Anzeige

„Die Stärke kommt aus der Gemeinschaft“

Serie Führungsstil: Das Führungskonzept von Francis Kleitz ist eine erfolgreiche Mischung aus französischem Charme, deutscher Disziplin und moralischer Integrität.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 11.03.2012.


Fühlen Sie sich gut informiert? Gibt es Konflikte? Haben Sie Probleme mit einem Vorgesetzten? Die Meinung seiner Mitarbeiter ist Francis Kleitz wichtig. Für den Erfolg von BS-Energy setzt der Vorstandsvorsitzende auf die Belegschaft. Und auf sich selbst – auf seine Vorbildfunktion.

Das Führungsteam an der Spitze des Energieversorgers ist handverlesen; von seinen Kollegen im Vorstand und den Führungskräften im Konzern erwartet Francis Kleitz viel. Was genau, das lebt er vor: „Engagement für das Unternehmen, denken und fühlen für das Unternehmen.“
Auch der Anspruch an die Belegschaft ist hoch: „Trotzdem, Arbeitszeitbegrenzungen sind wichtig. Auf hohe Belastungsphasen muss irgendwann ein Ausgleich folgen. Feierabend sollte Feierabend sein“, erklärt er seine Haltung. Aber auch hier gilt: „Die Arbeit muss gemacht werden. Und wenn die Freizeit wichtiger wird als die Arbeit, dann läuft etwas falsch.“ Und ganz sicher nicht mehr lange gut – zumindest nicht mit Francis Kleitz.
Doch meistens läuft es sogar sehr gut. Der Chef lebt seinen Anspruch vor. Offenheit, Mitbestimmung und Kommunikation sind ihm mehr als Schlagworte. „Erfolg kann nicht von oben diktiert werden“, erklärt er seine Sicht, „die Stärke kommt aus der Gemeinschaft, ich will, dass die Mitarbeiter sich sicher fühlen, sich äußern können, das Gefühl haben, dass ihre Meinung wichtig ist, dass sie eingreifen können.“
Dieses „Eingreifen können“ ist Francis Kleitz Bedürfnis, er ist ein beweglicher Geist. „Auch wenn das nicht immer gelingt, Fehler muss man akzeptieren“, fügt er an, „bei sich und bei anderen.“ Angst vor Fehlern führe zu Stillstand, und stillzustehen ist so ziemlich das Letzte, was Francis Kleitz sich vorstellen kann. „Sie müssen in Bewegung bleiben“, sagt er, „sonst schlafen Sie ein.“
Der gebürtige Franzose war schon als kleiner Junge fast ständig in Bewegung, wenn auch nicht immer ganz freiwillig. „Meine Eltern haben eine Landwirtschaft in Colmar im Elsass“, blickt er zurück, „in den Ferien habe ich dort Weizensäcke geschleppt“. Eine Leistungsbereitschaft, die er beibehalten hat, schätzt und fordert. Von sich und von anderen.
Allerdings – das ist ihm genauso wichtig – unter fairen Bedingungen. Und mit Respekt. „Ich nehme Rücksicht auf Menschen“, beschreibt er seinen Führungsstil, „aber manchmal prallen auch die unterschiedlichen Mentalitäten aufeinander. Hier der deutsche Mitarbeiter, mit der Vorliebe für klare Entscheidungen und Strategien, dort der Franzose, der solche Festlegungen instinktiv scheut: Ich empfinde so ein hartes Ja oder Nein oft als undiplomatisch und die Fokussierung auf Ziele und Strategien kann auch unflexibel und blind für unternehmerische Gelegenheiten machen. Aber ich weiß, das diese Art zu denken für mein Umfeld manchmal eine Herausforderung ist.“
Eine ausgeprägte Weiterbildungsstruktur bei BS-Energy ist da nur folgerichtig, angemessenes Gehalt und geregelte Arbeitszeiten gehören zum Standard. Sich wohlzufühlen im Konzern, Bindung aufzubauen, ein gutes Klima zu schaffen – daran arbeitet der Vorstandsvorsitzende. Jedes Jahr begrüßt er die rund 25 neuen Auszubildenden persönlich. Nähe und Vertrauen als Basis.
