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Eine Olympiade, um die Lust an Physik und Chemie zu wecken

Alla Kazakewitsch unterstützt osteuropäische Jugendliche auf dem Weg in die Zukunft

Von Annette Heinze, 21.02.2010

Braunschweig. Auf dem Regal steht ein zweiarmiger Leuchter. Die Kerzen brennen zu Beginn des Shabbat – freitags bei Sonnenuntergang. Er ist ein kleines Symbol für den jüdischen Glauben. Diese Tradition versucht Alla Kazakewitsch nicht nur bei den eigenen beiden Kindern wachzuhalten.

Die gebürtige Weißrussin zählt zu den Gründern des Alexander-David-Zentrums. Der Verein kümmert sich insbesondere um die Integration osteuropäischer Kinder und Jugendlicher (nB berichtete). Den jungen Auswanderern werden unter anderem Elemente der Heimatkultur vermittelt, das mache sie stark und weniger angreifbar, sagt Alla Kazakewitsch. Sie engagiert sich auch im Integrationsausschuss der Stadt.
2003 kam die 31-Jährige als jüdische Auswanderin mit ihrer Familie nach Deutschland und Braunschweig. „Wir stammen aus Minsk, 200 Kilometer von Tschernobyl entfernt“, erzählt Kazekewitsch. Die Umwelt in ihrer Heimat sei sehr belastet gewesen, der Sohn litt unter einer starken Allergie. Die ist inzwischen glücklicherweise geheilt.
Doch die junge Familie kam nicht nur deshalb nach Braunschweig: „Die Perspektiven waren begrenzt. Wir dachten, hier in Deutschland haben wir mehr Möglichkeiten, uns zu entwickeln und eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu haben.“
Diese Erwartungen haben sich bisher teilweise erfüllt. Beide Kinder wachsen zweisprachig auf – Deutsch sei die „erste“ Sprache, die die Kinder perfekt beherrschen, erzählt die Mutter. Alla Kazakewitschs Sohn (13) geht aufs Gymnasium.
Vor den größeren Hürden stehen wohl die Eltern: Alla Kazakewitschs Mann absolviert ein Zweitstudium, das Studium aus Weißrussland wurde nicht anerkannt. „Das haben wir nicht gewusst“, sagt die studierte Ingenieurin für Werkstofftechnik.
Noch in ihrer Heimat hatte sie drei Jahre in der Forschung gearbeitet, entwickelte spezielle Beschichtungen mittels Nano-Diamanten. Auch sie möchte nach der Familienphase beruflich Fuß fassen, würde gerne als wissenschaftliche Hilfskraft arbeiten. „Ich hatte viele Referenzen aus Weißrussland mitgebracht, wollte gleich weiter machen. Ich dachte, das wäre ganz einfach“, erzählt sie rückblickend. Eine Absage gab es bereits. Jetzt hält Alla Kazakewitsch Kontakt zu einer Hochschule in der Region. Sie gibt sich optimistisch: „Das bin ich sowieso – bis zur letzten Minute.“ Diese Haltung spiegele auch die Lebensphilosophie ihrer weißrussischen Heimat wider, sagt sie: „Dass man hart arbeiten muss, aktiv sein muss, um seine Ziele zu erreichen.“
Doch, ganz gleich was die Zukunft beruflich bringen mag – das Herz Alla Kazakewitschs schlägt auf jeden Fall für die Förderung der Kinder: „Sie brauchen Visionen – wozu es nützlich sein kann, sich anzustrengen, in der Schule gut zu sein.“
Sie selbst hat auch eine Vision: eine europaweite naturwissenschaftliche Olympiade zu organisieren. Die Grundidee strebt nicht nach Eliteförderung und klingt auch für deutsche Jugendliche ansprechend: Interesse und Zukunftspotenzial für die Naturwissenschaften zu wecken.

Fakten

Name: Alla Kazakewitsch
Alter: 31
Familie: verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Ingenieurin für Werkstofftechnik
Typisch deutsch: langfristig zu planen
Typisch weißrussisch: hart für seine Ziele zu arbeiten
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