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Erstklässler auf Wanderschaft

Sie kennen ihren Schulweg bereits und können den Erstklässlern helfen, sich zurecht zu finden: Die Lehndorfer Grundschüler kommen jetzt in die zweite Klasse. Foto: Archiv Thomas Ammerpohl

Täglich von Rüningen in die Gartenstadt.

Von Martina Jurk, 10.09.2914. Braunschweig.

2000 Kinder werden am Sonnabend in Braunschweig eingeschult. Für einige von ihnen beginnt der Lernalltag gleich mit Stress. Die ABC-Schützen der Grundschule Rüningen müssen jeden Tag in die Gartenstadt pendeln.

Bis kurz vor den Sommerferien wussten die Eltern noch nicht, wo ihre Kinder eingeschult werden. Der Hintergrund: Die Grund- und Hauptschule Rüningen wird saniert. Deshalb werden die ersten und zweiten Klassen in die Grundschule Gartenstadt ausgelagert (wir berichteten). Die CDU-Ratsfraktion befürchtet, dass damit eine Schließung des Grundschulzweigs in Rüningen vorbereitet wird.

Bereits morgen – am ersten Schultag nach den Ferien – ist es Gewissheit: Ein Schulbus fährt um 7.40 Uhr die Kinder in die Gartenstadt. Für einen Fußmarsch wäre nach Einschätzung der Polizei der Weg zu gefährlich.
Von 13 bis 17 Uhr pendelt der eigens für diese spezielle Situation eingerichtete Schulbus stündlich von der Gartenstadt zurück nach Rüningen, bestätigt Christopher Graffam, Sprecher der Braunschweiger Verkehrs-GmbH.
Elternvertreterin Sonja Mewes findet es eine Zumutung, dass die Einschulungsfeier am Sonnabend in Rüningen sein wird, die Einschulung selbst aber in der Gartenstadt erfolgt – getrennt von den Gartenstädter Erstklässlern.

„Normalerweise sollte vom ersten Tag an ein Zusammenhalt der Schüler das Ziel sein. Das passiert hier nicht. Die Rüninger Kinder werden ausgeklammert“, sagt Sonja Mewes. Zudem hätten sie andere Pausenzeiten, damit die Lehrer genügend Zeit hätten, zwischen der Gartenstadt und Rüningen hin und her zu fahren.

„Die Bürger sind dazu nicht angehört worden. Diese Situation gefährdet das soziale Gefüge in Rüningen“, befürchtet CDU-Ratsherr Oliver Schatta. Im Übrigen habe der Stadtbezirksrat bis vor kurzem auch noch keine Kenntnis darüber gehabt, welche Klassen „wandern“ müssen.

Eine Herausforderung wird der Schulweg nicht nur für die Rüninger Kinder, sondern für alle ABC-Schützen. Denn, so Michael Schlutow, Verkehrssicherheitsberater der Braunschweiger Polizei, sie hätten einen ordentlichen Packen zu tragen: Schule, neuer Tagesablauf, neue Kinder, Lehrer, eine ungewohnte Ernsthaftigkeit des Lebens und der Schulweg mit all seinen Gefahren. „Wir hoffen, dass die Eltern mit ihren Kindern die Schulwege schon geübt haben“, sagt Schlutow. Bei Einschulungsabenden seien die Eltern bereits darauf hingewiesen worden. Der Verkehrssicherheitsexperte empfiehlt einen Rollentausch. Die Kinder schlüpfen in die Rolle der Eltern und umgekehrt. „Wenn die Kleinen den Schulweg erklären können, dann haben sie ihn in der Regel auch theoretisch verstanden.“

Weiter rät Schlutow den Eltern, die Kinder auch mal aus der Ferne zu beobachten und zu überprüfen, ob sie sich an Abmachungen halten. Zum Beispiel: beim Überqueren der Straße immer nach links und rechts schauen, den Kopf drehen, denn das Gesichtsfeld der Kinder ist um ein Drittel eingeschränkter als das von Erwachsenen, der Bordstein ist der Haltepunkt.
Gab es im vergangenen Jahr nur zwei Verkehrsunfälle, bei denen Grundschüler betroffen waren, nimmt dagegen die Zahl der Unfälle bei Schülern der fünften Klassen, vor allem bei Rad fahrenden Kindern zu. „Für viele Fünftklässler sind die Wege ebenfalls neu, weil sie von der Grundschule in eine andere Schulform wechseln. Das richtige Verhalten im Straßenverkehr mit dem Fahrrad beherrschen Zehnjährige noch nicht. Da überschätzen manche Eltern ihre Kinder“, meint Michael Schlutow und betont: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Die Eltern sind für sie verantwortlich, auch dafür, dass sie sicher zur Schule kommen.“

Die Polizei hatte die Bürger aufgerufen, für eine Schulanfangsaktion Schultüten abzugeben. Zwischen 60 und 70 sind zusammengekommen, die in der nächsten Woche vor mehreren Grundschulen auf den Boden gelegt werden. „Viele Kinder werden mit dem Auto zur Schule gebracht. Das behindert die ankommenden Schulkinder. Sie sollten alle zu Fuß kommen, damit sie selbstständig und sicherer auf dem Schulweg werden“, appelliert der Verkehrssicherheitsberater. Wenn es mal aus Zeitgründen nicht anders ginge, sollten die Eltern in Nebenstraßen oder auf einem nahe gelegenen Parkplatz die Kinder aussteigen lassen.
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