Doch es gibt nicht nur die Kuschelzone, Francis Kleitz kann auch sauer werden, er hat schon Türen geknallt, ist laut geworden. „Aber sehr selten“, sagt er, „ich hole mich ganz schnell wieder zurück“, beschreibt er Grenzsituationen. „Ideologisch geprägte Kritik an Energieversorgern“ beispielsweise ärgert ihn maßlos. Und bei allem Verständnis für Fehler, sie dürfen sich nicht wiederholen.
In der Regel ist sein Umgangston ruhig, sein Stil überlegt und geprägt vom Einhalten von Regeln. „Beispielsweise rufe ich meine Mitarbeiter niemals am Wochenende an“, sagt Kleitz. Denn auch der Chef lebt nicht nur für die Arbeit. „Meine Familie ist mir noch immer das Wichtigste“, sagt der 51-Jährige und erzählt von der Familie in Berlin. Von seiner Frau, die wie er aus dem Elsass kommt, und den drei Töchtern, von denen nur noch die jüngste zu Hause wohnt.
Der Familienvater pendelt fast jedes Wochenende. Seiner Familie zuliebe verzichtete er darauf, ganz nach Braunschweig zu ziehen. Erst fehlte eine französischsprachige Schule für die Kinder, inzwischen ist seine Frau in Berlin auch wieder berufstätig. Also bleibt es beim Pendeln.
„Aber ich mag Braunschweig“, versichert er, sportlich und kulturell sei das Angebot der Stadt groß und vielfältig, nur beim Thema Essen – da muss der Franzose, der das Klischee des Gourmets gut und gern erfüllt, etwas grinsen. „Na ja“, kommt es gedehnt, „es gibt da noch Entwicklungsmöglichkeiten.“ Aber in den vergangenen Jahren sei auch viel passiert, er kenne durchaus einige gute Restaurants, und außerdem müsse er die Gastronomen in Schutz nehmen, denn die französische Tradition der klassischen Arbeitsessen gebe es in Braunschweig kaum.
Das sieht in Berlin schon etwas anders aus, und im Zweifel kocht Kleitz auch selbst. Isst gern und gut, „Abwechslung ist der Reiz des Lebens, auch beim Essen,“ beschreibt er eine vielfältige Küche. Die Portionen allerdings sind eher klein, und „keine Soßen, wenig Kartoffeln“, fügt er an. Der Mann legt Wert auf gute Form.
Das Prinzip Stadtwerke hat Kleitz schon früh fasziniert, wenn auch der erste Kontakt eher zufällig war. „Nach dem Studium hatte ich einige Initialbewerbungen in ganz Frankreich verschickt, aber meine Mutter wünschte sich sehr, dass ich in der Nähe bleibe“, erzählt Kleitz, „da kam ihr eine Stellenanzeige der Stadtwerke Colmar gerade recht.“ Der Eltern wegen, schickte er auch eine Bewerbung dorthin – Karrierestart für Francis Kleitz.
Fünf Jahre lang arbeitete Kleitz als Leiter der Planung für die Stadtwerke Colmar, wechselte anschließend als Geschäftsführer zu den Stadtwerken Guebwiller.
2001 kam ein Angebot aus Deutschland. Erst Berlin, dann Braunschweig. Seit 2005 ist der studierte Maschinenbauer und Elektrotechniker im Vorstand der BS-Energy-Gruppe, seit 2009 Vorstandsvorsitzender.
„Die lokale Bindung ist ein wesentliches Element unseres Erfolges“, betont er, Autos könnten in die ganze Welt geliefert werden, aber Wasser oder Energie zentral aus Paris, das würde nicht funktionieren. „Kommunen wollen wieder mitreden, wenn es um die Strom- und Gasversorgung geht. Sie wollen Stadtwerke vor Ort als Ansprechpartner für ihre Bürger. Sie möchten stabile Erträge und eigene Kapazitäten für umweltfreundliche Energieerzeugung. Damit ein solches Projekt zum Erfolg wird, braucht es neben Kapital vor allem das nötige Know-how“, beschreibt Kleitz die Anforderungen. Er ist verantwortlich dafür, für diesen Anspruch individuelle und maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. „Ein sehr deutsches Modell“, sagt Kleitz, in Frankreich gibt es im Wesentlichen nur zwei große staatliche Energieversorger.
