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Er wollte immer Musik machen

Axel Huse ist Musiklehrer, Chorleiter und Organist – An Heiligabend spielt er fünf Mal

Von Annette Heinze, 16.12.2009

Braunschweig. Mit dem Männergesangverein Meine übt er „Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau’n“, mit seinen Schülern „What a wonderful world“: Als Chorleiter, Lehrer und Organist „kämpft“ Axel Huse (Jahrgang ’60) altersmäßig an vielen Fronten für die Musik.

Er leitet auch den Braunschweiger Polizeichor: „Gesanglich ist es der stärkste Männerchor Braunschweigs“, sagt Axel Huse. Die Sänger seiner beiden Männerchöre sind allerdings relativ alt: „Die ganze Chorlandschaft wird sich in den nächsten zehn Jahren verändern. Der Nachwuchs fehlt“, sagt der Chorleiter, der auf Landesebene im Chorleiterrat Niedersachsen-Bremen sitzt.
Jugendliche wollen ungebunden sein, sich individuelle Spielräume bewahren, weiß er als Musiklehrer und als Fachbereichsleiter für musisch-kulturelle Bildung an der IGS Franzsches Feld: „Das sehe ich bei meinen Schülern, die kaum noch Verabredungen eingehen können.“ Huse wirkt ruhig, besonnen und aufmerksam – nicht so, als ob er sich leicht beirren ließe. Er setzt stattdessen offensichtlich auf neue Ideen.
Eine neue Form der Chormusik könnten „Projektchöre“ sein, schlägt Axel Huse vor – Singgemeinschaften, die sich auf Zeit, zum Beispiel zur Vorbereitung eines Konzertes zusammenfinden. Wenn er Chorhelfer ausbildet, verfolgt er das Ziel, die traditionelle Chormusik zu pflegen, aber auch moderne Rock- und Popmusik singen zu lassen.
Ein ähnliches Konzept hat er als Musiklehrer: Er komponiert Stücke um, lässt die Jugendlichen Synthesizer, Keyboard, aber auch klassische Instrumente wie Klarinette, Trompete, Gitarre spielen. Je nachdem, was sie können: „Die einen spielen bereits auf Bundesebene, andere bringen gar nichts mit“, sagt Huse über seine Schüler. Um den klassischen Musikunterricht aufzubrechen, geht er raus aus der Schule. Beim Filmfest kürzlich gaben so Schüler der IGS mit Musikern des Staatsorchesters ein Konzert. Es war das Ergebnis eines gemeinsamen Workshops: „Die Schüler fanden das toll, es gab viel Applaus“, erzählt Axel Huse über ein Erfolgserlebnis.
Er selbst stammt aus einer musischen Familie, spielte schon als 15-Jähriger die Orgel in der Kirche und auf Beerdigungen: „Es ging mir immer darum, Musik zu machen“, sagt der gebürtige Braunschweiger. Und ergänzt: „Ein Vorteil war aber auch, dass ich mit der Musik früh Geld verdienen konnte.“
Um spielen zu können, schwänzte er manchmal Schule. Seine Lehrerin merkte das und fragte nach: „Sie haben so viele Beerdigungen in der Familie, das kann doch gar nicht sein.“
Orgel im sonntäglichen Gottesdienst spielt Axel Huse mittlerweile seit 30 Jahren. Die Zeit nutzt er zur Besinnung und zur Schulvorbereitung. Den Heiligabend mit fünf Gottesdiensten findet der Musiker allerdings „eher schlimm“.
Seine Frau hat dieses Engagement an Weihnachten stets toleriert, auch die verschiedenen Ehrenämter des umtriebigen Chorleiters. Sie ist selbst als Hockeytrainerin des MTV viel unterwegs. „Es kommt nie ein: ‚Du kannst schon wieder nicht.‘ Das klappt wunderbar“, sagt Huse.
Seine Begeisterung für Musik gab er an seine Kinder, 14 und 18 Jahre alt, weiter. Die Tochter spielt Klavier, der Sohn begleitet ihn bei Familienfeiern auf der Trompete. Ganz übergesprungen ist der Funke jedoch nicht. Beide Kinder streben keine musischen Berufe an. Das findet der Musiklehrer „ein bisschen schade.“
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