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„Er nimmt uns ernst, er ist streng, aber auch lustig“

Eine ausgesprochen sympathische Klasse, ein spezieller Lehrer: Andreas Stolz und „seine“ 10 HR. Foto: Obi-Preuß
 
Bankräuber Zeki Müller (Elyas M’Barek) wird in der Komödie „Fack ju Göhte“Aushilfslehrer. Und trifft mit seiner unkonventionellen Art das Herz seiner Schüler. Foto: Constantin Film

Andreas Stolz ist seit „ewig“ Lehrer an der Eichendorffschule. Er „zähmt“ selbst schwierige Schüler – und ist dabei beliebt.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 06.12.2017


Wolfsburg. Andreas Stolz sieht nicht wirklich aus wie Elyas M’Barek und auch altersmäßig liegen zwischen dem österreichischen Schauspieler und dem Lehrer aus Wolfsburg Jahrzehnte. Dennoch – irgendwie und irgendwo gibt es Parallelen.
Nach meinem Besuch in dem Kinohit „Fack ju Göhte 3“ und einem anschließenden (zufälligen) Gespräch mit Andreas Stolz wurde schnell klar, was das verbindende Element ist: der Blick auf Schule, auf junge Menschen, auf Erziehung.

Im Film geht es neben jeder Menge schrillem Quatsch um das Gute in den Schülern, an das der Lehrer fest und unverbrüchlich glaubt.
Und so ist das auch bei Andreas Stolz. Seit gefühlt ewig (Februar 1976) ist Stolz an der Eichendorffschule. Als Lehrer für Religion, Englisch und Sport passte das erste Jobangebot nach dem Studium an die katholische Schule gut.
„Ich dachte, nach zwei Jahren gehe ich zurück nach Hannover“, blickt er zurück. Dachte er. Doch dann kam die Liebe. Zu einer Frau, zur Stadt Wolfsburg, zu „seiner“ Schule.
Und jetzt ist er seit 40 Jahren dabei. Und er hat sich einen Namen gemacht. Unter den Kollegen als der „Mann für Problemfälle“, unter den Schülern als „der beste Lehrer überhaupt.“
Das kommt nicht von ungefähr, die Schule passt ganz offensichtlich zu Andreas Stolz genau so gut wie er zur Schule. Oberschule und Gymnasium an einem Standort, das ist einmalig in Wolfsburg und auch landesweit eine Seltenheit.
Und die Schule ist katholisch. „Das Miteinander orientiert sich an den Werten des Evangeliums“, erklärt Schulleiter Karl-Heinz Müller.
Viele unterschiedliche Glaubensrichtungen und auch Atheisten sind unter den Schülern, die Religionsausübung ist frei, die Werte aber bindend für alle.
Wir sind in der 10 HR, der Klasse von Andreas Stolz.
Der Lehrer ist rausgegangen, „damit Ihnen meine Schüler ungefiltert die Wahrheit sagen können.“ Und das tun sie, erst alle durcheinander, dann haben sie sich ruckzuck selbst organisiert.
„Als wir in der Achten waren, haben sich die Lehrer gestritten, weil uns keiner wollte“, erzählt Liane von schwierigen Anfängen im Klassenverband. „Wart ihr denn wirklich so schlimm?“ frage ich. „Und wie“, rufen sie einhellig, „wir waren furchtbar.“ Und was läuft mit Andreas Stolz anders?
Die Antworten kommen brav nacheinander und ohne zu zögern:
„Er nimmt uns ernst“, „er ist streng, aber auch lustig“, „er setzt sich für uns ein“, „er ist konsequent“, „er vertraut uns“, „er kann laut brüllen und auf den Tisch hauen.“ Nur Lob. Und das über einen Lehrer. Fast unheimlich. „Er sieht zwar nicht so aus, aber er ist wirklich so cool wie der Lehrer im Fack-ju-Film“, ergänzt Lucy, „wir können glücklich sein, ihn als Klassenlehrer zu haben.“
Andreas Stolz ist berührt, als er von der Meinung seiner Schüler hört. Dass er beliebt ist, weiß er, aber dies ist doch noch mal eine besondere Anerkennung.
Wie macht er das? Gerade in diesem Beruf? „Es ist eine Gabe“, sagt er, „die hast du, oder du hast sie nicht.“ Dazu gehört die grundsätzliche Zuneigung zu jungen Menschen.
„Du musst die Lebendigkeit mögen, die Lautstärke, ihre Unbeständigkeit. Ihre Probleme ernst nehmen – und ihnen etwas zutrauen. Aufgaben geben.“ Und: Stolz hat seine Stärken eingesetzt. „Ich konnte schon immer gut Fußballspielen“, erzählt er, „damit habe ich bei den Jungs sofort gepunktet.“
Nur noch wenige Jahre bis zum Ruhestand; für Andreas Stolz keine verlockende Aussicht. Er könnte „ewig so weitermachen“, ein Lehrer mit Leib und Seele. Manchmal durchaus anstrengend, aber der Erfolg gibt ihm recht. Die berühmte harte Schale mit dem weichen Kern. Fast wie im Kino.
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