Der Franzose lebt gern in Deutschland, Heimat aber ist und bleibt Frankreich. Genauer – das Elsass. Immer wieder zieht es ihn zurück, er genießt die typisch französische Art des intensiven Familienlebens, lange Abende an reich gedeckten Tischen, endlose Gespräche, guten Wein. Alte Freundschaften stärken sein Fundament, seit mehr als 30 Jahren verbringen er und seine Familie einen Wanderurlaub mit Freunden in den Pyrenäen. Francis Kleitz hat tiefe Wurzeln.
Er schätzt aber auch bestimmte deutsche Tugenden. „Das Leben funktioniert hier einfach sehr, sehr gut“, erkennt er an, „ich glaube, das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft ist in Deutschland größer“.
Als Beispiel nennt er die Zusammenarbeit mit seinem Betriebsrat, die konstruktiv und ergebnisorientiert sei. Neue Ideen haben so eine Chance. Das ist wichtig für Francis Kleitz. „An der Arbeit bei BS-Energy reizt mich besonders, dass das Unternehmen von der Größe her durch mich steuerbar ist, ich kann unternehmerisch denken und handeln, der dezentral organisierte Mutterkonzern Veolia lässt viele Freiheiten.“
Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende ist die aktuelle Herausforderung für BS-Energy und damit auch für Francis Kleitz, der den Atomausstieg begrüßt und alternative Energien seit langem fördert. Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Sporthalle IGS Franz'sches Feld, der Wasserspeicher Bürgerpark, das gemeinsam mit dem Abwasserverband fertiggestellte Biogasprojekt sind Beispiele. Als Nächstes ist ein Nahwärmenetz mit einem Holzheizkraftwerk als Energiequelle geplant. Außerdem forscht das Unternehmen mit der TU Braunschweig an dem Thema Stromspeicherung.
BS-Energy muss auch wieder stärker auf Kundenorientierung schauen, findet Kleitz: „Um die gesetzlichen Regulierungsvorschriften umzusetzen, mussten wir viele Prozesse umstellen. Die Abläufe sicherzustellen, hat unsere ganze Kraft gekostet und uns zeitweise vom Kunden entfernt.“
Lokales Engagement ist die Basis seiner Arbeit, Sponsoring ein wesentlicher Faktor, um die Bindung zwischen Konzern und Bevölkerung zu stärken. Den Erfolg misst Kleitz regelmäßig in Zahlen: Neue Kooperationen mit Stadtwerken werden gesucht, jüngste Beispiele sind Thale, Springe und Elm-Lappwald, die Anzahl der Neukundenverträge hat der Vorstandsvorsitzende genau im Blick.
BS-Energy steht glänzend da, gute Zeiten für den Vorstandsvorsitzenden. Doch Francis Kleitz kennt auch die harte Seite der Führungsetage. „Als Geschäftsführer einer Berlinwasser-Tochter habe ich ein Geschäftsmodell an den Markt gebracht, für das es noch zu früh war“, blickt er zurück, der Versuch wurde gestoppt, Francis Kleitz musste 35 Menschen kündigen. „Eine anstrengende Zeit“, sagt er, „aber auch damals war ich überzeugt von dem, was ich tue. Ich wusste, es musste sein.“
Die Überzeugung, das Richtige zu tun, prägt den Führungsstil von Francis Kleitz, er verlangt grundsätzlich viel, macht aber feine Unterschiede zwischen Häuptlingen und Indianern. Je höher Status und Gehalt, je mehr Leistung und Einsatz erwartet der Vorstandsvorsitzende. Als Erstes von sich selbst.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.