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Eröffnung mit Symbolcharakter

Rituelle Totenwaschungen sind unter anderem im Islam, aber auch im Judentum Bestandteil der Bestattungsriten. Oberbürgermeister Ulrich Markurth (v.l.), Hayri Aidin und Dr. Sadiqu Al-Mousllie machten sich mit den anderen Gästen ein Bild von dem neuen, schlichten Haus. Fotos: T.A.

Möglichkeit für rituelle Totenwaschungen – Für Muslime Zeichen der Willkommenskultur.

Von Marion Korth, 11.02.2015.

Braunschweig. Die Eröffnung des rituellen Waschhauses am gestrigen Dienstag auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof setzt ein Signal gerade in diesen Tagen, ist ein Beweis für gelebtes Miteinander – diese Aussage fand sich so oder so ähnlich in allen Redebeiträgen wieder.

Nach Jahren der Diskussion, durchaus auch Augenblicken der Irritation ist in Braunschweig mit dem schlichten funktionalen Gebäude, das neben der Feierhalle III kaum zu sehen ist, doch Großes entstanden: Ein Ort, an dem Muslime, aber auch Angehörige anderer Glaubensgruppen, ihre Toten feierlich und gemäß ihren Vorgaben für die Beerdigung vorbereiten können. „Ein Schritt, der wichtig und notwendig ist“, betonte Oberbürgermeister Ulrich Markurth und ein Zeichen, dass die Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sich in dieser Stadt nicht auseinanderdividieren lassen, verbunden mit dem Wunsch, dass das Gemeinschaftliche überwiegen wird.

„Das Miteinander“, betonte Markurth, „braucht Engagement und Mühe und die Bereitschaft aufeinander zuzugehen.“ Besonderer Dank ging an Landesrabbiner Jonah Sievers und die Jüdische Gemeinde, die das Vorhaben mitgetragen hat, ebenso wie Pröpstin Uta Hirschler oder die Ratsherren Aykut Günderen (CDU) und Dr. Helmut Blöcker (Die Grünen), die sich dafür persönlich stark eingesetzt hatten.

„Der einstimmige Ratsbeschluss für das rituelle Waschhaus hat uns als Muslime sehr gefreut“, sagte Hayri Aidin, Vorsitzender des Rates der Muslime in Braunschweig. Nun wolle er die Nachricht, dass das Haus nun fertig ist, in den Braunschweiger Gemeinden und denen im Umland bekannt machen, damit möglichst viele es nutzen und nicht mehr weite Wege für die rituelle Waschung auf sich nehmen müssen. Wie viel dieses Waschhaus mit dem Suchen und Finden von Heimat zu tun hat, drückte Dr. Sadiqu Al-Mousllie, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft, so aus: „Wer sich entscheidet, nach seinem Ableben hierzubleiben, gibt ein starkes Zeichen – auch für die Hinterbliebenen.“
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