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Ein Knacken, dann steht er, der Kontakt ins All

Verkehrte Welt: Die Internationale Raumstation ISS fliegt in mehr als 400 Kilometer Höhe und mit 28 000 Kilometern in der Stunde rund um die Erde. Als Bordingenieur ist der Deutsche Alexander Gerst bis November an Bord. Foto: NASA
 
Das Zeitfenster für den Funkkontakt ist eng, deshalb gab es vorher eine General- und Sprechprobe mit den Schülern. Foto: DLR

DLR stellte am Freitag direkten Funkkontakt zur ISS her – Schüler fragten, Astronaut Alexander Gerst antwortete – Ein Erlebnis in Echtzeit.

Von Marion Korth, 13.07.2014.

Braunschweig. Alle warten, alle sind gespannt. Mehr als 100 Schüler auf Horchposten im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. „¨… Delta, Lima, Rodeo …“ rattert Niels-Holger Siegmund zum wiederholten Mal die kryptischen Funkkennungen ins Mikrofon. Ein Knacken und, ja, da ist sie: die Rückmeldung aus der Internationalen Raumstation ISS.

Das School Lab des DLR macht ihn möglich, den direkten Funkkontakt ins All. Eine Gemeinschaftsleistung eigener Fachleute und begeisterter Amateurfunker, die die Anlage für den großen Tag umgebaut haben, die jetzt hinter den Mikrofonen sitzen, die Antenne nach dem Kurs der Raumstation ausrichten.
Auf einer Bildprojektion ist die ISS als Punkt zu sehen, wie sie in mehr als 400 Kilometern Höhe über Südamerika fliegt und sich dann erstaunlich schnell Europa nähert.
Noch ist Alexander Gerst da oben in weiter Ferne, aber auf der Erde steht Dr. Reinhold Ewald, früher selbst Kosmonaut an Bord der MIR, und kommentiert spontan, dass dies der schönste Überflug sei. „Die Bahamas, das Wasser in allen Türkistönen, Kuba, die Schweinebucht – es ist phantastisch.“ Aber sobald es auf Europa zugeht, werde es an Bord hektisch, dann müssten alle an ihre Funkgeräte, erläutert Ewald.
Sechs Minuten, sieben, vielleicht noch ein bisschen länger wird die ISS per Funk von Braunschweig aus erreichbar sein. Nicht viel Zeit für langes Geplänkel, die Schüler sind vorbereitet, genau 19 Fragen haben sie ausgearbeitet, die von ESA und NASA geprüft und genehmigt worden sind.
Nacheinander kommen die Schüler an die Reihe. Alexander Gerst antwortet kurz und präzise: „Das Schönste ist der Blick aus dem Fenster“, sagt er, berichtet darüber, dass Feuer in der Schwerelosigkeit sogar besser brennt als auf der Erde. Aber nur so lange, wie die Flamme einem Luftzug ausgesetzt ist. Wenn nicht, dann erlischt sie. Kristopher fragt, was der Astronaut unmittelbar vor dem Abflug ins All gedacht hat. Gerst: „Da sind wir alle sehr angespannt. Ich habe überlegt, welchen Knopf ich jetzt drücken muss und welchen lieber nicht …“ Patricia hatte eigentlich wissen wollen, wie es sich anfühlt, an der Raumkrankheit zu leiden, aber Gersts Antwort versinkt im Rauschen. „Sieben Minuten 50 Sekunden, dann bricht die Verbindung endgültig ab. „Aber unseren Beifall, den hat er noch gehört“, sagt Niels-Holger Siegmund und sieht glücklich aus dabei. Nein, die Funker mussten kein Überlebenstraining wie Gerst über sich ergehen lassen, wurden nicht ohne Essen im Wald ausgesetzt, mussten nicht eineinhalb Tage allein auf sich gestellt auf dem Wasser dümpeln. Aber die Vorbereitung war trotzdem immens. Deshalb sind jetzt alle so froh, dass es so gut geklappt hat. „Wir wollten eigentlich die Schüler begeistern und sind jetzt selbst begeistert“, sagt Schullaborleiter Frank Fischer. Das Interesse für die Raumfahrt zu wecken, das war der Sinn der Aktion Ufo („Unser Funkkontakt in den Orbit“).
In den Kreisen der Funkamateure hatte sich blitzschnell verbreitet, dass die Braunschweiger einen „direkten Draht nach oben“ haben, viele wollten sich dazwischendrängeln, aber es blieb bei wenigen Störattacken. Siegmund ist sich trotzdem sicher, „da haben bestimmt mehrere Hundert, wenn nicht wenige Tausend Funker mitgehört“.
Ach ja, die Funkanlage bleibt auf Standby geschaltet, in 90 Minuten kommt Gerst schließlich wieder vorbei …
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