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Ein Traum wurde Wirklichkeit

Der Türke Umut Turan studiert in Braunschweig – Er liebt die Natur und die kurzen Wege

Von Daniel Mau

Braunschweig. Zum Interview mit der nB kommt Umut Turan mit dem Rad. Na klar, wie sonst? Das Café liegt im Univiertel und Turan ist Student. Der junge Türke liebt die kurzen Wege Braunschweigs. In seiner Heimatstadt Istanbul braucht er schon mal Stunden für wenige Kilometer.

Die Überschaubarkeit und die viele Natur im Stadtgebiet sind für den 23-Jährigen ein großes Plus der Löwenstadt. „Die zahlreichen Grünflächen finde ich einfach super. In Istanbul gibt es kaum Bäume und Parks – nur Beton“, sagt Turan.
Auch der Straßenverkehr hat in der Millionen-Metropole am Bosporus ganz andere Dimensionen. „Mit dem Flugzeug von Deutschland nach Istanbul brauche ich zwei Stunden, aber wenn ich in der Stadt von der europäischen auf die asiatische Seite will, stand ich schon häufiger fünf Stunden im Stau“, sagt Turan, der an Deutschland allgemein die gute Infrastruktur schätzt.
Seit fünfeinhalb Jahren studiert der Türke Informatik an der Technischen Universität (TU). Für das Studium verließ er seine Heimat. Erst 18 Jahre war Turan alt, als er im Flieger nach Deutschland saß. Einmal war er vorher bei seinem Bruder, der in Hildesheim studierte, zu Besuch gewesen.
Angst? Unsicherheit? „Nein“, sagt Turan mit einem Blick, der die Glaubwürdigkeit seiner Aussage unterstreicht. „Es war mein Traum, im Ausland zu studieren, und ich wollte eine fremde Sprache richtig sprechen können“, sagt der Türke.
Beide Wünsche gingen in Erfüllung. Turan spricht mit Akzent, und manchmal dauert es ein paar Augenblicke, bis ihm die richtigen Worte einfallen, ansonsten ist sein Deutsch fließend und fehlerfrei.
Die ersten Monate in Braunschweig bestanden vor allem aus Lernen. „Erst habe ich fünf Monate lang einen Deutschkurs besucht und dann ging die Uni los“, erinnert sich Turan. Dort war es für ihn am Anfang doppelt schwer. Von Programmieren hatte der Student wenig Ahnung, und die fremde Sprache machte es nicht besser. „Ich habe im ersten Semester alle Aufgaben nur mit Hilfe eines Wörterbuches gelöst. Das hat natürlich gedauert. Sechs bis sieben Stunden am Tag habe ich neben den Vorlesungen gelernt und Hausaufgaben erledigt“, sagt Turan. Freizeit? Fehlanzeige.
Das Verhältnis von Arbeit und Freizeit hat sich inzwischen verschoben. Sein Studium will Turan in einem Jahr abgeschlossen haben, und inzwischen ist er auch privat in Braunschweig vollständig angekommen. „Ich fühle mich hier richtig wohl, habe einen großen Freundeskreis.“
Je besser seine Deutschkenntnisse, desto intensiver wurden auch die Kontakte. Und die sind weder nur türkisch noch nur deutsch, sondern international. Mit anderen Studenten gründete Turan einen Verein. Das International Student Network – kurz ISN. Es soll jungen Menschen, die aus anderen Ländern an die TU zum Studieren kommen, das Einleben erleichtern. „Wir gehen zusammen ins Theater, machen Ausflüge und Exkursionen“, erklärt Turan.
Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer der Start in einem fremden Land sein kann. Deshalb ist er gerne der Vorsitzende vom ISN. „Wir wollen den Austausch von unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen fördern. Dabei werden wir auch bestens vom International Office der TU unterstützt.“
Die Deutschen erlebte der angehende Diplom-Informatiker in den vergangenen fünfeinhalb Jahren als ein reserviertes aber letztlich freundliches Völkchen. „Die meisten Deutschen sind sehr offen, aber bevor man richtig mit ihnen befreundet ist, dauert das seine Zeit“, meint Turan. Wirklich negative Erfahrungen hat er kaum gemacht. „Es gab ein, zwei Situationen, in denen ich mit Vorurteilen konfrontiert wurde. Das waren aber Ausnahmen.“
Wegen des positiven Gesamteindrucks kann er sich auch vorstellen, nach dem Ende seines Studiums in Deutschland zu bleiben. „Mein Herz ist gespalten. Die Türkei ist meine Heimat, aber mit Deutschland und speziell Braunschweig verbinde ich so viele schöne Erinnerungen“, sagt Turan.
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