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Die Kunst führt zum Menschen

Seine Speckstein-Skulpturen fertigt Rüdiger Franz gerne in der freien Natur. Foto: André Pause

Rüdiger Franz aus Veltheim fertigt seit mehr als 30 Jahren Aquarelle und Speckstein-Skulpturen.

Von André Pause, 19.12.2015.

Veltheim/Ohe. Wäre es nach Rüdiger Franz gegangen: Er hätte auch gerne Kunst studiert.

„Die Kunst ist wirklich mein Leben“, seufzt der 50-Jährige, und erzählt, wie er im zarten Alter von sechs Jahren damit begann, seine Comichelden zu malen, wie er sich mit Elf an Kohleporträts von eigentlich unerreichbaren Filmstars wie James Dean, Rock Hudson oder Doris Day versuchte, und wie er pünktlich zur Volljährigkeit zunächst den Speckstein und wenig später die Aquarellfarbe als Arbeitsmaterial entdeckte.

Dass dann doch alles ganz anders kam – zumindest beruflich – ist der elterlichen Überzeugungsarbeit zu verdanken. Etwas Solides sollte es sein, und so studierte Franz von 1986 bis 1989 Vermessungswesen in Berlin. Heute arbeitet der Familienvater einer sechzehnjährigen Tochter beim Katasteramt in Wolfenbüttel. Seiner Kunst ist er trotz allem treu geblieben – als freischaffender Künstler. „Als solcher bin ich auch beim Finanzamt gemeldet, aber für Geld mache ich das alles nicht, sondern just for fun, um Leute kennenzulernen“, betont der gebürtige Schöninger.

Um Leute kennenzulernen? Diesen Brückenschlag muss er erklären: „Menschen haben mich generell schon immer fasziniert, so auch verschiedene Künstler, die ich gerne einmal treffen wollte. Also habe ich sie eigenhändig porträtiert, und versucht, die Bilder signieren zu lassen.“
Fast immer hat das funktioniert. Eines der wenigen nicht signierten Starporträts von Rüdiger Franz ist – aufmerksame nB-Leser kennen es bereits – jenes von Bob Dylan, dass er uns im Oktober für die Nachberichterstattung zu dessen Konzert in Braunschweig zur Verfügung gestellt hat. Dylan ließ keine Livebilder zu, und so sorgte das fotografierte Aquarell von Rüdiger Franz für den optischen Reiz des Artikels.

Andere Stars unterschreiben die Bilder dagegen sehr gerne: „Ahoi Rüdiger“, hat Udo Lindenberg seiner Signatur hinzugefügt, „Gut getroffen!“ findet Annett Louisan und Ärzte-Sänger Bela B., der als Fledermaus dargestellt ist, fabuliert anerkennend: „Gesehen, und für evil befunden!“

Auf etwa 20 000 Autogramme schätzt Franz seine Sammlung. Einige Künstler hat er auch fotografiert. „Der ganze Dachboden ist voll, 60 bis 70 Ordner sind es bestimmt“, lacht Franz. Bei ihm führt die Kunst zweifellos zum Menschen. Ein Beleg dafür ist, dass aus Kontakten zu einigen Künstlern Bekanntschaften oder sogar Freundschaften entstanden sind. Sänger und Schauspieler Volker Lechtenbrink beispielsweise hat einen echten Franz bei sich zu Hause, für die „Storyteller-Tour“ von Gunter Gabriel und Heinrich Doc Wolf sowie für die Band Truck Stop hat der Wahl-Veltheimer schon die Motive der Ankündigungsplakate gestaltet, für Mark Borrell ein Albumcover und für drei Lessingromane von Uwe Brackmann die Buchdeckel. „Mir ist es wichtig, dass das Porträt nicht nur stur abbildet, sondern auch eine Geschichte erzählt.“

Bei der Specksteingestaltung liegt die mitunter außerhalb der Entscheidungsgewalt des Skulpteurs. „Das Material gibt viel vor“, skizziert Franz und deutet auf ein Glücksschwein. Da sich der Stein auf einer Seite verjüngt, hat er ihm kurzerhand die Ohren über das Gesicht gelegt, so dass nur noch eine markante Schweinenase hervorlugt.
Während die Aquarelle im Atelier entstehen, fertigt Franz die Steinfiguren gerne in der freien Natur. Die Reihenfolge: grobe Raspeln, immer feinere Riffelraspeln oder Schnitzwerkzeug, dann wird mit Bienenwachs poliert. „Das sind immer mehrere Gänge. Manchmal sitze ich von morgens bis abends im Wald, poliere, und vergesse alles um mich herum“, strahlt der Teilzeitkünstler, der das Prozedere mit Yoga-Übungen vergleicht.

Ehefrau und Tochter kämen mit dem nicht unwesentlichen, kreativen Aktionsradius inklusive der zahlreichen Stunden auf Achse übrigens sehr gut klar. „Meine Frau hat mich vor 26 Jahren so kennengelernt, trotzdem musst Du eine solch verständnisvolle Partnerin erst einmal finden“, sagt Franz und verweist abschließend noch einmal mit einem Schmunzeln auf seine Autogrammsammelleidenschaft: „Stell Dir vor Bruce Springsteen ist in Braunschweig und Du kannst nicht hin. Also: Für mich wäre das eine Katastrophe.“
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