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Die etwas andere WG: Vier Jugendliche erobern die Welt

Stefan, Leon, Lara und Lisa (v.l.) bewiesen Mut und gründeten – mit Assistenz – eine eigene Wohngemeinschaft. Die Küche ist ihr zentraler Treffpunkt. Fotos: Elke Franzen / oh

Vier Menschen mit Down-Syndrom schaffen mit Eltern und Lebenshilfe eine eigene Wohnform.

Von Elke Franzen, 19.03.2016.

Braunschweig. „Leben wir los!“ scheint das Motto von Lisa, Lara, Leon und Stefan zu lauten. Gemeinsam mit ihren Eltern und der Lebenshilfe Braunschweig haben sie eine Wohnform außerhalb des Elternhauses geschaffenen.

Und weil halt nicht alles von alleine geht und klappt, unterstützen bei einigen Aufgaben die Mitarbeiter der Lebenshilfe als Assistenten mit viel Gespür für die Strukturen und ihre Bewohner.

Das vierblättrige Kleeblatt Lisa, Lara, Leon und Stefan will ein gemeinsames Leben auf die Reihe bekommen. Klar, manchmal ist die eine zu laut, der andere trödelt im Bad, der Müll muss runter. Doch mit guter Laune, einem hinreißenden Lachen und mit der Robustheit und Stärke derer, die genau in der Situation die Peilung behalten, klappt das Ganze erstaunlich und unvermutet gut. Und wie zum Trotz zum warnenden Satz „Das Leben ist kein Ponyhof“ blinkelt aus dem Waschbecken ein Ablaufdeckel mit dem Spruch „Das Leben ist eine Blumenwiese“ entgegen.

Schwimmen, Badminton, Tischtennis, Filme, Spiele, Stadtbummel, Disco, Musik, kleine Gedichte schreiben (und die auch auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen), sich verlieben mit diesem Flattergefühl der „Schmetterlinge im Bauch“ – neben der Arbeit als Servicekraft im Café Flora, in der Großküche und der Montage sind die Tage jedes Einzelnen schnell gefüllt.

Dieses neue Leben war aber keineswegs einfach und selbstverständlich. Die Eltern haben lange überlegt, diskutiert, geplant und verworfen, besiegelt und sich getraut. Sie haben mitgesteuert und stehen auch jetzt manchmal parat.
Sie entscheiden mit ihren Kindern, welche individuellen Dienstleistungen mit dem von den Vieren beantragten „Persönlichen Budget“ gebucht werden. Aber sie erleben auch, wie ihre Kinder in ihrem neuen Gefüge immer mehr Fähigkeiten erwerben und auch eigene Regeln aufstellen.

„Wenn einer einen Streit verursacht, muss er auch sagen: Tut mir leid. Lass uns noch mal neu anfangen“, betont Lisa. „Doch wir vertragen uns hier total gut und haben viel Spaß miteinander.“ Leon fasst zusammen, was allen Bewohnern wichtig ist: „Am liebsten würden wir jedem jungen Menschen sagen: Trau Dich! Sei mutig. Du schaffst das. Auch das.“

Und dann hocken die vier glucksend an ihrem Frühstückstisch und antworten auf die Frage „Was ist denn schwierig?“ mit dieser jugendlichen, aber so charmanten Überheblichkeit ganz lässig: „Nix.“ Noch Fragen?

Info

• Jedes Jahr am 21. März findet der Welt-Down-Syndrom-Tag statt.

• Das gewählte Datum, der 21. März, symbolisiert das charakteristische Merkmal des Down-Syndroms, nämlich das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms.

• Der Aktionstag wurde erstmals 2006 in Genf organisiert.

• Seit 2012 ist der Welt-Down-Syndrom-Tag offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt.
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