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Ein Jahr verändert das Leben

Die rumänische Austauschschülerin Roxana Dumitru wurde in Braunschweig Vegetarierin.

15.08.2010

Braunschweig (ht). Braunschweig? Wo liegt das eigentlich? „Nachdem ich die Nachricht bekommen hatte, habe ich schnell im Internet geguckt, ob es ein Dorf oder eine Stadt ist“, erzählt Roxana Dumitru. Die Austauschschülerin aus Rumänien hatte Glück. Eine Stadt.

Groß auswählen konnte sie nicht. Das machte Gastfamilie Goltermann, die sich für die 17-Jährige entschied. Roxana hatte vorher nur festgelegt, in welches Land sie gehen wollte.
Warum Deutschland? Das einzige Mal wirkt die sonst so forsche junge Frau verlegen. „Als ich 13 Jahre alt war, war ich verrückt nach Tokyo Hotel“, berichtet sie von ihrer Liebe zu der Band aus Magdeburg.
Anfangs sang die Gruppe deutsch. Das animierte Roxana, die Sprache zu lernen. Das Ergebnis ist beeindruckend. Hätte jeder solche autodidaktischen Fähigkeiten, müssten Lehrer um ihre Existenzberechtigung bangen. Auch jene der IGS Franzsches Feld, an der die Gastschülerin landete.
Denn die Schülerin verschlang Manns Buddenbrooks und verfolgte gebannt Goethes Faust im Staatstheater.
In Bukarest besucht Roxana eine Eliteschule, die sich nur die begabtesten Schüler herauspickt. „Dort habe ich nicht so viel Freizeit“, erzählt sie. Und auch sonst sei dort vieles anders. „Die schriftlichen Leistungen zählen dort mehr, hier das Mündliche. Das Fach Politik gibt es gar nicht. Und die Lehrer sind viel strenger. Hier sind sie offener für Meinungen und Argumente“, zählt sie einige der Unterschiede auf.
Offen für andere Überzeugungen zeigte sich auch die Gastschülerin. Sie wurde Vegetarierin. „Weil ich Tiere liebe und sie nicht mehr essen möchte“, begründet sie. In Rumänien sei ihr der Gedanke nie gekommen. Dort habe sie gedacht, ohne Fleisch nicht leben zu können.
Aber Gewohnheiten ändern sich. Auch bei der Wahl des Verkehrsmittels. Roxana lernte in Braunschweig Fahrrad zu fahren. „Zuerst dachte ich: Warum muss ich das lernen? Ich hatte total Angst“, erzählt sie. In Rumänien gebe es weder Radwege noch ein Umweltbewusstsein.
Auch das Schwimmen beherrscht sie inzwischen. Überhaupt kann man sagen: Das Jahr in Deutschland hat Roxanas Leben verändert.
Sie reiste umher, fand mit ihrer aufgeschlossenen Art viele Freunde in Braunschweig. Nur nicht die große Liebe. „Ich bin solo“, betont sie und lacht sich dabei ins Fäustchen. Die deutschen Jungs – sie sollen regelrecht Schlange gestanden haben.
Mittlerweile ist Roxana zurück in ihrer Heimat. Aber die Zeit in Braunschweig übertraf ihre Erwartungen bei Weitem. Sie möchte zurückkommen und hier Architektur studieren.
Ja, und das Livekonzert von Tokyo Hotel, das steht natürlich auch noch aus.
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