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Ein Löwe und die Leichtigkeit des Seins

„Braunschweig ist die beste Wahl“, sagt Bernd Schroers und schwärmt von den vielen schönen Parks in der Innenstadt. Der Löwenwall ist einer seiner Lieblingsorte. Foto: T.A.
 
Bernd Schroers. Foto: T.A.

Bernd Schroers: Werbeprofi mit deutschen Vorfahren und chilenischen Wurzeln.

Von Marion Korth, 23.04.2016.

Braunschweig. Vom Hagenmarkt in die Atacamawüste ist es nur ein Sprung. In Worten und Gesten breitet Bernd Schroers sie vor uns aus, nimmt uns mit in die Millionenmetropole Santiago, weiter zu den Steilküsten, hinein in die chilenische Schweiz, bis in antarktische Gefilde.

In Chile ist er zur Welt gekommen, sein Herz schlägt für sein Heimatland, aber Braunschweig ist ein ebenso besonderer Ort, für den sich der werbliche und ehrenamtliche Einsatz lohnt.

Immer neue Ideen

„Mitzuwirken“, das ist für den Werbeprofi Schroers kein strapaziertes Wort, sondern eine Verpflichtung. „Verantwortung zu übernehmen, ist ein roter Faden in meinem Leben“, erklärt er. Meckern kann schließlich jeder. Er verändert lieber, braucht nur aus dem Bürofenster an der Casparistraße zu schauen, dann hat er schon wieder Ideen, wie etwas anders und vor allem besser gemacht werden könnte. Dem Hagenmarkt fehlt es beispielsweise an Strahlkraft, der imposante Brunnen kann nicht seine ganze Wirkung entfalten. Und die grauen Stelen, die auf Sehenswürdigkeiten in der Stadt hinweisen, sind ihm „zu statisch“. In einer Stadt der Wissenschaft und Technik müsste da mal dringend digital nachgerüstet werden. Und dann die moderne Kunst, die kommt ihm auch ein bisschen zu kurz, und er erinnert an die lebensgroßen Lechner-Figuren, die die Braunschweiger sofort in ihr Herz geschlossen hatten. Solchen spielerischen Umgang mit dem Stadtraum liebt er, findet es klasse, wenn private Initiative sich auf solche Weise und zum Wohl aller entfaltet.

Auch deshalb engagiert er sich im Vorstand des Arbeitsausschusses Innenstadt. Bedenken, Sorgen, Einwände – alle mögen berechtigt sein, aber: „Man muss doch erst einmal wollen.“ Ja, manchmal vermisst der deutschstämmige Chilene mit der doppelten Staatsangehörigkeit eine gewisse Leichtigkeit, an Dinge heranzugehen. „Man sollte die Vorhaben nicht von vornherein kaputtreden“, meint er. Die Erfahrung zeige, dass sich manche Befürchtungen sowieso in Luft auflösen. Noch aus einem anderen Grund ist eine gewisse Leichtigkeit angezeigt: „Das Leben ist zu schön, um von morgens bis abends ernst zu sein.“ Arbeiten und genießen, das geht für ihn durchaus zusammen. Schon zu Studentenzeiten, als er mit anderen den legendären Ball der Nationen an der TU in Braunschweig organisierte und nebenbei auch noch die Sangria für das rauschende Fest ansetzte – gefährlich, schließlich musste zuvor gekostet werden …

Arbeiten, um zu leben

Überspitzt formuliert würden die Deutschen leben, um zu arbeiten, und die Chilenen arbeiten, um zu leben. Dass es bei ihnen oft ums Überleben geht, ist Schroers bewusst. Geld allein ist nicht der Schlüssel zum Glück, auch nicht zu Gesundheit, „aber es kann vieles glätten“. Zu große Unterschiede zwischen Arm und Reich würden ein Land hingegen anfällig machen – für Wirtschafts- und politische Krisen, für extreme Positionen. Was das bedeutet, hat er selbst erfahren. Mit Beginn der 1970er-Jahre wurden die Zeiten in Chile zusehends unruhig. Den Putsch, mit dem das Militär Präsident Salvador Allende 1973 stürzte, erlebte er bereits aus der Ferne. Zum Jahreswechsel 1972/73 war er nach Deutschland – die Heimat seiner Vorfahren – gekommen. Bei 40 Grad im chilenischen Sommer ins Flugzeug gestiegen und bei minus 20 Grad im europäischen Winter angekommen – ein Schock. Alte Freundschaften und glückliche Fügungen halfen, sich zu akklimatisieren. Schroers hatte in Chile die deutsche Schule besucht, ein Architekturstudium begonnen, nun jobbte er bei IBM in Stuttgart im Drei-Schicht-Betrieb, um Geld zu verdienen.

Post aus Braunschweig

Nebenher arbeitete er in einem Architekturbüro in Süddeutschland mit erstklassigen Aufträgen. Dort hätte er bleiben und aufsteigen können, wäre da nicht eines Tages dieser dicke Umschlag aus Braunschweig in seinem Postkasten gewesen. Schroers hatte ihn, seinen Studienplatz für Architektur. „Am Abend habe ich im Atlas nachgeschaut, wo Braunschweig liegt“, sagt er. Zum Wintersemester 1975 schrieb er sich an der TU Braunschweig ein.

Von da an ebnete ihm der Löwe in der Löwenstadt den Weg. Mit seinem Freund Wolfgang Nevermann gelang ihm als Student Anfang der 1980er Jahre mit dem Entwurf des „Schmunzel-Löwen“ der große Wurf, der Wechsel ins Gestalterische war perfekt und Braunschweig hatte endlich eine „Sympathiefigur“ in Aufkleberform. Das war der Anfang, Dufttelegramme für die Post, großangelegte Exposés für Immobilien, als nach der Wiedervereinigung Goldgräberstimmung ausgebrochen war. Privat fand er sein Glück und lernte durch seine Arbeit Susanne Renter, deren Einrichtungshaus für moderne Wohnkultur steht, kennen und lieben.

Über ihrem Geschäft liegt jetzt sein Büro: Casparistraße 7. 20 Angestellte hatte Schroers zu Spitzenzeiten. Heute sind es fünf und seine Agentur ist damit immer noch groß. „Unser Geld verdienen wir auch mit hochwertigen Konzepten für Orientierungs- und Leitsysteme“, sagt Schroers. Die Raumgestaltung des Quadriga-Treppenhauses war ein herausragendes Projekt, und die aktuellen Aufträge sind ebenfalls Traum: Ein Leitsystem fürs Magniviertel und das Städtische Museum am Löwenwall wurde entwickelt, jetzt soll ein Gesamtkonzept für einen Braunschweiger Stadtteil folgen – beides zur Steigerung der Aufenthaltsqualität.

Ja, Braunschweig ist seine Stadt, die Liebe zu Chile bleibt. Aber Schroers ist nachdenklich: „Ich weiß nicht, ob ich noch in Chile leben könnte.“ Sicherheit und Verlässlichkeit möchte er nicht missen. Und ein Pisco Sour, ein Cocktail, wie er in Chile gern getrunken wird, schmeckt schließlich auch hier: hochprozentiges Weindestillat gemischt mit Limettensaft, Zuckersirup und Eis, gekrönt von feinstem Eiweißschaum. Salud!
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