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Ein Zuhause auf Zeit, aber kein Elternersatz

Die Remenhof-Stiftung bietet das gesamte Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe an.

Von Martina Jurk, 25.12.2011.

Braunschweig. „Wenn du nicht artig bist, kommst du ins Heim!“ Eine Drohung. Eine Strafe. Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche aus der Gesellschaft auszuschließen und „wegzusperren“, war vor Jahrzehnten die Praxis. Heute ist das anders, wie das Beispiel der Remenhof-Stiftung zeigt.

Es gibt Probleme, die können die Heranwachsenden aus der Bahn werfen: wirtschaftliche Schieflage der Eltern, Trennung der Eltern, fehlender Ausbildungsplatz. „Wenn Strukturen wegbrechen, kommen Kinder damit oft nicht klar. Diese Strukturen versuchen wir wieder zu schaffen“, sagt Kathrin Binnewies, stellvertretende Leiterin der Einrichtung.
Der Gebäudekomplex hat ein markantes Gesicht. In den Fachwerkhäusern auf der gepflegten Anlage an der Berliner Heerstraße wohnen insgesamt 65 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren, die von mehr als 100 Erziehern und Sozialpädagogen betreut werden. „Wir wollen, dass sie schnellstmöglich wieder in ihre Familien zurück können. Viele Eltern sind dankbar für unsere Unterstützung, für Tipps und Hilfen, ihren Alltag besser meistern zu können und sind bereit, daran mitzuarbeiten“, so Binnewies. Für einige der Kinder und Jugendlichen bliebe der Remenhof allerdings ihr neues Zuhause, weil klar sei, dass sie nicht mehr in ihre Familien zurück können.
Im Laufe von mehr als 100 Jahren hat sich die Einrichtung zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen in der Kinder- und Jugendhilfe entwickelt. Das Angebot der Hilfestellungen ist breit gefächert. Es reicht von ambulanten Hilfen über stationäre Wohngruppen, teilstationäre Tagesgruppen bis zur Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung. Neben der Remenhof-Stiftung gibt es in Braunschweig noch zirka 20 weitere Einrichtungen, die das Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe anbieten.
„Der Unterschied zu früher ist, dass sich heute Kinder und Jugendliche selbst in Obhut nehmen lassen können. Die Nachfrage nach Inobhutnahme ist momentan sehr hoch“, betont Kathrin Binnewies. Für 80 Kinder und Jugendliche ist der Remenhof ihr Zuhause auf Zeit oder aber auch solange, bis sie selbstständig in eine eigene Wohnung ziehen können. In jeder Wohngruppe leben zehn Kinder, um die sich jeweils fünf Betreuer kümmern. Für Strukturen sorgt ein fester Tagesablauf: gemeinsames Frühstück, Schule, gemeinsames Mittagessen, feste Hausaufgabenzeiten, die Erledigung von Diensten und Pflichten wie Zimmer aufräumen, Wäsche waschen, lernen, mit Geld umzugehen. „Wir versuchen auch, die Kinder an Vereine anzubinden“, sagt Binnewies. Die Einrichtung biete Freizeitmöglichkeiten wie Reiten, Werken, Spielen, die Nutzung von Ferienangeboten. Auch ein Garten und ein Musikkeller stünden den Bewohnern zur Verfügung. „Die Kinder und Jugendlichen leben hier in einer materiellen Komfortzone, aber ohne ihre Eltern. Die meisten würden auf vieles verzichten, wenn sie bei ihren Eltern sein könnten“, weiß die stellvertretende Leiterin.
Die Einrichtung gehört als öffentlich-rechtliche Stiftung dem Land Niedersachsen, das dafür keine finanzielle Unterstützung gibt. Sie finanziert sich über das, was für die operativen Leistungen eingenommen wird. Darüber trifft der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Familie Vereinbarungen mit der Remenhof-Stiftung. Mit Spendengeldern ist es möglich, Investitionen, die im Haushalt nicht vorgesehen sind, zu realisieren, wie beispielsweise Spielgeräte, Ferienfreizeiten oder Nachhilfen.
Mit dem Heim-Image hat der Remenhof auch heute immer noch zu kämpfen. „Aktionen wie der Weihnachtswunschbaum beteiligen die Öffentlichkeit an unserer Arbeit und tragen dazu bei, dass sich das Image ändert“, ist Kathrin Binnewies überzeugt. Der Wunschbaum wird organisiert vom Arbeitsausschuss Innenstadt.
Der Baum mit den Wunschzetteln der Remenhof-Kinder wird einen Tag lang in der Innenstadt aufgestellt. Die Wünsche werden von Braunschweigern anonym erfüllt.
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