegung in die Vermittlung. Patenschaften laufen aus, Plätze sind wieder frei. „Und im nächsten Jahr bilden wir weitere Paten aus“, sagt Ingrid Dülm.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.