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Die letzte Zigarette kann noch warten

Marianne Sommermeyer (vorne) ist nach der Rückkehr vom Opernhaus in Magdeburg überglücklich. Foto: Erik Beyen

Der ASB-Wünschewagen ist für todkranke Menschen aus dem Landkreis Helmstedt unterwegs. Er kann sogar neuen Mut und Kraft geben.

Von Erik Beyen, 22.12.2017.

Helmstedt. Im Leben eines Menschen soll nichts unerledigt oder unausgesprochen bleiben, damit er die Welt in Frieden verlassen kann. Das ist nicht immer ganz leicht, doch zumindest bei unerfüllten Wünschen todkranker Menschen kann der Arbeiter-Sameriter-Bund (ASB) Helmstedt helfen. Mit dem Wünschewagen macht die Hilfsorganisation nun letzte Wünsche wahr, sie wagen sie einfach. „Im Zweifel“, sagt Thomas Jacob vom ASB in Helmstedt, „sperren wir auch eine Rollbahn.“

Ganz so aufwändig war der Wunsch der Pensionärin Marianne Sommermeyer nicht zu erfüllen. Die 85 Jahre alte Dame aus Helmstedt ist an Krebs erkrankt, in der finalen Phase, wie es heißt. Der Tod kann täglich kommen. Bevor der aber da ist, da will sie noch eine Tasse Kaffee trinken, eine letzte Zigarette rauchen und, da war noch so ein besonderer Wunsch: Sie wollte einmal noch eine Ballettvorführung erleben, nicht irgendeine, sondern Tschaikowskis Schwanensee oder den Nussknacker.

Ihr Wunsch sollte sich am dritten Advent erfüllen. Sozusagen als kleine vorweihnachtliche Bescherung stand Sommermeyers Sterbebegleiterin Brigitta Küpper vom Verein Hospizarbeit Helmstedt mit zwei Eintrittskarten vor ihrer Tür. Auf dem Parklatz des Hauses warteten die Ehrenamtlichen Maren und Daniel vom ASB mit dem Wünschewagen. Es ging ins Opernhaus nach Magdeburg zum Nussknacker als Ballett.

Der Wünschewagen ist ein angepasster Rettungswagen mit allem an Bord, was medizinisch nötig ist, und noch ein Stück Behaglichkeit dazu, denn der Rettungswagen kommt erst auf den zweiten Blick durch. Die Teams sind ausgebildete Kräfte, wie in diesem Fall Maren, sie ist examinierte Krankenschwester, ihr Kollege Daniel Sanitätshelfer.

Seit Mai 2017 fährt der Wünschewagen des ASB durch Niedersachsen. Stationiert ist er in Hannover. Von Fall zu Fall fordern die Ortsverbände des ASB ihn an. Und sie tun noch viel mehr: Sie organisieren die Wunscherfüllung, die mitunter zur logistischen Herausforderung werden kann, aber: „Im Zweifel sperren wir auch eine Rollbahn“, so Thomas Jacob vom ASB in Helmstedt. Er hat auch einen Wunsch: einen Wünschewagen, der in Helmstedt stationiert ist. Es gebe noch viele Wünsche zu erfüllen.

Der Wünschewagen finanziert sich ausschließlich über Spenden. Sein Einsatz ist für die Betroffenen kostenfrei. Wer mehr wissen will: www.asb-helmstedt.de oder t.jacob@asb-helmstedt.de. Bei Marianne Sommermeyer hat die Wunscherfüllung nachhaltig Eindruck hinterlassen. Sie hat sogar Kraft und Mut gewonnen und ein neues Ziel formuliert: Weihnachten im Kreise der Familie. Die letzte Zigarette kann noch warten.
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