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Ein wasserscheuer Elefant im Bad

Den Wasserschlauch, den Alois Spindler Sabi reicht, legt sie lieber wieder zur Seite. Sabi ist mit 30 Jahren die jüngste und kleinste in der afrikanischen Elefantengruppe. Foto: Korth

Elefant Sabi besuchte am Donnerstag die Wasserwelt – nur schwimmen ging sie nicht.

Von Marion Korth, 16. Juni 2017.

Braunschweig. Eine Einladung unter Nachbarn, zum Sichkennenlernen und vielleicht sogar Beschnuppern. Auch wenn diese Nachbarschaft schon am 25. Juni wieder endet und der Zirkus Voyage seine Zelte am Schützenplatz abbricht und sich – der Name sagt es – wieder auf die Reise macht. Bevor es so weit ist, kam Zirkusdirektor und Tierlehrer Alois Spindler gern nebenan in der Wasserwelt vorbei, Elefantendame Sabi „bei Fuß“.

Für sie war der Weg das Ziel, denn: „Sabi ist ein bisschen wasserscheu“, erzählte Tourneemanager Sascha Grodotzki später. Sabi nutzte also den kurzen Fußmarsch von ihrem Gehege auf das Freigelände der Wasserwelt, um die Brombeerhecke am Wegesrand auf ihre Art zurechtzustutzen. Mit ihrem Rüssel stopfte sie sich die langen Ranken mitsamt Stacheln und Blüten ins Maul. Schien zu schmecken. Alois Spindler stand daneben und schaute zu, bloß keine Eile, bloß keine Hektik. Wenig später hatte Sabi von allein genug, die Hand an ihrem Ohr führte sie Spindler weiter. Sabi folgte ihm wie selbstverständlich zum Außenpool der Saunalandschaft, wo sie sich ohne zu zögern gleich mehrere Rüssel voll Wasser genehmigte. „Das Wasser ist natürlich chlorfrei“, sagte Fabian Neubert von der Stadtbad GmbH, der die Marketingidee hatte, „sonst hätten wir keinen Elefanten eingeladen.“ Generell wäre auch nichts gegen ein Bad in dem Naturbecken einzuwenden gewesen, wäre da nicht die Dichtungsfolie, deren Reißfestigkeit möglicherweise nicht auf Elefantengewicht ausgelegt ist. Darauf wollte es Neubert lieber nicht ankommen lassen, dass während der augenblicklichen, routinemäßigen Wartungsarbeiten – das Bad an der Hamburger Straße ist deshalb noch bis Montag geschlossen – nun auch noch das Außenbecken repariert werden muss. Es machte also Sinn, ausgerechnet einen wasserscheuen Elefanten mitzubringen. „Die anderen wären wahrscheinlich gleich ins Wasser gegangen und so einen afrikanischen Elefanten hält man auch nicht so leicht davor zurück“, sagte Spindler.
Auch Sabi hat ihren eigenen Kopf: Die für sie vorgesehene Dusche aus dem dicken Schlauch verkürzt sie, nimmt den Schlauch mit ihrem Rüssel und legt ihn auf dem Rasen ab, um nicht nass zu werden.
Die Werbung fürs Gastspiel in Braunschweig, das am Donnerstag begann, kommt dem Zirkus Voyage gerade recht, aber das ist nicht alles. „Das ist eine schöne Abwechslung“, sagte Grodotzki. Die intelligenten Tiere müssten ständig beschäftigt werden, weshalb auch ihr Freilaufgehege immer wieder umgestaltet werde, um neue Anreize bieten zu können.

„Bei uns gibt es keinen Elefantenkopfstand“

Die Kritik reist immer mit – Der Zirkus Voyage nimmt Stellung zu Vorwürfen von Tierrechtlern.
Braunschweig (mak). Bis zum 25. Juni gastiert der Zirkus Voyage mit seinem Programm „Zirkus unter Wasser“ auf dem Schützenplatz. Es sind vor allem die spektakulären Artistennummern, die diesmal im Mittelpunkt stehen, aber auch Großtiere wie Elefanten, Giraffen oder ein Flusspferd reisen mit. „Giraffen sind in einem reisenden Zirkus nicht annähernd tiergerecht unterzubringen, geschweige denn mit straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften regelkonform zu transportieren“ kritisiert etwa Beate Gries, Sprecherin der Initiative Stadttiere. Auch vonseiten der Tierrechtsorganisation Peta wird seit Jahren gegen die Haltung von Wildtieren protestiert. Hier in Auszügen die Stellungnahme des Zirkus Voyage dazu.
Kontrollen: „Unseren Tieren geht es gut. Nahezu an jedem Standort werden die Haltungsbedingungen, der Gesundheits- und Ernährungszustand als auch die Transportbedingungen der Zirkustiere durch lokale Amtsveterinäre geprüft. Entsprechend auch beim Zirkus Voyage. Die letzten Kontrollen fanden hier in Lehrte und in Salzgitter durch die lokalen Amtsveterinäre statt. Bei beiden Kontrollen gab es keine Beanstandungen.“
Haltung: „Im Zirkus Voyage werden Tiere unterschiedlichster Arten bis ins hohe Alter gepflegt, versorgt und artgerecht beschäftigt. Zirkustiere werden keine Opfer von habgierigen Wilderern oder landen gar auf dem Teller. Die meist von Tierrechtlern angepriesene freie Wildbahn ist leider noch heute ein Grauen für die Artgenossen der Zirkustiere.“
Dressur: „Bei uns gibt es keinen Elefantenkopfstand, aber Elefantenfußball, weil ein Elefant so gern mit Bällen spielt“, sagt Sascha Grodotzki. In der Manege werde nur natürliches Verhalten, das die Tiere von sich aus anbieten, gezeigt – dies auf Kommando. Gelernt werde durch Belohnung, nicht durch Gewalt. „Bei der Dressur bauen wir auf den Spieltrieb und die Neugier der Tiere.“
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7 Kommentare
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Elisa Gallus aus Südstadt-Rautheim-Mascherode | 17.06.2017 | 12:33  
24
Randall Skeffington aus Braunschweig - Innenstadt | 17.06.2017 | 20:30  
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Helga Baum aus Braunschweig - Innenstadt | 17.06.2017 | 20:55  
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S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 18.06.2017 | 13:53  
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Verena Niemann aus Braunschweig - Innenstadt | 18.06.2017 | 19:03  
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Heike Dahlke aus Wolfenbüttel Stadt | 19.06.2017 | 12:21  
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Beate Gries aus Lehndorf-Watenbüttel | 22.06.2017 | 11:37  
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