Anzeige

Einmal Chopin zwischen Infopoint und Zugansage

Die Studentin Mona Heiler und Uwe Seel, Bahnhofsmanagement, am schwarzen Yamaha-Klavier in der Bahnhofsvorhalle. Foto: Birgit Wiefel

Bis Mitte November steht für Passanten ein Klavier im Bahnhof.

Von Birgit Wiefel, 18. August 2017

Braunschweig. Schon kurz nach dem Start lag der erste Zettel in der Feedback-Box: „Das ist eine wirklich tolle Idee. So etwas müsste es öfter in Braunschweig geben.“ Das Lob ist nicht das einzige geblieben: Seit vergangener Woche steht ein Klavier im Bahnhof auf dem jeder, der Lust hat, spielen kann. Und es wird genutzt – egal, ob am Ende nur „Alle meine Entchen“ oder eine Sonate von Chopin herauskommt.

Die Idee dazu hatten die beiden Studentinnen Mona Heiler und Lisa-Marie Trodtfeld aus Hildesheim. Heiler studiert Kulturvermittlung und entwickelte im Rahmen ihrer Masterarbeit das Projekt „KlaWir“. Es will Menschen über Musik zusammenbringen.
„Der Bahnhof schien uns einfach perfekt dafür, denn er ist ein öffentlicher Raum, rege frequentiert, und es treffen völlig unterschiedliche Leute aufeinander“, sagt Heiler. Bis Mitte November können Passanten jetzt sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag in die schwarzen und weißen Tasten greifen. „Auch blutige Anfänger“, betont Heiler. Für diese haben die 26-Jährige und ihre Kommilitonin eigens eine Mini-Komposition entwickelt, die sich ganz einfach per QR-Code einscannen und zu zweit oder alleine nachspielen lässt. „Man braucht dafür noch nicht einmal Noten lesen können. Und das Beste ist: Grundmelodie und Begleitung klingen im Zusammenspiel immer, egal wie gewagt die Interpretation ist“, macht Heiler Mut.
Nicht nur Cracks an das schwarzglänzende Instrument zu bekommen – das war den Studentinnen wichtig. Schließlich sollten sich auch Menschen, die sich sonst kein teures Yamaha-Klavier leisten können, einmal ans Piano setzen.
Das Konzept scheint aufzugehen: Schüler und Studenten, Muttis mit Kinderwagen oder rüstige Senioren nutzen die Wartezeit auf die nächste Bahn für eine kleine Probe. Und die Angst vor Randalierern war bislang völlig unbegründet: „Bislang hat das Klavier keinen einzigen Kratzer“, freut sich Heiler, die beim Bahnhofsmanagement mit ihrer Idee offene Türen einrannte.
Vor drei Jahren stand bereits schon einmal ein Klavier in der Bahnhofsvorhalle, damals in Kooperation mit einer Musikschule, „seither wurden wir immer wieder gefragt, ob wir die Aktion nicht noch einmal wiederholen könnten“, sagt Uwe Seel, Mitarbeiter des Bahnhofsmanagements, lachend. Unterstützt wird das Projekt von der DB-Marke Ihr Einkaufsbahnhof in Kooperation mit Yamaha und dem Musikhaus Schulte.
Ein Tipp: Immer dienstags und freitags zwischen 17 und 19 Uhr (außer an Tagen von Heimspielen der Eintracht) gibt es Mitmachkonzerte oder die Möglichkeit für Bands, Chöre und Orchester, die Probe mal in den Bahnhof zu verlegen. Am 5. September lädt die Band Combo Interactivo um 17 Uhr außerdem zu einem Extra-Mitmach-Konzert. Infos auch auf Facebook „KlaWir am Bahnhof Braunschweig“.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.