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Ein Stück Heimat zurückgeben

Gemeinsam fertigen Flüchtlinge und Helfer das eritreische Instrument, die Krar, an (v.l.): Samson, Hans Kniejski (Sandberg Guitars), Sabine Linhardt, Mogos, Holger Stonjek (Sandberg Guitars). Fotos: T.A.
 
Fleißig bei der Arbeit: Mogos

Braunschweiger Unternehmen fertigt mit Flüchtlingen Instrumente aus Eritrea an.

Von Ann-Kathrin Ewald, 13.08.2016.

Braunschweig. Für die zwei aus Eritrea stammenden Flüchtlinge Samson und Mogos geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung: In einer kleinen Werkstatt am östlichen Stadtrand bekommen sie die Möglichkeit, das Nationalinstrument ihrer Heimat – die Krar – zu bauen. Seit Anfang der Woche schnitzen, hobeln und schleifen die beiden 19-Jährigen unter der fachlicher Anleitung professioneller Instrumentenbauer.

„Der Wunsch, wieder selbst einmal ein solches Zupfinstrument zu besitzen, kam von den Flüchtlingen selbst“, erinnert sich Sabine Linhardt, ehrenamtliche Betreuerin der Geflüchteten. In ihrer Heimat hätten die Jugendlichen ihre eigene Krar besessen, in Deutschland müssten sie sich dagegen ein einziges Instrument mit zwei anderen Flüchtlingen teilen, so Linhardt. Ein Zustand, den die Diplom-Pädagogin ändert wollte.

Mit Begeisterung dabei

Mit Bauplänen und der Hoffnung, den Flüchtlingen durch die Musikinstrumente ein kleines Stück Heimat zurückgeben zu können, wandte sich Linhardt an die Firma Sandberg Guitars.
Und dann die Überraschung: Ohne zu zögern sagte Inhaber Holger Stonjek zu. „Wir studierten die Baupläne der Krars. Tischler Hans Kniejski und ich beschafften das Material, und es konnte losgehen. Gut, dass die Krar ein Saiteninstrument ist, damit kennen wir uns hier ja aus“, blickt Stonjek, dessen Firma sonst akustische und elektrische Gitarren fertigt, zurück. Dass die Instrumentenbauer so unkompliziert und selbstlos helfen wollten, begeistert Linhardt. „Die Profis opfern ihre Zeit und stellen das Material. Noch glücklicher als ich sind allerdings Samson und Mogos, die seit Dienstag jeden Nachmittag an ihren Krars basteln können“, freut sich Linhardt. Besonders bemerkenswert: Da die beiden anderen Flüchtlinge nicht an dem Projekt teilnehmen können, bauen Samson und Mogos einfach eine zusätzliche Krar mit.

Musik verbindet

„So ist einfach ihre Mentalität“, erläutert Linhardt. Und Samson fügt hinzu: „Bei uns zu Hause ist das so: Jeder hilft jedem. Egal, ob Verwandter, Freund oder Nachbar: Wenn du etwas übrig hast, das ein anderer braucht, dann teilst du.“ Auf die Nachfrage, wie seine Krar nach Fertigstellung aussehen solle, zeigt Samson stolz ein Foto auf seinem Handy. „Eine Rote mit vielen Details wäre mein Traum“, sagt der 19-Jährige.

Einen weiteren Traum haben er und Mogos außerdem: Sie würden gerne andere Musikern treffen und gemeinsam musizieren. „Das ist ein schöner Gedanke“, findet auch Stonjek. Er ist überzeugt, dass weitere Projekte, die Flüchtlingen den Zugang zu Instrumenten und Musik ermöglichen, erfolgreich wären, denn: „Musik verbindet!“ Auch Linhardt würde sich über weitere Projekte freuen: „Es wäre toll, wenn Musiker, die einen Probenraum haben und mit den Jungs musizieren wollen, mit uns Kontakt aufnähmen. Da könnten wir sicher wieder etwas Tolles auf die Beine stellen.“ Wer Interesse hat, kann sich gerne bei Linhardt unter der
E-Mail-Adresse SLinhardt@t-online.de melden.
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