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Eine Stadt, zwei Sichtweisen

Einmal lächeln fürs Gruppenfoto: Im Projekt „Gesichter einer Stadt“ präsentieren zehn deutsche und fünf afghanische Jugendliche nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Blick auf die Stadt.

„Gesichter einer Stadt“: Kunstprojekt von deutschen und afghanischen Jugendlichen.

Von Birgit Leute, 12. April 2016.

Braunschweig. „Cheeeese“. Breites Grinsen in die Handykamera. Ausgelassenes Gelächter. Was aussieht wie ein gewöhnlicher Klassenausflug auf den Burgplatz ist mehr: Hier treffen gerade zwei Welten aufeinander. Das Kunstprojekt „Gesichter einer Stadt“ bringt erstmals Braunschweigische und afghanische Jugendliche zusammen. Wohlbehütete Welt hier, nervenzehrende Fluchterfahrung dort.

Initiiert wurde das Projekt vom Braunschweigischen Landesmuseum, das damit gleichzeitig Neuland betritt. „Normalerweise organisieren wir unsere Ausstellung selbst, hier geben wir alles aus der Hand“, beschreibt Direktorin Dr. Heike Pöppelmann die neue Herausforderung.
In „Gesichter einer Stadt“ stellen zehn deutsche und fünf afghanische Jugendliche ihre Sicht auf Braunschweig dar – für die einen Heimat, für die anderen ein Neuanfang. Idee, Motive, Medien bestimmen die Jugendlichen selbst, am Ende wird eine Ausstellung entstehen, die ab August im Landesmuseum zu sehen ist.
Bereits die ersten Bilder waren für die Organisatoren eine Überraschung. „Hundertmal habe ich das Rathaus schon gesehen, doch auf dem Foto eines afghanisches Jugendlichen wirkte es vollkommen anders. Ich fühlte mich fast nach Frankreich versetzt“, erzählt Filmemacher Michael Skolik, der das Projekt mit dem Sozialarbeiter Michael Roos, der Kulturanthropologin Edda Meyer und dem Museumspädagogen Torsten Poschmann fachlich begleitet.
Der Austausch zwischen den 14- bis 18-Jährigen klappt überraschend gut. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns ähnlich sind und tauschen uns inzwischen regelmäßig über WhatsApp aus“, ist die 17-jährige Heinrike von der Zusammenarbeit begeistert.
Auch Hamid, der annimmt, dass er 17 Jahre alt ist (es gibt in Afghanistan keine Geburtsurkunden) und vor einem halben Jahr aus der Provinz Daikundi ohne seine Familie in die Löwenstadt kam, fühlt sich wohl. „Eine schöne Stadt, schöne Häuser und die Menschen sind sehr nett zu uns“, sagt er.
Ein bisschen Deutsch kann inzwischen jeder von ihnen, der Kontakt zu Gleichaltrigen hat für einen enormen Schub gesorgt. „Die haben total schnell gelernt“, bestätigt die 18-jährige Nele und umreißt damit gleich das zweite Ziel von „Gesichter einer Stadt“: Brücken zu bauen zwischen Jugendlichen, die sich vor einem Vierteljahr noch vollkommen fremd waren, dem Flüchtlingsstrom ein Gesicht zu geben, die Fremden zu integrieren. „Ich kannte die Flüchtlinge bislang nur aus dem Fernsehen, aber ihr Schicksal einmal direkt zu erleben – krass, echt krass“, sagt Nele ernst.
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