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Ein Eintrag bei Facebook macht noch keinen zum Gläubigen

Viel Einigkeit herrschte bei der Podiumsdiskussion über die Zukunft der Kirche.

Von Daniel Beutler, 25.01.2012.


Braunschweig. Diskurs ja, Disput nein. Bei der Podiumsdiskussion über die Zukunft der Kirche in den Räumen der Evangelische Studierenden- und Hochschulgemeinde (esg) der TU lagen die Teilnehmer auf einer Linie.

Die esg hatte zusammen mit der katholischen Hochschulgemeinde zur Diskussion eingeladen und präsentierte ein ökumenisch besetztes Podium. Neben Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig und Domkapitular Propst Martin Tenge aus Hannover, war mit Professor Doktor Jochen Litterst von der TU Braunschweig auch ein katholischer Laie dabei.
In den ersten 90 Minuten analysierten die drei die Probleme, die die Kirche derzeit hat – beziehungsweise in ihren Augen noch haben wird – und präsentierten die Lösungsansätze gleich mit. Einen Puffer, wie Litterst seine Rolle zwischen Hofer und Tenge beschrieb, brauchte es dabei nicht.
Die Frage der Identifikation machten die Kirchenvertreter als eines der Hauptprobleme aus. „Das hat nichts Zahlen zu tun, sondern das kommt von innen“, stellte Tenge fest.
Die Gemeinden seien oft zu „hochschwellig“. „Entweder man macht voll mit, dann ist man auch drin. Wer aber nur so halb oder gar nicht dabei ist, der ist komplett raus“, kritisierte Tenge ein antiquiertes Bild von Gemeinde, das noch immer vorherrsche. Dabei sei in Hannover die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen am stärksten vertreten. Aber die erreiche man so nicht. „Man kann nicht auf Facebook posten, und dann sind alle auf einmal gläubig“, sagte Tenge.
Man müsse in der Kommunikation mit den Menschen mit der Zeit gehen. Dafür brauche es zum Beispiel Identifikationsfiguren. „Ein Bischof ist nicht der Supertyp, bei dem alle sagen ‚Boah, so will ich auch sein!‘“, gestand der Domkapitular ein. Und so befand auch Hofer, dass es für die Kirche schwer sei, die Gesellschaft zu erreichen. „Es braucht Menschen, die christlich handeln und auch darüber reden“, forderte Hofer. Es dürfe nicht mehr als Peinlichkeit empfunden werden, über seinen Glauben zu sprechen.
Gleiche Ansichten vertrat auch Litterst, der am Institut für kondensierte Materie lehrt. „Die Kirche muss sich dynamisch anpassen, und die Menschen müssen mehr Wissen über ihre Religion haben“, sagte Litterst, der glaubt, die Kirche müsse sich „gesund schrumpfen“. Schrumpfen werde die Zahl der Mitglieder in jedem Fall, stimmten Hofer und Tenge zu. Daraus müsse man die richtigen Lehren ziehen, damit die Kirche in der Zukunft weiter eine wichtige Rolle spiele.
Darum ging es auch den gut 35 Besuchern, die im Anschluss ihre Fragen loswerden konnten und dabei besonders auf die Zukunft der Gemeinden eingingen.
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