Anzeige

Etappenziel auf dem Altstadtmarkt

Ein glücklicher Ermin da Silva nach 52,8 gelaufenen Tageskilometern. Foto: André Pause

Ermin da Silva läuft für ein buntes Deutschland in sieben Tagen von Bremen nach Dresden.

Von André Pause, 21.04.2015.

Braunschweig. 456,9 Kilometer weist der Etappenplan aus, den Ermin da Silva derzeit absolviert. In sieben Tagen läuft der Jugendbetreuer eines Bremer Flüchtlingsheims für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge von Bremen nach Dresden – für ein buntes Deutschland.

Es ist nicht der erste Spendenlauf, den der 42-jährige Extremsportler unternimmt: Im vergangenen Jahr ging es beispielsweise per pedes von Bremen nach Berlin, gleich mehrfach nahm er die Strapaze auf sich, die höchste Düne der Wüste Namibias zu erlaufen – bei einer Außentemperatur von über 50 Grad und 1700 Metern Höhenunterschied. Und auch den Bremen-Marathon ist da Silva mehrfach rückwärts (!) gelaufen.
Es scheint, als könne den Mann nichts aufhalten. Doch vor zwei Jahren machte ihm die türkische Politik einen Strich durch den „Lauf seines Lebens“. Dieser sollte ihn an 67 Tagen von Bremen nach Istanbul führen, um ein Zeichen zu setzen: für freiheitliche und demokratische Grundwerte. Man ließ ihn nicht passieren, und so war an der türkischen Grenze nach 63 Etappen (mit ebenso viel gelaufenen Marathonläufen) gezwungenermaßen Schluss.
Zu verstehen ist die hartherzige und restriktive Haltung seines Geburtslandes in keinster Weise. „Ich bin ja auch so angekommen, wie im Augenblick“, sagt da Silva und fährt mit seinen Händen über seine Laufkleidung, als wolle er unterstreichen: in friedlicher Mission.
Weniger friedlich hat er viele Jahre seiner Kindheit erlebt. 1973 im osttürkischen Elazig geboren, und dort mit vierzehn Geschwistern aufgewachsen, war diese geprägt durch den türkisch-kurdischen Konflikt. Kurz vor seiner Militärverpflichtung im Jahre 1991 flüchtete er, alleine unter insgesamt 70 Menschen nach Deutschland.
In Deutschland erwartete da Silva eine völlig fremde Kultur. Der Sport war in dieser Zeit der wohl wichtigste Anker in der Fremde. Er hat ihm Halt gegeben. „Ich gehörte nicht zur Gesellschaft, es war ein ewiger Kampf“, erzählt der Extremsportler. Erst nach zehn Jahren erfolgte die Asylanerkennung. Da Silva machte zunächst eine Tischlerlehre, anstatt in Istanbul Sport zu studieren. So richtig angekommen ist er mit seiner Tätigkeit als Jugendbetreuer für den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).
Gemeinsam mit seinem Arbeitgeber setzt er sich ein für Toleranz, Meinungsfreiheit, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Die Frage, welches Gefühl ihn bei Versammlungen wie denen der „Gidas“ beschleiche, beantwortet er entsprechend bestimmt: „Diese Leute sind nicht von heute auf morgen auf die Idee gekommen. Die Gruppierungen entstehen aus einer Schwäche heraus, durch gesellschaftlichen Nichtzusammenhalt. Man muss Menschen die Ängste nehmen“, skizziert da Silva, appelliert in diesem Zusammenhang aber auch an die Politik, wachsam zu sein und nicht nur zuzuschauen, wenn etwas aus dem Ruder läuft.
Er selbst tut das seine in Sachen Völkerverständigung – gerne laufenderweise. Bei seiner Ankunft auf dem Braunschweiger Kohlmarkt breitet da Silva die Arme aus und strahlt über das ganze Gesicht. „Das sind die Momente, weshalb man solche Sachen macht“, sagt er, „ich brauche keine Medallie um den Hals, die Begegnungen und das Lächeln derMenschen sind viel wichtiger.“
Infos und ein Spendenformular finden Sie unter www.asb-bremen.de/Lauf2015.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.