Anzeige

Die Strategin: Bettina Rothärmel spürt dem Zeitungsleser von morgen entgegen

Regionale Herkunft, Alter, Geschlecht: Die Marketingchefin im Braunschweiger Zeitungsverlag setzt für ihre Arbeit auf gemischte Teams.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 24.10.2010.

Braunschweig. „Endlich wieder im Norden – war einer meiner ersten Gedanken, als ich von Köln nach Braunschweig kam“, sagt Bettina Rothärmel. Und – „endlich Tageszeitung.“ Das Angebot, das strategische Marketing im Braunschweiger Zeitungsverlag zu übernehmen, kam der promovierten Betriebswirtin gerade recht. „Ich fühle mich hier sehr zu Hause.“

Zu Hause in der Stadt und zu Hause im Job. Nicht, dass alles einfach wäre, nein, aber einfach ist auch nicht ihr Ding – da wird ihr langweilig. Sie mag Herausforderungen, ihr kluger Kopf will beschäftigt sein.
Allein unter Männern – in den Tageszeitungsverlagen gibt es nur wenige weibliche Führungskräfte – das ist so eine Herausforderung, für die 43-Jährige genau das Richtige. Sie selbst ist in ihrer Karriere kaum mit Vorurteilen konfrontiert worden. „Die Medienbranche ist relativ modern und Frauen gegenüber grundsätzlich offen“, erzählt sie. Warum es dennoch so wenige weibliche Führungskräfte in Verlagen gibt? „Vermutlich ist es doch schwierig, Familie und hohe berufliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen“, vermutet sie.

Branche im Umbruch

Eine Hürde, die sie nicht nehmen musste, Bettina Rothärmel hat keine Kinder. Dennoch versucht die promovierte Betriebswirtin die Arbeit in ihrer Abteilung familienfreundlich zu gestalten, Frauen mit Kindern den Job möglich zu machen.
„Auch unsere Branche ist im Umbruch“, beschreibt die Marketingchefin eine schnelllebige, aufregende Zeit. Das kommt ihr entgegen. Wieder diese Suche nach anderen Wegen und kreativen Auftritten. „Strategische Neuausrichtung“ heißt das Leitmotiv, unter dem sie die Zukunft der Tageszeitung mitgestaltet.
Marktforschung ist eines der Instrumente, mit denen Bettina Rothärmel dem Zeitungskonsumenten von Morgen entgegenspürt. Was wollen die Menschen lesen? Wie werden sie lesen? Wie oft? Wie lange? Wo? Fragen, die Bettina Rothärmel beschäftigen. „Eins ist sicher“, sagt sie, „in zehn oder zwanzig Jahren wird die Medienwelt eine vollständig andere sein.“
Rund zehn Frauen und Männer gehören zu ihrem engsten Mitarbeiterkreis. Bettina Rothärmel setzt bewusst auf ein gemischtes Team – die jeweiligen Besonderheiten sollen sich ergänzen. „Ohne allzu sehr in Klischees zu denken, sehe ich durchaus unterschiedliche Arbeitsweisen“, sagt sie. Männer seien manchmal hierarchieorientierter, Frauen würden eher hinterfragen. Außerdem könnten viele Frauen besonders gut mit Komplexität umgehen. „Aber auch das Alter oder regionale Herkunft sind wichtig für gemischte Teams“, fügt sie an. Vielfalt, die sie fördert und nutzt.

Herz der Leser
Unter ihrer Leitung entwickelt das Team die Marke – das Erscheinungsbild. „Und das muss stimmig sein“, erklärt sie, „ein Auftritt mit klarer Aussage ist wichtig, wir wollen die Menschen erreichen, ihre Herzen und ihre Köpfe.“ Denn letztlich geht es um Abonnenten. „Der Erfolg der Tageszeitung misst sich an den Lesern“, sagt Rothärmel und beschreibt aufwändige Aktionen, mit denen vor allem jungen Menschen das Medium Zeitung näher gebracht werden soll.
„‘Der große Schultest’ ist da ein gutes Beispiel“, sagt Rothärmel. Die Idee kam aus der Redaktion, die Marketingchefin hat sie gleich aufgegriffen, abgewogen, breiter aufgestellt, Werbung, Anzeigen und Vertrieb ins Boot geholt und eine nachhaltige Kampagne entwickelt – „ein schöner gemeinsamer Erfolg.“

Welt der Musicals
Die Zusammenarbeit mit der Redaktion erfordert dabei ein hohes Maß an Sensibilität, „Marketing und Journalismus sind grundsätzlich zwei entgegengesetzte Pole“, erklärt sie. „Und eine unabhängige Redaktion ist das Herz einer jeden Tageszeitung“, fügt sie an. Sie weiß das sehr genau, denn sie hat selber als Journalistin gearbeitet. Später kam es dann anders. „Pressereferentin für Stella Musicals mit journalistischen Kenntnissen gesucht“ hieß es in einer Stellenausschreibung, die sie kurz vor dem Examen in der Zeitung las. „Warum nicht?“, dachte sich die junge Frau. Und bekam den Job.
„Anfangs wurden wir von den Feuilletonisten belächelt“, erzählt sie, „doch der Erfolg gab uns recht. Die Menschen kamen in Scharen.“
Anfang 2000 ein Wechsel. Vom Musicalbusiness in die Verlagswelt. Bastei-Lübbe lockte die geborene Hamburgerin in die Marketing- und Verlagsleitung. Sieben Jahre begleitete die Tochter einer Kaufmannsfamilie das mittelständische Unternehmen aus schwierigen Zeiten in ruhigere Gewässer. Rätselzeitschriften, Sudoku, Bücher und Hörbücher. Der Verlag erfand sich neu, Bettina Rothärmel mittendrin.

Lockruf des Nordens
2007 das Angebot aus Braunschweig. „Eine Tageszeitung, und dann noch relativ weit im Norden – das lockte mich schon sehr.“ Von Braunschweig wusste sie bis dahin „so gut wie nichts.“ Heute ist sie Fan. „Gute Luft, weite Sicht“, schwärmt das Nordlicht in ihr. Eine schöne Wohnung an der Jasperallee, „nur fünf Minuten zu meiner Laufstrecke.“ Dreimal in der Woche dreht sie ihre Runden, ab und zu geht es zum Segeln. Heimatgefühle. „Typisch hamburgisch“, lacht sie und erzählt von einer schönen Kindheit in Norddeutschland. „Ich hatte eine gute Erziehung und Bildung“, blickt sie dankbar zurück, ihr Sprachtalent wurde gefördert, die Grundlagen für ihre Liebe zum Theater, zur Kunst und Kultur gelegt und gehegt.
Die Verbindung nach Hamburg steht, als Professorin für Medienmanagement hält sie an der Hochschule für Musik und Theater regelmäßig Vorlesungen und gibt Seminare. „Auf ganz schmaler Flamme, dafür kontinuierlich“, erklärt sie. „der Kontakt zur Lehre und zum Nachwuchs tut mir gut, zwingt mich, auch theoretisch immer auf dem Laufenden zu bleiben.“
Gute Bildung und Ausbildung sind für sie eindeutig der wesentliche Schlüssel zum Erfolg – unabhängig vom Geschlecht.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.