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„Dunkles Kapitel unserer Geschichte“

Wollen den „Grauen Bus“ im nächsten Jahr gern in Braunschweig sehen (von links): Detlef Springmann (Lebenshilfe Braunschweig), Rüdiger Becker (Evangelische Stiftung Neuerkerode), Regina Blume und Ute Stockmann (Initiative „Grauer Bus für Braunschweig“), Oberbürgermeister Ulrich Markurth und die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Kintz. Foto: Ammerpohl

Das mobile Denkmal „Grauer Bus“ legte Montag einen Zwischenstopp auf dem Schlossplatz ein.

Von Christoph Matthies, 10.09.2014.

Braunschweig. Durch die „Euthanasie“-Aktion der Nazis wurden etwa 300 000 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Seit einer Woche erinnert eine Gedenkstätte in Berlin an die Opfer. Eine Initiative setzt sich nun dafür ein, dass ein mobiles Denkmal von Mai bis September 2015 auch auf dem Schlossplatz an das Unrecht erinnert.

Auf zwei Schwerlasttransportern standen die mächtigen Betonteile des „Grauen Busses“ am Montagmittag vor dem Schloss. Die integrative Band The Mix der Stiftung Neuerkerode begleitete die Stippvisite des mobilen Denkmals mit rockigen Klängen und bestätigte damit die Worte ihres Stiftungsdirektors in seinem Grußwort: „Heute haben Menschen mit Behinderung die Chance, ihre Kompetenzen in die Gesellschaft einzubringen.“

Das war leider nicht immer so. Im „Dritten Reich“ wurden behinderte und psychisch kranke Menschen als „unwertes Leben“ eingestuft, allein von Januar 1940 bis September 1941 wurden in der „Aktion T4“ 70 000 Anstaltsbewohner organisiert getötet. Als eine „Vorübung zum Holocaust“ bezeichnete Regina Blume von der Initiative „Grauer Bus für Braunschweig“ diesen industrialisierten Massenmord. Auch aus unserer Region, beispielsweise aus Neuerkerode, wurden Menschen mit den grauen Bussen in die Todesfabriken transportiert.

„Das Denkmal erinnert an die Opfer und ist ein sichtbares Zeichen unserer bleibenden Verantwortung“, sicherte Oberbürgermeister Ulrich Markurth der Initiative auf dem Schlossplatz seine Unterstützung zu. Die „Euthanasie“-Morde bezeichnete er als „eines der dunkelsten Kapitel auch unserer regionalen Geschichte“. Mit der Betonung der Menschenwürde habe das Grundgesetz eine passende Antwort auf die verbrecherische Weltanschauung der Nazis gefunden.

Ob das 70 Tonnen schwere Betondenkmal, das seit 2006 durch die Republik reist, um verdrängte Geschichte wieder sichtbar zu machen, tatsächlich von Mai bis September vor dem Schloss stehen wird, hängt auch davon ab, ob die benötigte Spendensumme von 30 000 Euro erreicht wird.
Spendenkonto: Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Stichwort: Grauer Bus, IBAN: DE07 2699 1066 6029 4850 00, BIC: GENODEF1WOB.
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